Fußball
Steuertricks der Fußball-Stars

Der Fußball wird die Moral-Debatten nicht los. Die detaillierten Berichte über fragwürdige Steuerspar-Modelle einiger Branchen-Stars sorgen für Wirbel.

Berlin. Enthüllungen um Geldflüsse und Steuertricks rücken den internationalen Spitzenfußball und seine Top-Stars einmal mehr ins Zwielicht. Millionensummen flossen angeblich über Briefkastenfirmen in Steueroasen. Beraterhonorare sollen nicht korrekt beim Fiskus abgerechnet worden sein. Strohmänner, allzu zahlungswillige Vereine und Sponsoren und großzügige Steuerbehörden komplettieren das Sittengemälde.

Bild einer Doppelmoral

18,6 Millionen Dokumente aus der Grauzone des Weltfußballs hat ein vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" angeführtes internationales Medien-Netzwerk in den vergangenen sieben Monaten ausgewertet. Grundlage der Recherchen ist ein riesiger Datensatz von insgesamt 1,9 Terabyte, der von der Enthüllungsplattform Football Leaks zur Verfügung gestellt wurde. Die darin genannten Summen, die im Milliarden-Zirkus Fußball an die Superstars fließen, und die Tricks, mit denen die Finanzbehörden dabei umdribbelt werden, nähren das Bild von der Doppelmoral des Glitzergeschäfts.

Neu allerdings sind die detailliert beschriebenen Methoden nicht. So ist der fünfmalige Weltfußballer Lionel Messi in diesem Jahr wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 4,1 Millionen Euro vom Landgericht in Barcelona zu 21 Monaten Haft verurteilt worden. Zur Umgehung der spanischen Steuer soll Messi seine Werberechte an ein Netz von Scheinfirmen abgetreten haben. Die Honorare, die der Argentinier von verschiedenen Weltkonzernen für seine Werbeauftritte erhielt, sollen an der spanischen Steuer vorbei in verschiedene Steuerparadiese geflossen sein.

Kurz vor dem spanischen "Clasico" zwischen Barcelona und Real Madrid am Samstag geriet Messis ewiger Rivale Cristiano Ronaldo in die Defensive. Der 31-Jährige ist nach Berechnungen des US-Magazins "Forbes" mit 78 Millionen Euro Jahresverdienst der bestbezahlte Sportler der Welt. So soll Ronaldo zwischen 2009 und 2014 mit Werbung und Bildrechten außerhalb Spaniens mehr als 60 Millionen Euro verdient und dafür kaum Steuern bezahlt haben. Das Management des Portugiesen sah sich nun zu Beteuerungen gezwungen, Ronaldo sei allen Verpflichtungen gegenüber den spanischen Steuerbehörden nachgekommen.

Ronaldo verspottet

Beim 1:1 in Barcelona am Samstagabend verspotteten die Fans die Real-Ikone Ronaldo mit einem Lied, in dem sie ihn zur Zahlung von Steuern ermahnten. Zuvor hatte Barça-Vizepräsident Carles Vilarrubí gefordert, der Fiskus müsse gegen Ronaldo "genauso unerbittlich wie seinerzeit gegen Lionel Messi vorgehen".

Genau hier liegt aber offenbar das Grundproblem. Die spanischen Finanzämter hatten jahrelang im Profi-Fußball eine gewisse Großzügigkeit walten lassen. Schon in den 90er Jahren waren viele Vereine dazu übergegangen, die Bezüge ihrer Stars in zwei Kategorien aufzusplitten: das normale Gehalt und Werbehonorare. Für die Gehälter wurde die übliche Einkommenssteuer gezahlt. Bei den Werbeeinnahmen wurden - deutlich niedrigere - Umsatzsteuern fällig. Zudem gab es eine Reihe von durchaus legalen Möglichkeiten, den Fiskus durch Firmen im Ausland oder andere Methoden zu umgehen.

Die "Spiegel"-Enthüllungen erinnern an die von mehreren internationalen Medien veröffentlichten "Panama Papers", aus denen hervorgeht, dass zahlreiche Politiker, Sportler und andere Prominente Vermögen in Offshore-Firmen hielten. Dabei steht der - unbewiesene - Verdacht der Steuerhinterziehung im Raum.

Auch Özil und Mourinho im VisierAuch Mesut Özil widmet "Der Spiegel" eine Geschichte. Der deutsche Weltmeister habe demnach im Februar 2016 insgesamt 2 017 152 Euro Steuern inklusive Zinsen an spanische Finanzbehöden nachzahlen müssen. Er soll zuvor nur sehr unvollständige Angaben über seine Einkünfte gemacht haben. Eine Strafzahlung in Höhe von rund 790 000 Euro sei ausgesetzt worden, weil Özil Widerspruch gegen die Nachzahlung eingelegt hatte.

Auch der ehemalige Real-Trainer José Mourino soll getrickst haben, indem er Werbemillionen in die Karibik umgelenkt hat. Im Jahr 2015 einigte sich der Star-Coach demnach mit den spanischen Steuerbehörden gegen eine Nachzahlung von 5,8 Millionen Euro.
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