28.06.2017 - 22:16 Uhr
Sport

Garcia-Report: Fifa macht auf gute Stimmung Doping-Sumpf folgt auf Korruptionsaffäre

St. Petersburg/Zürich. Jetzt wird bei der Fifa wieder getanzt. Am Tag nach der Veröffentlichung des Garcia-Reports schaltete man beim Fußball-Weltverband in den Party-Modus. Die schweren Zeiten der Korruptionsvorwürfe sind von der Fifa-Spitze um Gianni Infantino für beendet erklärt worden.

"Es gibt keine solide Grundlage, die Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland und Katar infrage zu stellen." Zitat: Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura
von Agentur DPAProfil

Während die lange hart kritisierten Turnier-Gastgeber Russland und Katar ihre Genugtuung über den WM-Freibrief für 2018 und 2022 mit teils hämischen Kommentaren nicht verbergen wollten, ließ sich Fatma Samoura zu einer ungewöhnlichen Tanz-Einlage animieren. In Kasan drehte die Fifa-Generalsekretärin am Mittwoch wenige Stunden vor dem Halbfinale des Confed-Cups zwischen Portugal und Chile bei einem Termin ein paar schwungvolle Runden mit Turniermaskottchen Zabivaka, einem russischen Wolf mit drolliger Brille.

Die Botschaft war klar: Die Stimmung ist wieder gut beim Fußball-Weltverband mitten in der heißen Phase des WM-Testlaufs in Russland. Und sie soll es auch bleiben, ungeachtet der scharfen Kritik der auf Infantinos Geheiß im Mai abgelösten ehemaligen Ethikchefs Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbely. Die Top-Juristen warfen Infantino und Co. vor, mit der Veröffentlichung des Garcia-Berichts sogar gegen geltendes Fifa-Recht verstoßen zu haben. Die Nachricht des Tages ist für den Fußball-Weltverband eine andere: Aufgrund des nach mehr als zweieinhalb Jahren doch veröffentlichten Untersuchungsberichts des einstigen Chefermittlers Michael Garcia "gibt es keine solide Grundlage, die Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland und Katar infrage zu stellen", sagte Samoura nach dem Tanz.

In Katar reagierte man relativ sachlich auf die für die WM-Macher gute Nachricht. "Wir glauben, dass das Ausmaß unserer Kooperation bei der Untersuchung und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen eine Rechtfertigung der Integrität unserer Bewerbung sind", hieß es.

Viel lauter als die Katarer kamen die Russen daher. "Wir haben nichts getan, was gegen den Ethikcode oder die allgemeinen Normen und Grundsätze der Bewerbungsregeln verstoßen hat", sagte Multi-Funktionär Witali Mutko. Für seinen engsten Mitarbeiter Alexej Sorokin war der Schuldige für die Verdächtigungen schnell ausgemacht: "Man sollte die Schlussfolgerungen des Berichts zur russischen Bewerbung lesen, um zu sehen, dass alle Anschuldigungen durch westliche Medien unbegründet sind."

Es gibt keine solide Grundlage, die Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland und Katar infrage zu stellen.Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura

WM-Vergabe

Pressestimmen zum Garcia-Report

Großbritannien:

"The Sun": "Das hat immer zum Himmel gestunken. Ein Geruch, der sieben Jahre lang nicht verschwinden wollte, in denen der Ruf der Fifa vom Rinnstein in den Abwasserkanal geschleift wurde."

"The Times": "Der geheime Bericht über die Vergabe der Weltmeisterschaften für 2018 und 2022 hat die ungeheuerlichen Forderungen der Fifa-Mitglieder einzeln aufgeführt, aber es fehlt der schlagende Beweis, der dazu führt, dass man Russland oder Katar die Turniere hätte wieder abnehmen können."

"The Guardian": "Das war sie schließlich, die Gelegenheit, die giftigen Innereien völlig zu verdauen und den schlagenden Beweis zu finden, inmitten dieser Geschichte aus menschlicher Dummheit und Gier. (...) Aber der verworrene, giftige Garcia-Report ruft eher Lachen als Empörung hervor."

Russland:

"Sport-Express": "In den westlichen Medien, allen voran in den britischen, erscheinen ständig Hinweise und haltlose Behauptungen: Mit der Auswahl der Länder, mit dem Gastgeber der WM 2018 ist irgend etwas faul. Und jetzt werden weit hergeholte Geheimnisse aufgedeckt. Aber das ist ein moralischer Sieg für Russland, denn die Fifa wird die WM einerseits nicht neu vergeben und andererseits: Derjenige, der immer nach etwas Negativem sucht, wird das auch weiterhin tun."

Frankreich:

"L'Équipe": "Auch wenn er keine aufsehenerregenden Enthüllungen enthält, bestätigt der gestern von der Fifa veröffentlichte Garcia-Bericht die Perversion des Systems zur Vergabe der Weltmeisterschaften." (dpa)

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