19.02.2004 - 00:00 Uhr
Sport

Greuther Fürth im Wechselwahn - Ex-Coach: "Das ist ein Witz": "Kost-Proben" einer Posse

Eigentlich ist Mathias Surmann schuld. Hätte der Mittelfeldspieler der Fürther in der 91. Minute nicht über den Ball gesäbelt, dann hätte Johan Micoud nicht zum 2:2 getroffen. Und Werder Bremen wäre am Ende nicht mit 3:2 ins DFB-Pokalhalbfinale eingezogen.

von Josef Maier Kontakt Profil

Thomas Kost, bis Dienstag jüngster Trainer im Profigeschäft, wäre mit einem Schlag in der ganzen Republik bekannt gewesen. Er hätte die derzeitige deutsche Übermannschaft besiegt. Und Präsident Helmut Hack hätte sich hingestellt und den jungen Neustädter als seine Trainerentdeckung gelobt. Gefeiert als Einziger, der die Mannschaft von Greuther Fürth wieder auf Vordermann bringen könne.

Zwei Wochen später ist das Tischtuch zwischen Hack und Kost zerschnitten. Nach dem Trainerrauswurf nach nur sieben Wochen ist der 34-Jährige auch am Mittwoch noch völlig perplex: "Das ist ein Witz. Warum hat er mich dann überhaupt eingestellt?"

Die letzten drei Tage kommen ihm immer noch wie ein Albtraum vor. "Am Samstag, einen Tag nach der Niederlage gegen Trier, deutete nichts auf eine Entlassung hin", erzählt er. Am Montag hörte sich das auf einmal anders an. Er könne ihm nicht garantieren, dass er am Sonntag gegen Berlin noch Trainer sei, bedeutete ihm da der smarte Tee-Manager. Dabei hatte der schon mit Benno Möhlmann telefoniert und angefragt, ob er übernehmen wolle. Am Dienstag sagte Hack zu Kost, dass Möhlmann kommen würde, sollte Bielefeld ihn ziehen lassen. Ansonsten könne er bleiben. Möhlmann durfte weg und Kost kann sich das Verhalten des Präsidenten nur so erklären: "Der Mann hat panische Angst."

Eine unrühmliche Rolle in der Wechsel-Posse spielt auch Werner Dreßel. Kost: "Er hätte von Anfang an seine Sachen packen müssen." Das wäre Anfang Januar gewesen, als Kost begann. Doch der Ex-Profi, der nicht zum Chef befördert wurde, blieb weiter Co-Trainer und machte auf stur. "Er hat mich blockiert, statt mir zu helfen", schimpft Kost. Dreßel hatte überhaupt kein Interesse am Erfolg des Oberpfälzers. Der Dank: Jetzt sitzt er wieder brav an Möhlmanns Seite - als "Co".

Wie Hohn müssen Kost Hacks Lobeshymnen nach dem Abschied in den Ohren klingen: Es täte ihm Leid, dass er dessen Karriere nahezu zertrümmert hätte. Er halte ihn weiter für einen "feinen, guten Trainer". Kost winkt ab. Das Thema "Greuther Fürth" sei für ihn erledigt. Die nächsten Tage geht es um die Vertragsauflösung und um eine Abfindung.

"Werde es ihnen zeigen"

Kost selbst will erst einmal ein paar Tage wegfahren. Die Kontakte zu Arsenal London, wo er lange Jahre als Scout in Europa arbeitete, bestehen weiterhin. Doch er will wieder zurück auf die Trainerbank, obwohl er weiß, dass ein Rauswurf nach nur sieben Wochen und vier Spielen eine schwere Hypothek ist. Der ruhige Analytiker will aber kämpfen: "Ich schaue, dass ich jetzt irgendwo unterkomme und dann werde ich es ihnen zeigen."

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