Handball
Kein Blackout dank Sponsor

Handball-Nationaltorwart Carsten Lichtlein (rechts) streckt seine Faust in Richtung einer TV-Kamera. Bei der kommende Woche beginnenden Weltmeisterschaft wird es keine Live-Bilder im deutschen Fernsehen geben. Kurzfristig springt mit der DKB-Bank ein Sponsor ein und zeigt WM-Spiele auf seiner Internetseite. Bild: dpa

Noch nie ist eine Sport-Großveranstaltung ausschließlich über die Internetseite eines Sponsors gezeigt worden. Dieses Novum sorgt für Kritik und wirft viele Fragen auf.

Berlin. Für die Fans ist das Sponsoren-TV von der Handball-WM besser als nichts - für Fernsehsender und andere Medien-Unternehmen eine Bedrohung der freien Berichterstattung. Die exklusiven Live-Übertragungen über die Internetseite des Handball-Sponsors DKB sind eine Notlösung und zeigen die rasanten Änderungen auf dem Medienmarkt. Klassische TV-Anbieter sehen das ebenso kritisch wie der Verband Deutscher Sportjournalisten.

"Wehret den Anfängen. Wenn nicht Journalisten das Geschehen filtern, sondern PR-Leute, dann hat das nichts mit objektiver Berichterstattung zu tun", sagte VDS-Präsident Erich Laaser am Freitag der Deutschen Presse-Agentur: "Das ist ein Präzedenzfall."

"Wir haben die Situation, dass wir als Europameister nach Frankreich fahren und wir haben keine Bilder in ARD und ZDF", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann. Er frage sich, wie die Politik reagiert hätte, wenn es etwa von der Fußball-EM im vergangenen Sommer absehbar keine TV-Bilder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gegeben hätte. Die Kritik des 57-Jährigen bezieht sich konkret auf die sogenannte TV-Schutzliste, über die die Ministerpräsidenten der Bundesländer entscheiden. Auf dieser Liste werden alle sportlichen Events festgehalten, welche in Deutschland frei empfangbar sein müssen. Die Handball-WM gehört nicht dazu. Der DHB hat sich indes die Public-Viewing-Rechte für das Turnier gesichert. Die Rechte für die deutschen Spiele sollen kostenfrei an die Vereine und Verbände weitergegeben werden, wie der DHB am Freitag mitteilte. "Wir rufen alle Handball-Fans in Deutschland zum Public Viewing auf", sagte Michelmann.

Den Vorwurf mangelnder Neutralität bei den Übertragungen weist Stefan Felsing von der Agentur Lagardère zurück. "Da fehlt mir die Fantasie", sagte der Vize-Präsident des Sportvermarkters, der den Deal eingefädelt hat. "Wer auch immer die Spiele kommentieren wird, wird ja nicht sagen, dass der Siebenmeter deshalb verwandelt wurde, weil der Spieler einen Kreditvertrag bei der DKB hatte." Der katarische Rechteinhaber beIN Media hatte die Angebote mehrerer Medien-Unternehmen abgelehnt und der DKB über Lagardère Sports den Zuschlag erteilt.

Klassische Medien-Unternehmen kamen nicht zum Zug, lange drohte ein kompletter Blackout. Dass es überhaupt bewegte Bilder gebe, sei für die Fans erfreulich, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Doch sei Sponsoren-TV "keine Alternative zum frei empfangbaren Fernsehen mit dessen journalistisch-qualitativer Herangehensweise". Die Erfahrung beim Thema Handball-WM zeige eines sehr deutlich: "Hier wurden konsequent alle deutschen Free-TV-Sender von der Teilnahme an Rechteverhandlungen ausgeschlossen, zum Schutz von Pay-Angeboten in anderen europäischen oder nordafrikanischen Ländern."

Wer auch immer die Spiele kommentieren wird, wird ja nicht sagen, dass der Siebenmeter deshalb verwandelt wurde, weil der Spieler einen Kreditvertrag bei der DKB hatte.Stefan Felsing von der Agentur Lagardère


Viele Fragen zum WM-Streaming offenFünf Tage vor Beginn der Handball-WM in Frankreich sind viele Details der Live-Übertragung über die Internetseite der Deutsche Kreditbank AG (DKB) noch nicht geklärt. Wer kommentiert? Reicht die Bandbreite deutschlandweit für den Empfang? Können die Fans ihren Stream auf einen klassischen Fernseher abspielen? Die DKB hatte am Freitag noch keine Antworten und will "in den nächsten Tagen weitere Details bekanntgeben".

Die Bank erwarb die exklusiven Live-Übertragungsrechte für mehr als 50 Spiele über deutsche Agenturen vom Rechteinhaber beIN Media Group. Der Livestream wird nach DKB-Angaben kostenlos sein und mit YouTube als technischem Partner umgesetzt.
3 Kommentare
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Johann Strasser aus Winklarn | 07.01.2017 | 07:14  
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Stefan Kreuzeck aus Weiden in der Oberpfalz | 10.01.2017 | 13:33  
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Johann Strasser aus Winklarn | 10.01.2017 | 13:38  
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