26.08.2014 - 00:00 Uhr
Sport

Jahn-Coach Alex Schmidt warnt vor Stuttgarter Talentschuppen Keller-Duell beim VFB II

„Mit Jahn Regensburg treffen wir auf einen unmittelbaren Tabellennachbarn“, erkennt VFB-II-Trainer Jürgen Kramny glasklar. „Es ist der Auftakt für drei Spiele in der Mechatronik Arena, da wollen wir natürlich punkten.“ Jahn-Coach Alex Schmidt warnt vor dem Tabellen-19.: „Es wäre absolut fahrlässig, diese Truppe nach dem aktuellen Tabellenstand zu bewerten.“ Immerhin, der Jahn kann nach dem kuriosen 4:4 gegen Rostock zumindest Hoffnung aus der Offensivarbeit ziehen – Stuttgart nach 1:4 in Wehen nicht mal das.

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Herr Schmidt, am Freitag haben wir uns darüber unterhalten, ob Ihnen ein Unentschieden gegen Rostock zur Stabilisierung der angeschlagenen Psyche reichen würde – Sie sagten, kommt darauf an, ob es ein Remis nach einem guten Spiel wird oder ein glückliches. Was war das für ein irres Spiel?

Schmidt: Das Spiel hatte verschiedene Phasen. Mit der ersten Halbzeit war ich gar nicht zufrieden. In der zweiten haben wir phasenweise sehr gut gespielt. Aufgrund der Tatsache, dass wir mit zwei Toren führten, und mit Güntners Pfostenschuss und durch Aosman Chancen für ein fünftes Tor hatten, kann ich mit dem Unentschieden natürlich nicht zufrieden sein.

Bei so vielen Gegentoren kann man wohl nicht anders, als sich ganz genau die Abwehrarbeit anzuschauen – wo hapert es? Torwart Loboué sah oft unglücklich aus, obwohl er beim zweiten wahrscheinlich machtlos war. Muss er aktiver werden, mehr dirigieren? Er beschwert sich andererseits, dass Ziemer viermal freistand?

Schmidt: Ja gut, ingesamt muss die Abwehr deutlich besser werden. Fakt ist, dass die Innenverteidigung momentan nicht funktioniert. Wir können Nachreiner nicht ersetzen. Erfreulich war, dass Matthias Dürmeyer ein gutes Spiel gemacht hat. Aber in der Zuordnung bei Standards hat‘s nicht gestimmt. Man muss sich darauf verlassen können, dass der Spieler, der eingeteilt ist, auch seinen Mann im Auge behält.
Woran liegt‘s?

Schmidt: Das ist Unkonzentriertheit

War Ziemer so stark oder sein Gegenspieler so schwach?

Schmidt: Ich würde sagen, wir haben ihn schon eingeladen zum Toreschießen. Es war jemand eingeteilt, da muss ich erwarten können, dass der ihn auch deckt.

Nach vorne sah das degegen stellenweise vielversprechend aus: Besonders Aosman hatte einen starken Tag, Hein in der Mittelfeldrolle konnte ebenfalls Impulse setzen, Trettenbachs Ausflüge immer schön anzuschauen, Dressler hat die Abwehr nach seiner Einwechslung beschäftigt?

Schmidt: Kann man so sagen. Bei Romas Dressler hat natürlich jeder im Stadion gesehen, dass er noch körperliche Defizite hat. Aber mit seiner Ballsicherheit und seinem Gespür fürs Spiel konnte er trotzdem Impulse setzen und uns helfen. Was einem jungen Spieler wie Steininger noch fehlt, die Ruhe am Ball, das Ballabschirmen, bringt er einfach mit. Aber eines ist auch klar. Er hat noch keine Kraft für 90 Minuten. Der war so lange nicht im Training, er ist gelaufen wie ein Verrückter, hat alles gegeben, jetzt muss ich schauen, dass ich ihn nicht verheize.

Jetzt also die U23 des VFB Stuttgart, die dem SSV zumindest in der vergangenen Saison ganz gut lag (2:0/1:1) – derzeit rangiert sie einen Punkt hinter dem Jahn auf Platz 19. Kann die Mannschaft zumindest den offensiven Elan mit nach Schwaben nehmen?

Schmidt: Die Mannschaft war im ersten Moment richtig sauer, dass wir uns die Butter vom Brot nehmen ließen. Aber die Woche im Training war überwiegend positiv, von Niedergeschlagenheit keine Spur.
Gab es Schuldzuweisungen von der Abteilung Attacke Richtung Abwehr?

Schmidt: Nein, das gar nicht. Es waren ja überwiegend Standardsituationen, oder die Bogenlampe beim zweiten Tor, da waren mehrere zuständig, nicht nur die Abwehr. Außerdem hatten wir vorne auch noch Chancen, die man reinmachen kann – Güntner an den Pfosten, der Linksschuss von Aosman ...

Wo sehen Sie die Schwächen und Stärken des schwäbischen Hauptstadt-Nachwuchses?

Schmidt: Das ist eine junge, spielstarke Mannschaft. Wenn man sie spielen lässt, kann das unangenehm werden. Sie haben einige herausragende Talente wie Lohkemper, Yalcin oder Leibold. Wenn die in den Spielfluss kommen, tut sich jede Mannschaft schwer.

Aber derzeit stehen sie in der Tabelle hinten drin ...

Schmidt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass der VFB zulässt, dass die absteigen. Da würde man mit Sicherheit reagieren. Die Jungs sind gut trainiert, der Verein hat eine super Philosophie, Stuttgart ist Deutschland weit mit führend bei der Nachwuchsarbeit.
Bei Dortmund hatten wir auch gehofft, dass uns deren Spielweise entgegenkommt. Was ist der Unterschied zwischen den beiden Nachwuchsteams?

Schmidt: Dortmund hatte einen sehr guten, wir einen sehr schlechten Tag. Wir machten zu viele grobe Schnitzer, die müssen wir einfach abstellen.
Auch wenn wir es wissen, die Pflichtfrage: Sehen Sie Anlass zu gravierenden Umstellungen?

Schmidt: Das ein oder andere müssen wir schon ändern. Wir können nicht vier geschenkte Tore bekommen und drei weitere zulassen. So können wir in der Liga nicht bestehen. Die Spieler müssen wissen, „es kommt ein Nachreiner zurück, ein Velagic, jetzt kann ich mir einen Kredit erspielen oder alles zusammenhauen“. So wird es für den einen oder anderen Spieler schwer in der Dritten Liga.
Dressler ist wohl noch keine Alternative für die Startaufstellung aufgrund seiner mangelnden Fitness?

Schmidt: Fakt ist, dass er mir völlig unfit präsentiert wurde. Ich muss versuchen, das ich ihn sukzessive aufbaue, ihn nicht verheize, wie es zuletzt war. Da musste er wohl spielen, obwohl er noch nicht hundertprozentig fit war und war dann sofort wieder verletzt. Am Wochenende hat er am Limit gespielt, ich muss ihn langsam aufbauen.

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