Jahn erkämpft in Unterzahl 0:0 beim SC Paderborn
Auftrag ausgeführt, Moral intakt

Machado hatte die größte Chance, die Überraschung perfekt zu machen.
 
Machado hatte die größte Chance, die Überraschung perfekt zu machen.
 
Regensburgs Carlinhos mit energischem Antritt.

Auftrag ausgeführt. Nicht dass es dem Jahn in der Tabelle weiterhelfen würde: Dennoch, das 0:0 beim SC Paderborn vor 6290 Zuschauern in der Benteler Arena – 40 Minuten in Unterzahl – ist ein Achtungserfolg, der zeigt, dass sich selbst die Rumpfelf des Oberpfälzer Schlusslichts nicht kampflos in sein Schicksal ergibt. Gegen frühjahrsmüde Westfalen hatte Regensburg sogar die besseren Chancen.

Trainer Franciszek Smuda hatte es bereits bei der Pressekonferenz befürchtet: Die Abwehr stellte sich von selbst auf, Philipp Ziereis und Koray Altinay fehlten genauso wie die bereits abgemeldeten André Laurito und Christian Rahn. Dafür durfte Tim Erfen neben Sebastian Nachreiner, Wilson Kamavuaka und Markus Smarzoch auflaufen. Nur vier Ersatzspieler nahmen auf der Bank Platz, zwei davon – Denis Danso-Weidlich für Koke (62.) und Patrick Haag für Carlinhos (89.) – kamen dann auch zum Einsatz.

Lasche Gastgeber

Paderborns Trainer Stephan Schmidt gab nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Union Berlin Elias Kachunga den Vorzug vor Yilmaz. Sollte Schmidt seine Worte von vor dem Spiel ernst gemeint haben, müsste er am kommenden Samstag, 13 Uhr, beim 1. FC Kaiserslautern fast auf die gesamte Mannschaft verzichten, so lasch, wie diese an die Aufgabe heranging: „Wer am Sonntag nicht hundert Prozent gibt, wird in den nächsten Spielen keine Berücksichtigung finden.“

Lediglich in den ersten zehn Minuten machten die Schwarz-Blauen den Eindruck, dass sie sich das Trainerverdikt zu Herzen nahmen. Mahir Saglik spielt sich in den Strafraum, wo der Albaner freilich wie eine Feder zu Boden sinkt – es sollte nicht die einzige Situation bleiben, in der Schiri-Lady Bibiana den dringenden Elfmeterwunsch der Gastgeber durchschaut und weiterwinkt (5.). Zwei Minuten später segelt eine Freistoßflanke von rechts in den Strafraum, wo sich Kamavuaka am längsten streckt und klärt.

Die Brasilianer vergeben die Führung

Danach legt der Gast die letzte Scheu vor der hohen Auswärtshürde ab. Carlinhos erarbeitet sich den Ball in aussichtsreicher Position, Kruse dreht den Ball gerademal so mit drei Finger um den Pfosten (8.). Gefahr droht dem Jahn meist dann, wenn er Mitleid mit den Hausherren zeigt. Kamavuaka und Machado spielen sich im eigenen 16er, ein gegnerischer Stürmer funkt dazwischen, Geburtstagskind Markus Smarzoch klärt (10).

Man darf den Deutschkongolesen nicht nur an seinen Schussversuchen messen: Francky Sembolo kann auch anders und legt Machado den Ball gefühlvoll Ball in die Gasse, der flinke Brasilianer überläuft Torwart Lukas Kruse und ballert die Kugel aus spitzem Winkel an den Außenpfosten (20.). Auf der Gegenseite versetzt Paderborns Rechtsaußen Kamavuaka, Timo Ochs verkürzt den Winkel und Basti Nachreiner bekommt noch einen Schlappen an den Ball, bevor Saglik Schaden anrichten kann (24.).

Sembolos Kopfhammer

Zwei Minuten später patzt Ochs bei einem Freistoß – der Jahn-Torwart stürzt sich der Flanke vergeblich entgegen, im Getummel kann ein Jahn-Abwehrfuß in letzter Sekunde zur Ecke klären (26.). Oli Hein bekommt acht Minuten später bei einem Freistoß Gelegenheit, seine Flankenpräzision unter Beweis zu stellen, aber von Kokes glattem Schädel rutscht der Ball ohne Schmackes Richtung Tor.

Carlinhos zeigt heute viel Einsatz, erobert den Ball vorbildlich, aber gleich drei Kollegen vertändeln den angedeuteten Tempogegenstoß. Immerhin, der SSV holt eine Ecke heraus: Die Flanke vom Winkel erreicht Francky Sembolo, der fast alles richtig macht, aber das Leder dennoch knapp über die Latte köpft (45). Das war gar nichts, meine Herren, pfeifen die SC-Fans ihre Mannschaft in die Kabinen. Die zig mitgereisten Jahn-Bummler können dagegen ganz zufrieden in ihr Paderborner Goldpils gucken.

Gelb-Rot für Wastl

Erste bemerkenswerte Spielsituation nach Wiederanpfiff: Nachreiner steigt im Mittelfeld von hinten mit gesunder Härte ein – das erste Gelb ist fällig (50.). Unmittelbar danach bekommt Daniel Brückner die Kugel am Strafraum vor die Füße und zieht ab – das Geschoss rattert übers Tor (51.). Wieder eine Minute später bettelt Wastl Nachreiner um seine vorzeitige Verabschiedung: Mit Verve schickt er seinen Gegenspieler zu Boden und Bibi ihn zum Duschen. So sehr wir uns oft mehr Körpereinsatz gewünscht hätten – das hätte man auch ohne Blutzoll lösen können.

Das kann ja heiter werden. Normalerweise reichen elf Jahn-Mannen kaum, um die kritische Phase ab der 60. Minute zu überstehen – heute muss es mit zehn und noch dazu ohne den erfahrensten Abwehrrecken gehen. Aber Angriff ist ohnehin die beste Verteidigung, wie uns Grandseigneur Smuda erst wieder wissen ließ, also schickt Koke Sembolo links außen, der mit Übersicht auf Carlinhos ablegt – puuh, da war mehr drin, mit der Fußspitze schiebt er Kruse den Ball nur in die Arme (57.).

Lässt jetzt die Konzentration nach?

Doch wer nach vorne läuft, muss auch wieder zurückkommen. Da pennt jetzt die Hintermannschaft, Paderborn macht’s zur Abwechslung flott, und ein Schwarzblauer köpfelt im direkten Gegenzug den Ball aufs Tornetz (58.). Lässt jetzt wieder mal die Regensburger Konzentration nach? Die dezimierte Jahn-Abwehr übersieht Kapitän Jens Wemmer, der aus knapp zehn Metern Ochs butterweich bedient – zum Glück hat der SC-Abwehrmann hier eine Schusshemmung (59.).

Das Wechselspiel beginnt: Alban Meha soll’s anstelle des Mittelfeldakteurs Deniz Nakis für den SC Paderborn richten und Weidlich bekommt mal wieder eine Chance, Kreativgeist statt des jetzt doch müden Rekonvaleszenten Koke einfließen zu lassen (61.). Erwartungsgemäß geht’s jetzt aber doch öfter vors Regensburger Tor: Der grundsolide Erfen klärt abgeklärt gegen zwei Paderborner (64.). Doch schon wieder Ballverlust, Saglik versucht’s mit Schmackes, das Ding geht drüber (65.)

Stoßgebet erhört

Oh je, wenn das so weitergeht, bringen selbst die harmlosen Westfalen mal einen im Jahn-Tor unter: Oldie Brückner überrascht Ochs mit einem Flachschuss aus zweiter Reihe, der nur um einen Lufthauch links vorbeiweht (66.) – Atempause dringend gesucht! Machado erhört das Stoßgebet, wieselt rechts nach vorne, schickt dann aber überhastet Weidlich, der dem aussichtslosen Ball nur pro Forma nacheilt (68.).

Immerhin, jetzt setzt sich Rotweiß geradezu in der gegnerischen Hälfte fest – schon seit fünf Minuten kein Angstschweiß mehr vonnöten: Sembolo drischt dabei aber leider die Kugel in einem Anfall von Torschlusspanik Richtung des völlig überflüssigen Paderborner Flughafens (69.). Weidlich auf der Suche nach seiner Form und einem Mitspieler flankt Kruse in dessen offene Arme (72.). Jetzt versucht’s der Joker im Duett mit Carlinhos, letzterer scheitert erneut am SC-Keeper (77.).

Schlussoffensive in der Benteler-Arena

SC-Trainer Schmidt hat inzwischen alle Register gezogen, Philipp Hofmann für den enttäuschenden Kachunga und Manuel Zeitz für Brückner ins Spiel gebracht. Nach einem Freistoß keilt Abwehrrecke Patrick Ziegler das abgeprallte Spielgerät von der Seitenauslinie an den Außenpfosten (78.). Wenn’s mit koscheren Mitteln nicht klappt, dann eben mit großer Schauspielkunst, doch trotz Fallobst im Strafraum lässt sich Fräulein Bibiane nicht erweichen (79.).

Doch erneut droht Ungemach: Da darf mal wieder jeder flanken, aber Patrick Ochs hat aufgepasst und rettet mit Fußabwehr (80.). Es wird nochmal spannend: Ein satter Platscher weckt das dösende Publikum, ein Schrei gellt durchs Stadion, Mehas Freistoß hinterlässt einen Abdruck auf der Latte (84.). Zittern ist aber meist nur bei Standards angesagt, denn trotz Überzahl dominiert die Heimmannschaft allenfalls den Ballbesitz. Und damit schafft der SC trotz zweiminütigem Nachsitzens kein Siegtor mehr.

Neururer bald blau?

Da gleichzeitig Bochum-Comebacker Peter Neururer durch ein 2:0 bei Energie Cottbus seiner gewetteten blau-weißen Frisur einen ersten Schritt näher gekommen ist, kann sich der Jahn am kommenden Freitag, 18 Uhr, gegen Ingolstadt auf das wohl vorletzte große Zweitliga-Heimduell einstellen.