Jahn unterliegt mit 1:2 in Aalen: Siegtreffer in der 78. Minute
Der Meister des Beinahe

Aalens Trainer Ralph Hasenhüttl hat gut Daumenheben.
 
Aalens Trainer Ralph Hasenhüttl hat gut Daumenheben.

Zweitliga-Fußball ist ein Spiel, bei dem der Jahn die meiste Zeit gut mithält, um am Schluss fast immer als Verlierer vom Platz zu schleichen. So auch am Freitagabend in der Aalener Scholz-Arena, wo 5632 Zuschauer eine ausgeglichene Partie sahen, die der Gastgeber erst in der 78. Minute mit 2:1 für sich entschied.

Natürlich war auch in diesem Match trotz 24-Punkte-Abstand kein Klassenunterschied zu erkennen, natürlich bot auch diese Regensburger Notbesetzung dem Tabellenneunten bis kurz vor Schluss Paroli und natürlich blieb der Jahn auch bei der 21. Niederlage ein Meister des Fast, Beinahe, Wenn … Der Fast-Zweitligist, ist den meisten Mannschaften beinahe ebenbürtig, wenn da nicht die späten Gegentore wären. Und deshalb muss der Low-Budget-Club ohne Wenn und Aber zurück in die Dritte Liga – im günstigsten Fall, um dort bei einer Ehrenrunde den verpassten Lehrstoff aufzuholen: Verteidigen von Standardsituationen, schnelles Umschalten, auch mal mehr als ein Tor schießen.

Keine Blamage

Ein Versprechen der Jahn-Verantwortlichen löste die nur auf einer Position gegenüber dem Berlin-Gastspiel veränderte Mannschaft wieder ein: Auch mit Carlinhos anstelle von Koke blamierten sich die ganz in Bayern-Rot aufgelaufenen Regensburger keineswegs. Immerhin hatte der VfR beim letzten Heimspiel Union Berlin mit 3:0 verputzt – da hatten die klammen Schwaben mit den Oberpfälzern deutlich mehr Mühe.

Gut, in den ersten 25 Minuten passierte nicht wirklich allzu viel – nicht, dass sich die beiden Mannschaften keine Mühe gegeben hätten, allein der Eifer des fleißigen Tim Erfen, des engagierten Jimmy Müller, des agilen Oli Hein, des versierten Julian de Guzmán verpuffte, bevor er in Torraumszenen umgesetzt werden konnte. Auch auf der Gegenseite durfte gerade einmal Robert Lechleitner nebens Tor zielen (17.), ansonsten Fehlanzeige.

Die Schwäche des Letzten

Bis dahin hatte der Jahn leichte Vorteile, aber das zeigt eben auch die Schwäche des Tabellenletzten, dass er im einen Moment das Spiel im Griff zu haben scheint und im nächsten Timo Ochs schon hinter sich greifen muss: Marcel Reichwein schickte im Mittelfeld Robert Lechleiter auf die Reise, Wilson Kamavuaka und Timo Ochs hatten das Nachsehen, der Aalener Mittelstürmer schob ein, 1:0 (26.).

Ebenso überraschend wie der gewohnte Rückstand zu diesem Zeitpunkt dann die Reaktion der Gäste: Jimmy Müller, von dem es mal hieß, er sei für die Zweite Liga nicht spritzig genug, spritzte im Mittelfeld in ein schlampiges Abspiel der Gastgeber, beschleunigte, schickte Julian Wießmeier an der rechten Linie, bot sich kurz darauf beim Elfmeterpunkt wieder an und zielte cool ins rechte untere Eck – voilà, so kann’s gehen, Ausgleich (29.). Bis zur Pause steigerte sich vor allem der Regen, der den Rasen zunehmend in eine landwirtschaftliche Nutzfläche verwandelte.

Jimmys zweite Chance

Hälfte zwei schien eine Kopie der ersten zu sein. 20 Minuten mühten sich beide Mannschaften mit wenig Durchschlagskraft. Zwar sorgte Lechleitner immer wieder für Unruhe, doch mit Einsatz und ein paar Nickligkeiten stoppte die rote Hintermannschaft die Schwaben meist vor dem Strafraum. Die wenigen Konteransätze, etwa über Sembolo, vertändelte Carlinhos (56.), für den Smuda fünf Minuten später Patrick Haag auf den Platz schickte.

Für Aalen sollten Manuel Junglas (55. für Abe) und Sascha Traut (61. für Dausch) für mehr Elan sorgen. Nach etwa einer Stunde mussten bei Jahn-Trainer Smuda alle Alarmglocken läuten, denn plötzlich hatte der Außenseiter wieder die besseren Chancen – meist ja kein gutes Vorzeichen: Erst parierte Daniel Bernhardt einen wuchtigen Hein-Schuss aus zweiter Reihe (65.). Und dann versagten Jimmy Müller völlig frei vor dem Aalener Goalie die Nerven: Aus 16 Metern scheiterte er mit einem halbherzigen Lupfer am herausgeeilten Bernhardt (69.).

Das rächt sich, wenn man Jahn heißt

Tja, und wenn man solche Dinger liegen lässt, dann rächt sich das eben, vor allem, wenn man Jahn Regensburg heißt und einen Freistoß gegen sich weiß: Zum gefühlten 57. Mal – bei insgesamt 59 Gegentreffern – führte ein indirekter Freistoß zum finalen Todesstoß: Lechleiters Ball verwertete 1,93-Meter-Abwehrhüne Benjamin Hübner vom Fünfer mit dem Kopf zum 2:1 (78.). Es erübrigt sich gegen Ende der Saison zu hinterfragen, wieso die Großgewachsenen unter den Jahn-Verteidigern auch in der 32. Begegnung kein Mittel gegen diese 0-8-15-Flanken fanden.

In den letzten fünf Minuten bekam Denis Danso-Weidlich für den ausgepowerten Müller noch einmal Gelegenheit, seinen Trainer vom entwicklungsfähigen Talent zu überzeugen. Viel Chancen dazu hatte er nicht, denn jetzt waren die Räume für Aalen offen: Reichwein (89.) und Lechleiter hatten die Entscheidung auf dem Fuß (90.), Sembolo köpfte eine Hein-Flanke in der Nachspielzeit nebens Tor. Nach drei Minuten über den Durst pfiff Christian Bandurski (Oberhausen), der mit je einer Gelben für die beiden Kontrahenten auskam, das Abendspiel ab

Letztes Heimspiel gegen Kaiserslautern

Am Sonntag, 12. Mai, um 13:30 Uhr hat Franz Smuda die letzte Gelegenheit, „seinen“ ersten Heimsieg mit dem Jahn einzufahren – ausgerechnet gegen den Aufstiegsaspiranten Kaiserslautern. Aber schließlich hatte der SSV auch auf dem berüchtigten Betzenberg ein ordentliches Spiel abgeliefert und unter Interimstrainer Franz Gerber ein 1:1 aus der Pfalz mitgenommen. So viel Ehrgeiz sollte der Ex-Nationalcoach zum inoffiziellen Abschiedsspiel schon noch in die Waagschale werfen.