Jetzt setzt’s schon gegen die Zweite von Dortmund eine 1:5-Dresche
Jahns peinlicher Fehlstart

Hatten heute fünf Mal Grund zum Feiern: die Dortmunder Jung-Borussen.
 
Hatten heute fünf Mal Grund zum Feiern: die Dortmunder Jung-Borussen.
 
Trainer Alex Schmidt glaubt an seine Jungs: Er muss das Potenzial aber schnell zur Drittligareife entwickeln.
 
Natürlich hat Kapitän Bastian Nachreiner an allen Ecken und Enden gefehlt.

Borussia Dortmund, das war in der vergangenen Saison zweimal eine gute Adresse: zweimal 2:1, zweimal konnten die Regensburger die Weichen Richtung Mittelfeld stellen. Heute könnte auch eine Weiche gestellt worden sein: Nach dem blamablen 1:5 im Pott findet sich der Jahn auf Platz 19 wieder, mit den meisten Gegentoren (11.) und dem schlechtesten Torverhältnis (-6).

Sicher, es war erst das vierte Saisonspiel, die Tabelle sagt nicht viel aus. Aber der angestrebte einstellige Tabellenplatz sieht anders aus. Es ist ja niemals sinnvoll, die ersten Eindrücke nach so einer Pleite zu einer Theorie aufzubauschen – auch in der vergangenen Saison hat es gedauert, bis der Jahn einigermaßen in die Spur fand.

Allerdings waren die Ergebnisse knapp, und am fünften Spieltag schaffte der Jahn den Anschluss ans Mittelfeld: mit dem 2:1 in Dortmund. Heute geht’s genau in die andere Richtung. Und eines kann man schon festhalten: Der SSV beginnt ganz offensichtlich wieder ganz von vorne – erneut mit grünen Jungs aus Regional- oder Bayernliga, die sich erst mühsam an die Drittliga-Luft gewöhnen müssen.

Und wieder beginnt die Entwicklungsarbeit von vorne

Coach Alex Schmidt ist überzeugt vom Potenzial seiner Jungs – aber das Potenzial muss sich erst entfalten. Wenn das nicht in absehbarer Zeit gelingt, kommt man um die Frage nicht herum: Warum wollte man unbedingt die Stützen der vergangenen Saison anderen Vereinen aufdrängen – den erfolgsreichsten Torschützen Abde Amachaibou, die wichtigste defensive Stütze Jonathan Kotzke, das fleißige Müllerchen und nicht zuletzt auch Mario Neunaber, der als Backup in der Innenverteidigung heute gut getan hätte?

Stattdessen soll die ganze Verantwortung für den Jahn-Kindergarten auf dem Platz Torwart Oldie Stephan Loboué aufgebürdet werden – eine Aufgabe, mit der er scheinbar so überfordert ist, dass der unstrittig starke Schlussmann das Nervenflattern bekam und heute zuschauen musste. Wird man vielleicht doch langsam einsehen müssen, dass die Verstärkungen in der Geschäftsstelle Siege und Niederlagen nur rudimentär beeinflussen können? Es kann doch nicht Ziel einer nachhaltigen Entwicklung sein, die Spieler, die sich entwickelt haben, so schnell wie möglich wieder abzustoßen, um jedes Jahn wieder von vorne Entwicklungsarbeit zu leisten!

Verunsichert durch zu viele Zuschauer?

Das kann der Jahn-Potenzialschuppen momentan offensichtlich gar nicht leiden: der BVB-Erlebnistag mit anschließender Mannschaftspräsentation beschert dem Stadion der Roten Erde 9999 Zuschauer – man darf davon ausgehen: einzeln durchgezählt. Sonnenschein und Vorfreude wie schon beim Derby gegen Unterhaching. Zuviel Zuschauerzuspruch scheint die Regensburger derzeit aber eher zu verunsichern.

Trainer Alex Schmidt muss bekanntlich umstellen – und er zieht auch die Konsequenzen aus der unterschwellig geäußerten Kritik an Stephan Loboué: Im Tor steht tatsächlich der 21-jährige Dominik Bergdorf. Für den verletzten Kapitän Bastian Nachreiner und den gesperrten Gino Windmüller bilden Christoph Rech und Thomas Kurz die Innenverteidigung. Andreas Güntner und Andreas Geipl auf der Doppelsechs – im Sturm wie erwartet erstmals Daniel Steininger von Anfang an neben Aias Aosman.

Das übliche Strohfeuer – und der Gegenschlag

Die gelb-schwarzen Dortmunder stoßen an. Gleiches Szenario wie gehabt, Sturm und Drang ganz in Rot, der Jahn gleich in Ballbesitz. Andi Geipl, bissig im Zweikampf, zieht nach einer Flanke aus 20 Metern volley ab – die Kugel setzt auf, hat aber zu wenig Power, um BVB-Keeper Zlatan Alomerovic ernsthaft in Verlegenheit zu bringen (6.).

Meine Güte, wie einfach geht das denn?! Joseph-Claude Gyau spaziert durch das Mittelfeld, zieht aus etwa 20 Metern ab, der Schuss ist noch abgefälscht, der Ball springt vor Bergdorf auf und ins Tor – das sieht natürlich alles andere als gut aus, 1:0 für die Borussen (8.). Der Jahn versucht, sich den Schock nicht anmerken zu lassen, aber die junge Heimtruppe mit den selbstbewussten Jungs, die in den letzten Wochen bei den Profis mittrainieren durften, will mehr. Mit den pfeilschnellen Außen ist die Regensburger Abwehr überfordert – die Roten bekommen die Kugel nicht aus dem 16er, Rech kann gerade noch vor der Linie klären (16.).

Fiasko brasilianischen Ausmaßes

Dann ist es doch passiert: 20 Minuten vorbei und die Borussen-Amateure führen 2:0 – die Jahn-Abwehr bringt einmal mehr den Ball nicht weg, drei Dortmunder gegen vier Regensburger, erst wehrt Hein ab, nochmal die Reingabe, Tammo Harder kann aus drei Metern einschieben, Bergdorf ist machtlos (20.). Als ob das nicht schon genug wäre, sind jetzt in der Gästeabwehr endgültig die Chaosminuten angebrochen. Dortmund geht über rechts, Situation eigentlich geklärt, ein Blackout-Rückpass von Fabian Trettenbach genau auf Gyau, der freistehend vor Berghof den Keeper beim 3:0 tunnelt (22.).

Das sieht jetzt schon ein wenig wie Brasilien gegen Deutschland für Anfänger aus: Jahn Fans fluten die Tartanbahn, ein paar Dortmunder wollen nicht hinten anstehen, der Stadionsprecher versucht den kleinen Tumult zu ersticken, „Unterlassen Sie das“ ordnet er an – vielleicht fühlen sich davon auch die Spieler angesprochen! Alex Schmid jedenfalls reagiert und bringt für Andi Güntner Stanislav Herzel, der auf die rechte Verteidigerposition geht, Oli Hein rückt auf die Doppelsechs neben Andi Geipl (28.).

Vergeblicher Hoffnungsschimmer

Dortmund bleibt hungrig, die kleinen Wespen könnten durchaus noch nachlegen: Tammo Harder versucht‘s mit einem Lupfer über Bergdorf, der den Braten riecht, sich lang macht und die Kugel aus der Luft pflückt – womit die Abwehr in der Zeit beschäftigt war, bleibt offen (33.). Die erste gelungene Kombination bringt den Jahn doch noch mal etwas heran: Lienhard behauptet den Ball am 16er, legt mit viel Gefühl für Fabian Trettenbach nach links außen, der seine exakte Flanke genau auf Lienhard zirkelt – 1:3, die kleine 7 muss nur noch einnicken (35.).

Der Anschlusstreffer beflügelt: Trettenbach mit Direktabnahme, die Kugel ist aber deutlich zu hoch unterwegs (39.). Aber die Gastgeber bleiben gefährlich: Gyau ist nicht zu stoppen, seinen Schuss kann Bergdorf gerade noch so zur Ecke abklatschen (41.). Wie gegen Haching rackert Jonas Erwig-Drüppel rechts außen mit viel Tempo, aber als es gerade interessant wird, rutscht er weg, Ball futsch (43.). Zwei Minuten später gleiches Bild ohne Rutsche, diesmal trifft er aus spitzem Winkel das Außennetz (45.).

Raus aus der Pause, rein mit den Elfer

Wenn man so aus der Pause kommt, braucht man sich über den weiteren Verlauf keine Gedanken mehr zu machen: Nach nur einer Minute zeigt Schiri Felix-Benjamin Schwermer (Magdeburg) auf den Elfmeterpunkt: Thomas Kurz steht an der linken Strafraumecke, der Dortmunder fällt über seine Füße, eingefädelt oder nicht – so verschlafen kann man nicht vom Pausentee zurückkommen. Routinier David Solga verwandelt mittig unter die Latte zum 4:1 (46.). Alex Schmidt ist bedient und bringt Daniel Franziskus als letzte Sturmhoffnung für Erwig-Drüppel.

Der neue Stürmer ist hoch motiviert, stört gleich mal den Torwart. Ein weiteres Mal setzt er sich gut ein, wird aber von einem Dortmunder gestoppt – kein Foul? Kein Pfiff (61.)! Erst spielt man in der Abwehr Harakiri, dann kommt auch noch das Pech dazu: Nach dem umstrittenen Elfer jetzt auch noch eine haarscharfe Abseitsentscheidung: Franziskus ganz allein vor Alomerovic (62.).

Ja doch, sie versuchen es, die geprügelten Regensburger, vieles sieht mehr nach Torschlusspanik aus: Steininger trifft im Strafraum den Ball nicht (65.). Nur zwei Minuten später verpasst die Fürther Leihgabe eine flache Flanke oder Schussversuch von Franziskus knapp.

Auch noch ein japanisches Tor

Wie man’s macht zeigen die kleinen Borussen: Die marschieren ungestört aufs Tor zu und Mitsuru Maruoka schraubt aus drei Metern das Ergebnis auf 5:1 hoch (68.). Ob jetzt der Dingolfinger Matthias Dürmeyer noch etwas an dieser Blamage ändern kann, der für Rech ins Spiel kommt? Die Hoffnung mag zuletzt sterben, die Jahn-Fans wirken bereits resigniert (75.). Und die Dortmunder Zaungäste verlassen bestens gelaunt das Stadion.

Fabian Trettenbach lässt sich nicht hängen, gut so! Sein Antritt wird abrupt angehalten – Freistoß: Die Flanke kommt gut, Thomas Kurz erinnert sich seiner Offensivqualitäten und drückt den Ball über die Linie – warum wundert uns das nicht? Eine Fahne, ein Pfiff, ein weiteres Mal Abseits (78.). Auf der Gegenseite versucht es Harder mit einem 40 Meter-Heber, um Ausflügler Bergdorf zu überlisten. Die Kugel geht weit daneben (88.). Und auch wenn Aias Aosman deutlich näher dran ist: Sein Lattenschuss aus zehn Metern hätte die Wucht des Ergebnisses nur wenig polstern können (93.).

Sprachlos nach dem Totalversagen

Daniel Franziskus ist danach wortreich sprachlos: „Das ist einfach nur bitter“, sagt der eingewechselte Stürmer. „Wir haben wieder zu viele leichte Fehler im Spielaufbau gemacht – klar haben wir uns was ganz anderes vorgenommen.“

Nach dem Totalversagen in der englischen Woche – 0 Punkte, 2:10 Tore – wird dem Jahn die Pause am nächsten DFB-Pokal-Wochenende gut tun. Bis Samstag, 23. August, 14 Uhr, muss sich Regensburg nach dieser Dresche wieder berappelt haben, um sich gegen Hansa Rostock einigermaßen passabel aus der Affäre zu ziehen.