13.03.2004 - 00:00 Uhr
Sport

Langlauf-Weltcupsieger René Sommerfeldt im NT/AZ-Interview - Olympiamedaille ein Traum: "Jeder Mann hat doch einen Tick"

Der Mann hat einen Tick: Uhren. Die sammelt René Sommerfeldt leidenschaftlich. In den vergangenen Jahren häuft der 29-jährige Langläufer allerdings auch immer mehr Medaillen und Pokale an.

von Josef Maier Kontakt Profil

Am Sonntag erhält der Sachse in Pragelato, dem Ort, an dem 2006 die olympischen Langlauf-Wettbewerbe ausgetragen werden, den größten Pott in seiner Karriere. Als erster Deutscher hat er den Gesamtweltcup gewonnen. Vor dem großen Tag sprach er im NT/ AZ-Interview übers Feiern, über Motivation, seine Oberpfälzer Helfer und - natürlich - über Uhren.

Was wird denn anstrengender werden, die 30 Kilometer im freien Stil am Sonntagvormittag oder die große Feier am Abend?

Sommerfeldt: Das Rennen wird schwierig genug, es sind 30 bis 40 Zentimeter Neuschnee angesagt. Aber wenn es so etwas tolles zu feiern gibt, macht man das auch gerne. Und ich bin ja keiner, der nicht gerne feiert.

Wann waren Sie sich im Laufe der Saison sicher, den Gesamtweltcup zu holen?

Sommerfeldt: Sicher kann man sich nie sein, aber gut war, dass ich in Oberstdorf gewonnen habe (Mitte Februar, Red.). Das hat mir noch mal Kraft gegeben für die Skandinavientour. Bis Oberstdorf hatte ich Zweifel.

Die Alpinen beklagen sich derzeit in Sestriere über die Zustände im Olympiaort von 2006. Wie schaut es nebenan in Pragelato aus?

Sommerfeldt: Die müssen sich nicht so beklagen wie wir. Wir wohnen eine dreiviertel Stunde von den Strecken weg. Das ist ein tierisches Geeier mit den Autos jeden Tag. Da haben wir mehr Grund zu klagen.

In den letzten Jahren ist Langlauf richtig attraktiv geworden. Sprints, Duathlon, Massenstarts. Gibt's da in der Darstellung noch Verbesserungen?

Sommerfeldt: Ideal wird's nie werden. Gerade die vielen Einzelstarts sind für Zuschauer nicht so interessant wie ein Massenstart, Duathlon oder die Sprints. Aber Langlauf sollte nicht ganz zur Fun-Sportart verkommen. Deswegen ist es auch notwendig, Einzelstarts zu machen. Aber wir sind auf einem gutem Weg.

Holger Bauroth, der mit seiner Familie in Hirschau wohnt, ist Ihr Heimtrainer in Oberwiesenthal. Vor kurzem haben Sie gesagt, er brächte spielerische Elemente ins Training. Wie war das gemeint?

Sommerfeldt: Der Heinz (Nestler, sein vorheriger Trainer) hatte es nicht mehr so mit dem Fußball spielen. Holger spielt selber gerne mal Fußball oder Volleyball. Das ist bei ihm ein wichtiges Trainingselement. Aber auch die Zusammenarbeit zwischen Heinz und Holger ist noch da. Sie sprechen sich ab, das ist ein gutes Miteinander.

Mit dem Chef der Skitechniker, Uwe Bellmann aus Ehenfeld, vertrauen Sie einem weiteren Mann aus der Region? Wer hat beim Wachs das Sagen?

Sommerfeldt: Der Uwe hat seine Vorstellungen, wie er an die Rennen rangeht. Natürlich gibt es kleine Einzelheiten, die sich immer wieder ändern. Bis jetzt lief es in diesem Winter ganz gut. Wir haben keinen Grund zur Klage, hatten immer Topmaterial. Ich glaube, ich hätte mich zwei Mal in der Saison vergriffen, aber da habe ich Uwe die Entscheidung überlassen und wir lagen hundertprozentig richtig.

Eine WM-Medaille in Lahti 2001, jetzt der Gesamtweltcup. Motivationsprobleme?

Sommerfeldt: Eigentlich nicht. Ich motiviere mich mit einer Olympiamedaille im Einzel 2006. Das wäre ein Traum. Darauf arbeite ich hin.

Spezialisten gewinnen Rennen, Allrounder den Gesamtweltcup, hat vor kurzem ein schlauer Experte gesagt. Richtig so?

Sommerfeldt: Das kann man sagen. Ich laufe ja alles. Auch Sprints, obwohl die nicht so gut waren. Ein Hauptgrund, dass ich den Weltcup gewonnen habe, ist aber, dass ich im klassischen Bereich Riesenfortschritte gemacht habe.

Nächstes Wochenende sind Sie noch bei den Staffelmeisterschaften. Können Sie danach die Skier nicht mehr sehen?

Sommerfeldt: Ich brauche danach wirklich einen Monat, wo ich relaxen kann. Im April werde ich nichts tun.

Welchen Sport betreibt ein Energiebündel wie Sie im Sommer?

Sommerfeldt: Golf, sehr gerne Golf. Wenn ich Zeit habe, will ich mich auch verbessern, um dann auch gegen Jochen Behle eine Chance zu haben.

Woher kommt eigentlich Ihre Sammelleidenschaft von Uhren?

Sommerfeldt: Ich hab mir mal spontan eine gekauft, seitdem hat mich das Fieber immer mehr gepackt. Jetzt habe ich 30, 40 zu Hause liegen, im Safe. Irgendwie hat doch jeder Mann einen Sammeltick. Bei mir sind's halt Uhren.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.