10.05.2018 - 22:30 Uhr
Deutschland & Welt

Letzter Spieltag in der Fußball-Bundesliga Drei Trainer im Abstiegskampf

Christian Titz? Würden die Fans wohl auch beim Abstieg behalten. Christian Streich? Könnte wohl in jeder Liga bei seinem Club bleiben. Bruno Labbadia? Wird von den eigenen Anhängern verhöhnt. Doch am Samstag zählt nicht die Beliebtheit, sondern der Erfolg.

Drei Trainer, ein gemeinsames Ziel - der Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga. Doch nur einer wird am Samstag jubeln können, einer muss mit seiner Mannschaft in die Relegation und einer in die 2. Liga. Von links: Christian Streich (SC Freiburg), Bruno Labbadia (VfL Wolfsburg) und Christian Titz (Hamburger SV). Bilder: dpa
von Agentur DPAProfil

Wolfsburg. Wie rette ich einen Fußball-Bundesligisten vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit? Mit dieser Frage dürfen sich Christian Streich, Bruno Labbadia und Christian Titz derzeit wohl rund um die Uhr beschäftigen. Die drei Übungsleiter stehen vor dem großen Finale am Samstag (15.30 Uhr) unter riesigem Druck und tragen bei den Abstiegskandidaten SC Freiburg (15. Platz/33 Punkte/30:56 Tore), VfL Wolfsburg (16./30/32:47) und Hamburger SV (17./28/27:52) die Verantwortung.

Direkter Klassenerhalt? Relegation gegen Holstein Kiel? Oder Tränen nach dem direkten Gang in 2. Liga schon an diesem Samstag? Um diese drei Optionen geht es, wenn Freiburg den FC Augsburg empfängt, der HSV auf Borussia Mönchengladbach trifft und Wolfsburg vor eigenem Publikum gegen den 1. FC Köln spielt. Die drei Trainer setzen auf ihre ganz eigenen Methoden. Eine Typologie:

Christian Titz

Der Kommunikator: In den vergangenen Wochen kam kaum ein Fußball-Interessierter an Christian Titz vorbei. Der Trainer-Nobody musste in den Medien immer wieder erklären, wie er den sportlich fast toten HSV wiederbelebt hat - er tat dies gerne und ausführlich. Dem 47-Jährigen gelang es dabei, den Verein mal wieder sympathisch erscheinen zu lassen - und sich selbst gleich mit. Auch geht er auf die Fans zu und schaffte es, dass die Anhängerschaft plötzlich hinter der Mannschaft steht. Zur Belohnung will der HSV Liga-unabhängig mit Titz verlängern. Reden ist eine seiner Stärken, nicht nur in der Öffentlichkeit. Auch mit den Spielern sucht er das Gespräch. Er gibt ihnen Selbstvertrauen und stärkt ihnen den Rücken. Titz hat ihnen seit seinem Amtsantritt Mitte März auf diese Weise seine Spielidee vermittelt. Gegen den Abstieg stemmt sich sein Team plötzlich mit spielerischen Mitteln.

Bruno Labbadia

Angeschlagener Feuerwehrmann: "Wir steigen ab. Wir kommen nie wieder. Wir haben Bruno Labbadia", mit diesen Gesängen verhöhnen die Wolfsburger Fans seit Wochen ihren Coach. "Das habe ich so noch nie erlebt. Als Mensch gefällt das einem natürlich nicht", sagte Labbadia. In einer prekären Situation wurde der frühere Stürmer mal wieder als Feuerwehrmann verpflichtet - er hatte ja schon den VfB Stuttgart und den HSV gerettet. Diesmal aber ist seine Mission schwieriger. Labbadia beklagt neben der schlechten Stimmung auch den Kader, der nicht für den Abstiegskampf gemacht ist. Der führungslose Verein muss seine Hoffnungen auf den Trainer setzen. Doch der wirkt ratlos und überfordert.

Christian Streich

Kultcoach und Dauerbrenner: Business as usual: Nach diesem Mantra arbeitet Christian Streich auch in dieser Extremphase. Die Normalität, mit der der 52-Jährige den SC Freiburg auch durch diesen Klassenkampf führt, darf nicht verwundern. Streich übernahm im Dezember 2011 und ist damit der Trainer mit der längsten Amtszeit aller Bundesligisten. Der Coach spielte mit den Breisgauern international, er stieg mit ihnen ab und wieder auf: Was soll ihn da noch groß schocken? Und doch ist auch Streich unter Druck. Gegen Gladbach fuhr der Kult-Coach völlig aus der Haut. Auf die Frage, was los war, antwortete er: "Wir spielen gegen den Abstieg."

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