Löw-Elf testet am Dienstag in Berlin gegen Brasilien
Erstes Duell nach Jahrhundert-Spiel

Leroy Sané erhielt von Bundestrainer Joachim Löw eine Einsatzgarantie gegen Brasilien. Bild: Marius Becker/dpa

Berlin. Joachim Löw schaltete beim Weltmeister ganz schnell wieder vom kurzzeitigen Müßiggang in den Arbeitsmodus. Der Bundestrainer startete am Sonntag die Express-Vorbereitung auf das erste Wiedersehen mit den wiedererstarkten Brasilianern seit dem deutschen Jahrhunderttriumph beim 7:1 im WM-Halbfinale vor vier Jahren. Nach den "vielen wichtigen Erkenntnissen", die der 58-jährige Löw vom intensiven 1:1 gegen Spanien aus Düsseldorf mit nach Berlin brachte, hatte er den Spielern am Samstag ab mittags frei gegeben. Löw weiß ja schon: Er muss in seiner WM-Elf nur noch zwei Baustellen schließen. "Jeder von uns ist heiß, gegen Brasilien zu spielen", berichtete Leroy Sané, der von Löw einen Einsatzgarantie bekam.

Die finale Sichtung vor der Bekanntgabe des vorläufigen WM-Kaders soll dem Bundestrainer am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) im Olympiastadion weitere Fingerzeige für die Titel-Mission in Russland liefern. Toni Kroos glaubt an einen weiteren großen Fußballabend: "Ich finde Brasilien heute zwei Klassen besser als 2014." An ein neuerliches Schützenfest gegen die nach Wiedergutmachung dürstenden Brasilianer glaubt intern keiner. "Wir saßen damals ungläubig vorm Fernseher", berichtete am Sonntag Ilkay Gündogan, der bei der WM gefehlt hatte. "Sie sind ähnlich stark wie die Spanier. Brasilien hat eine Entwicklung genommen, die ihresgleichen sucht", sagte er.

Ein Erfolg gegen eine große Fußball-Nation wäre noch einmal ein wichtiges Signal, auch wenn Löws Rekordjäger schon mit einem weiteren Remis die 38 Jahre alte DFB-Bestmarke von 23 Länderspielen ohne Niederlage unter Jupp Derwall egalisieren könnten. 0:0 gegen England, 2:2 gegen Frankreich, 1:1 gegen Spanien - da käme im vierten großen WM-Probelauf nacheinander ein Sieg gelegen. Löw war nach dem WM-Lustmacher gegen Spanien "sehr zufrieden". Er hatte zum Jahresauftakt das bekommen, was er sich gewünscht hatte. "Es war ein hochklassiges Spiel, aber beide Mannschaften können bei der WM noch mehr zeigen", sagte Löw. Im Gegensatz zum entspannten Bundestrainer trat Jérôme Boateng als Chef-Kritiker auf. Auf die Frage, was noch besser werden müsse, antwortete der Münchner Verteidiger schon überkritisch: "Alles! In jeder Hinsicht." Dann zählte Boateng die diversen Mängel auf: "Chancenverwertung. Passspiel. Wir müssen zielstrebiger zum Tor spielen und auch besser zusammenarbeiten. Das Umschalten muss auch besser werden. Wir kriegen drei oder vier Konter, das geht nicht." Das Weltmeister-Duo Thomas Müller und Mesut Özil darf gegen Brasilien sogar frei machen. Das Manchester-City-Duo Gündogan und Sané wird ebenso neu in die Startelf wücken wie Lokalmatador Marvin Plattenhardt von Hertha BSC. Emre Can reiste dagegen wegen anhaltender Rückenprobleme ab. Sami Khedira ist weiter angeschlagen. Sebastian Rudy stieß nach der Geburt seines Sohnes David zum Team.
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