Milchgesicht unter Millionären
Ein Bubi überlistet die Bayern in Hoffenheim

Hoffenheims Mark Uth (links) jubelt mit seinem Teamkollegen Andrej Kramaric über sein Tor zum 1:0. Auch ein Balljunge hatte einen guten Anteil an dem Treffer. Bild: Uwe Anspach/dpa

Mal sind die eigenen Fans der zwölfte Mann. Mal schimpfen Fußballer über den Schiedsrichter als zwölften Mann des Gegners. Im Spiel der Bayern in Hoffenheim gab es den ominösen "Mann" auch. Schiri und Fans waren's aber nicht.

Sinsheim. Auf dem Platz liefen millionenschwere Stars herum, europäische Eliteklasse - Manuel Neuer, Thomas Müller oder später der von Real Madrid geholte James. Leute wie die Hoffenheimer Andrej Kramaric oder Kerem Demirbay haben auch einen Namen in der großen Fußballwelt. Und dann kommt dieses Milchgesicht daher. Ein Bubi hatte am Samstag auch seinen Anteil daran, dass 1899 Hoffenheim die großen Bayern mit 2:0 (1:0) besiegte. "Die Balljungen werden bei uns einfach gut ausgebildet", sagte Julian Nagelsmann verschmitzt. Der junge Trainer der Kraichgauer konnte sich köstlich über diese Szene in der 27. Minute amüsieren. Umut hatte bis dahin einen unspektakulären Abend verbracht. Normalerweise stürmt er in der C-Jugend der TSG, bei Bundesligaspielen ist er als Balljunge im Einsatz. In dieser 27. Minute schaltete auch Umut blitzschnell, als Kramaric einen Ball zum Einwurf forderte. "Ich glaube, es war der zweite Einwurf in meiner Fußballkarriere", sagte der Kroate lächelnd. Blitzschnell setzte er Marc Uth in Szene, ein Schuss, das 1:0. Die Bayern schliefen zunächst und protestierten danach, weil ein zweiter Ball auf dem Spielfeld unterwegs war, allerdings in der anderen Spielhälfte. Es war aber alles regelkonform, weil dieser zweite Ball die Situation nicht beeinflusste.

"Ich habe mich schon bei ihm bedankt", sagte Kramaric und meinte nicht den Torschützen, sondern den flinken Umut. Bayerns-Abwehr-Chef Hummels trieb derweil die Szene mit dem zweiten Ball immer noch um: "So etwas habe ich den 20 Jahren als Fußballer noch nicht erlebt." Um die Entscheidung dann aber fair zu akzeptieren: "Wenn's so ist." Bei den Bayern war die anfängliche Dominanz nach der Führung der Gastgeber wie weggeblasen. "Wir hätten uns schon vorher für unser gutes Spiel belohnen müssen", meckerte Manuel Neuer, dem einige eine kleine Mitschuld am Führungstor der Kraichgauer gaben. Den könne man auch halten, hieß es. "Ich habe mit einem Schuss aufs lange Eck gerechnet", rechtfertigte sich der Bayern-Kapitän. Uth nahm die kurze.

Die Hoffenheimer machten an diesem Abend nicht viel, wenn sie aber etwas machten, dann richtig gut. Wie beim 2:0 (51.), als Steven Zuber die Bayern-Defensive mit einem cleveren Pass auf Uth erneut überlistete. Das ärgerte Bayern-Coach Ancelotti: "Die Mannschaft war nicht konzentriert genug." Hoffenheim überließ den Münchener ansonsten die Spielwiese, mit dem Wissen, dass da nicht viel passieren würde. Außer einem Lattenstreichler von Robert Lewandowski und einem Kopfball von Javier Martinez sprang bei Bayern nicht viel heraus. "Natürlich gehört auch Glück dazu", meinte Nagelsmann, dessen Fazit zutraf: "Wir haben nicht brutal verdient gewonnen, aber auch nicht unverdient."

Umut freute sich derweil riesig über den Sieg seiner Vorbilder. Beim Dankeschön von Kramaric wird's auch nicht bleiben. "Wir lassen uns da schon was einfallen", versprach "Doppelpacker" Uth. "Ich denke, er bekommt ein Trikot." Darüber dürfte Hoffenheims " zwölfter Mann" noch mehr jubeln.

Wir haben nicht brutal verdient gewonnen, aber auch nicht unverdient.Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann
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