22.08.2017 - 22:10 Uhr
Sport

Nach den Pannen am ersten Spieltag Videobeweis droht das schnelle Aus

Nach den Technik-Pannen zum Saisonauftakt steht der Videobeweis im deutschen Fußball-Oberhaus auf dem Prüfstand. Schiedsrichter-Manager Krug fordert eine umgehende Behebung der Probleme, sonst sei ein Abbruch der Testphase nicht ausgeschlossen.

Schiedsrichter Sascha Stegemann (rechts) und ein Operator sitzen in Köln in einem Videoassistcenter vor Monitoren, die Spielszenen zeigen. Die Einführung des Videobeweises am Wochenende war mit Fehlern verbunden, der Neuerung droht jetzt sogar das schnelle Aus. Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
von Agentur DPAProfil

Frankfurt. Dem Videobeweis droht in der Fußball-Bundesliga ein schnelles Ende. Nach den massiven technischen Problemen zum Saisonstart hält Projektleiter Hellmut Krug bei weiteren Pannen einen Abbruch der Testphase für möglich. "Wir können nicht Wochen und Wochen so weitermachen. Vor allem für Schiedsrichter ist das unzumutbar", sagte der Schiedsrichter-Manager des Deutschen Fußball-Bundes am Montagabend im TV-Sender Sky. "Wenn es weiterhin so läuft, müssen wir uns etwas anderes überlegen." Am 1. Spieltag konnte der neue Videoassistent in einigen Spielen nur teilweise oder gar nicht zum Einsatz kommen. Zudem stand die zur Unterstützung bei Abseitsentscheidungen vorgesehene kalibrierte Hilfslinie in den Samstagspielen nicht zur Verfügung. Die Deutsche Fußball-Liga hatte diese Pannen als "nicht hinnehmbar" kritisiert und für diese Woche ein Gespräch mit der Geschäftsführung des Dienstleiters Hawkeye angekündigt.

Kabel der Grund?

Krug zufolge könnte ein überlastetes Glasfaserkabel Ursache für die Probleme gewesen sein. "Das ist natürlich nicht das, was wir erwarten. Daran müssen wir in den nächsten Tagen mit Hochdruck arbeiten", sagte der frühere Top-Referee. Sollte es keine schnelle Lösung des Problems geben, sei laut Krug vieles vorstellbar. "Man müsste zurückgehen zur alten Form ohne Videoassistenten oder eine Van-Lösung wie in Italien ausprobieren", sagte der 61-Jährige.

DFB-Präsident Reinhard Grindel würde ein schnelles Ende für den Videoassistenten bedauern, sieht er ihn doch als "äußerst nützlich" an. "Die technischen Pannen sind bedauerlich. Dafür kann die Liga nichts, dafür können auch die Schiedsrichter nichts. Aber dort, wo er funktionierte, wurden klare Entscheidungen getroffen", sagte der DFB-Chef am Montagabend am Rande des "Sport Bild Award" in Hamburg. "Wenn sich die Technik eingespielt hat, bringt das mehr Gerechtigkeit in den Fußball. Es ist auch ein Beitrag, die Schiedsrichter zu entlasten", betonte Grindel. Liga-Präsident Reinhard Rauball äußerte sich etwas zurückhaltender. "Es ist der Versuch, mehr Gerechtigkeit in die Bundesliga zu bringen. Das ist jetzt eine Phase der Erprobung, und es passieren Dinge, die so nicht vorgesehen sind", erklärte Rauball.

Hoeneß ein Kritiker

Der Technik-Blackout zum Bundesligaauftakt ist natürlich Wasser auf die Mühlen der Kritiker, zu denen auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß gehört. "Ich habe nach wie vor meine Bedenken, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren", sagte er. Ex-Nationalspieler Philipp Lahm erklärte: "Wenn man so etwas einführt, sollte es schon funktionieren."

Trotz der Probleme sorgte die technische Neuerung am 1. Spieltag aber gleich mehrfach für gerechtere Entscheidungen. Die Bayern profitierten mit einem nachträglich zugesprochenen Elfmeter beim 3:1 gegen Bayer Leverkusen ebenso davon wie Eintracht Frankfurt beim 0:0 in Freiburg, wo Schiedsrichter Manuel Gräfe nach Intervention des Videoassistenten ein irreguläres Tor der Hausherren zurücknahm.

Hitzfeld für den Beweis

Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld bewertet den Videobeweis daher positiv. "Ich freue mich über die Neuerung. Sie macht den Fußball gerechter und fairer. So kann man viele Skandale verhindern", sagte der 68-Jährige. Und HSV-Sportchef Jens Todt meint: "Ich habe mich bekehren lassen. Ich war früher immer gegen den Videobeweis. Heute kann ich sagen: Das ist eine wirkliche Hilfe. So sinkt die Zahl der Fehlentscheidungen."

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