"Nicht hier aufhören"
Alexander Zverev führt die deutschen Tennis-Herren zum ersten Mal seit 2014 in das Viertelfinale im Davis-Cup

Alexander Zverev (Mitte) bekommt auch Glückwünsche von Boris Becker (rechts). Bild: Tertius Pickard/dpa

Alexander Zverev führt die deutschen Tennis-Herren zum ersten Mal seit 2014 in das Viertelfinale im Davis-Cup. Der 20 Jahre alte Hamburger füllt seine Rolle im schweren Auswärtsspiel in Australien vorbildlich aus und holt zwei Punkte. Doch Zverev will mehr.

Brisbane. Plötzlich tauchte Boris Becker wie aus dem Nichts auf. Im Deutschland-Trainingsanzug und mit roter Baseballmütze auf dem Kopf schlich sich der Chefberater des furios aufspielenden deutschen Davis-Cup-Teams in die Pressekonferenz und filmte und fotografierte die Szenen auf dem Podium. Kurz zuvor hatte Alexander Zverev mit einem 6:2, 7:6 (7:3), 6:2 gegen Nick Kyrgios im erstaunlich einseitigen Duell der Spitzenspieler für die 3:1-Führung und die Entscheidung im schweren Auswärtsspiel in Australien gesorgt.

Um Halbfinal-Einzug

Erstmals seit vier Jahren steht damit eine Auswahl des Deutschen Tennis Bundes im Viertelfinale des traditionsreichen Teamwettbewerbs. Statt im September schon wieder wie in den vergangenen drei Jahren eine nervenaufreibende Abstiegs-Relegation bestreiten zu müssen, kämpft die Equipe von Teamchef Michael Kohlmannn vom 6. bis 8. April in Spanien um den Einzug in das Halbfinale. Die Iberer setzten sich ebenfalls mit 3:1 gegen das britische Tennis-Team durch.

"Das war Weltklasse unter sehr viel Druck", lobte Becker den Auftritt des 20 Jahre alten Hamburgers. Noch eine halbe Stunde nach Spielende schrieb Zverev in der Pat-Rafter-Arena Autogramme auf Mützen, Tennisbälle und Poster. Er ließ sich mit Zuschauern und Ballkindern fotografieren und bedankte sich charmant bei den australischen Fans für die faire Unterstützung.

Als nach nur 1:47 Stunden eine Vorhand des angeschlagenen Kyrgios, gegen den er im vergangenen Jahr noch drei von vier Matches verloren hatte, im Aus landete, jubelte Zverev fast ein wenig verhalten, ehe er mit Kohlmann und seinen Teammitgliedern Jan-Lennard Struff, Tim Pütz und Peter Gojowczyk mit der Deutschland-Fahne um die Schultern im Kreis tanzte. "Es ist ein schöner Moment und ein wichtiger Moment für die Mannschaft", sagte Zverev, der sich nach dem Matchball immer wieder mit der rechten Hand aufs Herz klopfte und später bekräftigte, auch im April im Viertelfinale zum deutschen Team gehören zu wollen.

Nicht übermütig

In seiner Funktion als Head of Men's Tennis sagte Becker: "Dies ist zuerst eine Nachricht an die anderen Tennis-Nationen, dass man mit Deutschland wieder rechnen kann." Nicht zu vergessen die verletzt oder erkrankt fehlenden Philipp Kohlschreiber oder Mischa Zverev, die mehr als nur Alternativen fsind. So war es auch weder überraschend noch übermütig, als Alexander Zverev mit sehr gefasster Stimme sagte: "Das war die erste Runde, aber wir wollen nicht hier aufhören."
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