Nur Neuer langweilt sich beim 4:0 gegen FC Barcelona etwas - Müllers besondere Theorie
Bayern längst in Barcelonas Spuren

Ratlos, hilflos, chancenlos (von links): Lionel Messi, Xavi Hernandez und Alexis Sanchez können die Demütigung von München nicht fassen. Bild: dpa

Es sollte ein Festtag für ihn werden. Deswegen hatte er sich schick gemacht. Sein grünes Alltagstrikot aus der Bundesliga hatte er gegen ein goldschimmerndes Outfit eingetauscht. Festtag, das heißt für ihn: Es gibt jede Menge zu tun. Und dann sagte Torhüter Manuel Neuer doch tatsächlich: "Ich hatte schon mit mehr Arbeit gerechnet."

Das mag vielleicht etwas arrogant klingen nach einem Spiel gegen einen Gegner wie den FC Barcelona, ist es aber nicht. Es war ein dickes Lob Neuers an seine Kollegen nach der 4:0-Gala der Münchner im Halbfinal-Hinspiel der Champions-League.

Thomas Müller (25./82.), Mario Gomez (49.) und Arjen Robben (73.) hatten an diesem denkwürdigen Abend mit ihren Toren den Untergang der gemeinhin besten Mannschaft der Welt besiegelt. Eigentlich hätte Jupp Heynckes vor Glück tanzen müssen. Doch der analysierte - typisch für ihn - eher trocken: "Die defensive Grundordnung war heute überragend." Es fiel Tor um Tor in der Arena - und dann redeten sie von der Defensive. Das ist aber auch ein Zeichen, wie fokussiert diese Bayern auf die großen Ziele sind. "Wir mussten nach jetzt zwei titellosen Jahren erst richtig spüren, was man im Fußball abliefern muss", erklärte Thomas Müller. Erst einmal kämpfen, rennen: "Jetzt macht doch bei uns jeder einen Schritt mehr als einen zu wenig."

Müller machte schon immer viele Schritte. Am Dienstagabend war er wieder einmal überall zu finden. Seine Laufleistung gegen Barça schätzte er auf etwa 13 Kilometer. "Ich wusste, dass ich meine Aufgabe nur gut machen kann, wenn ich viel laufe." Er machte seine Aufgabe bestens und lächelte mit seiner natürlichen Lockerheit auch sein Foulspiel vor Robbens 3:0 weg. "Das war internationale Härte", sagte er zum Check gegen Jordi Alba. Torschütze Robben sah seine Hauptaufgabe gegen die Spanier nicht einmal im Toreschießen: "Wir haben miteinander gekämpft, miteinander verteidigt", sagte der Holländer und schob ungläubig nach: "Das ist Wahnsinn. Barcelona hat Europa fünf Jahre dominiert, und dann gewinnen wir 4:0."

Mit Willen und Gier

Barcelona hatte Messi, Xavi, Iniesta, die Bayern hatten eine Mannschaft - mit starken Einzelkönnern, die alle ihre unterschiedlichen Fertigkeiten perfekt einbringen. Thomas Müller wird nie den Ball so liebevoll wie die Spanier streicheln. Die Spanier werden aber nie diesen Willen, diese Gier des gebürtigen Oberbayern haben. Nicht nur deshalb sagte Philipp Lahm: "Diese Mannschaft hat das Potenzial, um auch solchen Teams wie Barcelona weh zu tun." Und wie sie den Spaniern weh taten. Physisch stark, nie nachlassend, die Gegenspieler immer bearbeitend. Abwehrchef Dante war da ein Paradebeispiel. Der Brasilianer selbst verkörpert wohl am innigsten diesen neuen Teamgeist. Ob er sich im Rückspiel schonen werde, weil bei einer weiteren Gelben Karte die Sperre fürs Finale folge, wurde er gefragt. "Nein, das werde ich nicht tun. Ich will meiner Mannschaft nur helfen, ins Finale zu gehen. Nur das zählt."

Aber von einer möglichen Endspielteilnahme in London reden sie ohnehin noch nicht: Die Dortmunder hätten gegen Malaga in der 90. Minute zwei Tore gemacht, meinte Müller und rechnete spitzbübisch nach: "Also kann man in 90 Minuten theoretische 180 Tore machen." Für Barcelona dürften schon vier nahezu unmöglich sein. Und es gibt ja auch noch Manuel Neuer im Bayern-Tor. Auch der ließ sich von der großen Euphorie der Fans nach dem 4:0 nicht anstecken. "Wir haben in der Kabine nicht gesungen, wir haben uns nur gefreut." Er weiß: Am nächsten Mittwoch in Camp Nou wird's sicher ein richtiger Festtag für ihn. Mit jeder Menge Arbeit.
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