14.02.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Oberschwäbischer Malermeister macht Tongas Langläufer flott Übergewicht und noch nie Schnee gesehen

Pyeongchang. Thomas Jacob erinnert sich genau an diesen Freitag, den 13., im Januar des vergangenen Jahres. Aus seinem Heimatort Pfullendorf in Oberschwaben war der Inhaber eines Maler- und Lackier-Betriebs zum Stuttgarter Flughafen gefahren, um den Mann abzuholen, den er auf einen Langlaufstart bei den Olympischen Winterspielen vorbereiten sollte. Der 53-jährige Jacob traf einen 115-Kilo-Koloss, der Schnee nur vom Hörensagen kannte: Pita Taufatofua, 34 Jahre, fröhlicher Athlet aus dem Pazifikstaat Tonga, zuvor bei den Sommerspielen in Rio im Taekwondo am Start.

Pita Taufatofua, der Mann aus Tonga, freut sich auf den Skilanglauf. Sein Ziel: Nur nicht Letzter werden. Bild: Jussi Nukari/dpa
von Agentur DPAProfil

Den Kontakt zwischen den beiden hatte der Münchner Steve Grundmann hergestellt, der als Sportdirektor beim Königlichen Skiverband von Tonga arbeitet. "Ich habe dem Trainer gleich auf dem Flughafen gesagt, dass ich ihn nicht bezahlen kann", sagte Taufatofua. Doch Jacob wollte gar kein Geld. Nach Taufatofuas Auftritt bei der Eröffnungsfeier, als er bei Minusgraden mit blankem Oberkörper ins Stadion marschiert war, startet er nun im Langlauf über 15 Kilometer. "Es wird sehr hart für ihn, die Strecke ist brutal", weiß Trainer Jacob, "der vorletzte Platz - das wäre ein Traum." Taufatofua hat wenig auf Schnee trainiert, nur zwölf Wochen sind zusammengekommen. Immerhin hat er seit dem ersten Treffen mit Jacob 15 Kilo abgenommen.

Nach 1:30 Stunden wäre er gern am Ziel, schätzungsweise eine Stunde nach dem Olympiasieger. "Ich möchte nicht gegen einen Baum fahren, ich möchte das Ziel erreichen, und ich möchte hinter der Ziellinie mit brennenden Lungen zusammenbrechen", sagte der "Coconut Fighter". Für den Winter suchte er sich "die härteste aller Herausforderungen" aus, wie er sagt, den Skilanglauf.

Und dafür brauchte er Jacob, den rührigen Übungsleiter im Deutschen Alpenverein, Sektion Pfullendorf. Jacob brachte Taufatofua im Januar 2017 bei sich daheim im Jugendzimmer seiner auswärts studierenden Tochter unter. Er füllte die Schokoladenvorräte wieder auf, wenn der Gast sie nachts leer gefuttert hatte. Und er scheuchte ihn durch die Loipen. Im Bregenzerwald, im Allgäu, in Oberschwaben.

Nach ein paar Wochen war Taufatofua so weit, dass er bei den Weltmeisterschaften in Lahti antreten konnte. Für die musste er sich nicht qualifizieren, sondern bekam als Vertreter seiner Nation einen Quotenplatz. Für Pyeongchang aber musste er Qualifikationspunkte sammeln. Für die Reisen und fürs Material kratzte er mit Spendenaktionen mühevoll Geld zusammen. Er punktete fleißig bei Skiroller-Rennen in Kolumbien, doch erst am vorletzten Tag der Zulassungsphase, Ende Januar, gelang ihm auf isländischem Schnee mit Ach und Krach der letzte Schritt.

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