07.03.2018 - 21:44 Uhr
Deutschland & Welt

Paralympics Starterlaubnis für Fassungslosigkeit

Pyeongchang. Der Unmut im Lager des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) war schon zuvor groß, eine unerwartete Nachricht am Mittwoch steigerte die Wut noch einmal. Die Starterlaubnis für die umstrittene russische Athletin Michalina Lisowa für die am Freitag beginnenden Paralympics in Pyeongchang sorgte vor allem bei den nordischen Athleten und Funktionären für Fassungslosigkeit.

von Agentur DPAProfil

Der Name der blinden Athletin, die bei den Paralympics im heimischen Sotschi 2014 drei Gold- und drei Silber-Medaillen gewonnen hatte, taucht nach Angaben des DBS nämlich im McLaren-Report auf, in dem Russland ein staatlich gelenktes Dopingsystem nachgewiesen wurde. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hatte den Report in Auftrag gegeben. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) erklärte, dass die Athletin, die kurzfristig und nachträglich das Okay für eine Paralympics-Teilnahme vom IPC bekommen hat, alle Voraussetzungen für einen Start unter neutraler Flagge erfüllt habe. Dazu gehörten unter anderem zwei offizielle Doping-Tests im vergangenen halben Jahr. Lisowas Nominierung sorge "für Verwunderung", teilte der Deutsche Behindertensportverband mit. "Weil ihr Name im McLaren-Report auftaucht und vier Doping-Proben der heute 25-Jährigen Kratzer aufwiesen, steht Lisowa unter Manipulationsverdacht", schrieb der DBS. Ralf Rombach, Bundestrainer der nordischen Athleten, erklärte: "Wir können diese Entscheidung nicht nachvollziehen."

Zuvor hatte schon Manuela Schmermund in ihrer Funktion als Athletensprecherin kritisiert, dass das IPC auf den Kurs des Internationalen Olympisches Komitees eingeschwenkt ist. Wie bei den Olympischen Winterspielen so dürfen auch bei den Paralympics ausgewählte russische Athleten ohne eigene Flagge, ohne Hymne und in neutraler Sportkleidung antreten. Lisowa stand nicht auf der ursprünglichen Liste der 30 zugelassenen russischen Athleten. Von den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro waren die russischen Paralympics-Sportler noch komplett ausgeschlossen worden. "Ich fühle ein unsägliches Gemisch von Wut, Trauer, Betroffenheit, Scham und Ohnmacht", sagte Schmermund. "Es ist unerträglich, wie wissentlich mit einem organisierten Sportbetrug umgegangen wird."

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