15.10.2017 - 22:16 Uhr
Sport

Patrick Lange gewinnt Ironman-WM in Rekordzeit Eisenharte Typen

Mehr Drama geht kaum. Patrick Lange ist kurz vor der Aufgabe, aber der Wille siegt. Titelverteidiger Jan Frodeno kann auch nicht mehr, der Rücken macht zu, und doch: er schleppt sich beim Ironman weiter.

Patrick Lange aus Deutschland siegte bei der Ironman-WM auf Hawaii in Rekordzeit. Bild: Thierry Deketelaere/dpa
von Agentur DPAProfil

Kailua-Kona. (dpa/wüw) Weit über eine Stunde nach dem Hula-Hula-Siegertänzchen auf wackligen Beinen von Streckenrekordmann Patrick Lange schleppte sich der entthronte Titelverteidiger ins Ziel und hatte nur noch einen Wunsch. "Ich brauch' ein kaltes Bier", sagte Jan Frodeno. An einem der bittersten Tage in der Karriere des Olympiasiegers von 2008 und Ironman-Champions von 2015 und 2016 setzte Landsmann Lange die deutsche Siegesserie auf Hawaii fort. "Das ist Gefühls-Achterbahn hoch Tausend", sagte Lange. "Es gibt nichts Größeres für mich."

Immer wieder stockte die Stimme des 31-Jährigen: "Ich kämpfe mit den Tränen. Seit ich ein kleiner Junge bin, träume ich davon." Zu heftig war dieser Wettkampf, körperlich, mental, emotional. "Du läufst hier raus und du hast am ganzen Körper Gänsehaut, einen Kilometer später denkst du dir: Ich springe gleich ins Meer, weil du einfach nur fertig bist."

Er verwies den Kanadier Lionel Sanders auf Rang zwei, Dritter wurde der Brite David MacNamee. Sebastian Kienle, neben Frodeno der zweite deutsche Topfavorit, konnte auf den letzten Kilometern Langes und MacNamees Attacken nicht kontern und wurde nur Vierter. Er hatte 2014 die Serie deutscher Siege eingeleitet, 2015 und 2016 gewann Frodeno. Lange ist nach Thomas Hellriegel (1997), Normann Stadler (2004 und 2006), seinem jetzigen Trainer Faris Al-Sultan (2005), Kienle und Frodeno der sechste Deutsche, der auf Hawaii siegt. So schnell wie Lange, der sich vergangenes Jahr bereits den Laufrekord über den abschließenden WM-Marathon gesichert hatte, absolvierte noch nie ein Athlet seit der ersten Ausgabe des Rennens 1978 die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen: 8:01:40 Stunden hieß es nachträglich.

Wolfgang Schmatz teilt sich das Erfolgsrezept mit dem neuen Ironman-Gesamtsieger. Wie Patrick Lange bei den Profis stürmte der Kümmersbrucker im Marathon an die Spitze der Altersklasse 55 und sicherte sich seinen dritten Ironman-WM-Titel.

Der viertschnellste Marathon in 3:43 Stunden brachte Lothar Richthammer (Laface Weiden) auf Platz 13 in 10:50 Stunden. Damit war auch er "super zufrieden".

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