06.03.2018 - 22:24 Uhr
Deutschland & Welt

Radsport Im Radsport schwelt der Verdacht

Erneute Doping-Vorwürfe gegen Ex-Toursieger Wiggins, Schwierigkeiten für den einstigen Teamkollegen Froome wegen einer Affäre um ein Asthma-Spray: Das Super-Team Sky und sein Teamchef Brailsford stehen mit dem Rücken zur Wand.

Bradley Wiggins (links) ist nicht mehr aktiv, Christopher Froome um so mehr: Bei beiden britischen Radprofis steht der Verdacht im Raum, dass sie sich leistungssteigernder Mittel bedient haben. Bild: Yorick Jansens/dpa
von Agentur DPAProfil

Camaiore/London. Der frühere Toursieger Bradley Wiggins und sein ehemaliges Sky-Team stehen nach einem Bericht des britischen Parlaments weiter unter Druck. Wiggins ist nicht mehr aktiv, sein Nachfolger Chris Froome fährt noch - trotz erheblicher Erschütterungen um ihn herum. Der viermalige Gewinner der Frankreich-Rundfahrt startet am Mittwoch trotz einer drohenden Doping-Sperre bei der Fernfahrt Tirreno-Adriatico.

Froome und der Spiritus Rector des sagenhaften Sky-Erfolges seit 2012, Sir Dave Brailsford, verweigern beharrlich einen freiwilligen Rückzug. Die von vielen Arbeitskollegen, Teamchefs und dem Weltverbands-Chef David Lappartient (Frankreich) empfohlene Suspendierung bis zur Klärung der Vorwürfe um erhöhte Werte des Asthma-Mittels Salbutamol, hätten die Froome-Affäre längst beruhigen können.

Kittel: Supergau

In einem Parlamentsbericht war am Montag ein Rückzug Brailsfords gefordert worden, den der zum Ritter geschlagene Teamchef zurückwies. Froome wiederholte sein Statement zum Thema vom Saisonstart bei der Ruta del Sol: "Ich bin sicher, dass wir die Sache aufklären können." Der 32 Jahre alte Brite ist weiter unbeirrt auf dem Weg zu seinen Saison-Höhepunkten Giro d'Italia (4.-24. Mai) und Tour de France (7.-29. Juli). Die mit einem Teamzeitfahren in Camaiore startende und exzellent besetzte italienische Fernfahrt Tirreno-Adriatico ist eine weitere Station dorthin. Der Topsprinter Marcel Kittel will endlich seinen ersten Saisonsieg unter Dach und Fach bringen. In Bezug auf Froome und Wiggins sprach er von einem "Supergau für den Radsport", der "Erinnerungen an eine Zeit hervorruft, von der wir uns alle so sehr distanzieren wollen".

Weil die auffälligen Werte der Kontrolle vom 7. September 2017 weiter geprüft werden, darf Froome vorerst weiterfahren. Jegliche Doping-Absichten mit dem Asthmaspray - er wies den doppelten Wert des als Therapeutikum Erlaubten auf - hatte der Seriensieger rigoros von sich gewiesen. Drei Tage nach der folgenschweren Kontrolle in Spanien sicherte er sich zum ersten Mal den Vuelta-Sieg. Froomes Anwälte und Ärzte sollen angeblich ein Nierenproblem für den Anstieg der Werte ausgemacht gemacht haben. Der Weltverband UCI hat auch sechs Monate nach der Kontrolle auf das bis zu einem Grenzwert erlaubte Präparat immer noch keine Entscheidung getroffen.

Möglicherweise muss Wiggins um sein Gelbes Trikot von 2012 zittern. Froomes ehemaliger Team-Kollege wies Dopingverdächtigungen gegen ihn erneut scharf zurück. In einem BBC-Interview sprach der 37 Jahre alte Brite von einer "Hexenjagd" und einer "Hölle auf Erden".

Null-Toleranz-Politik

In einem Parlamentsbericht hieß es, der fünffache Rad-Olympiasieger habe eine leistungssteigernde Substanz dazu genutzt, die Tour 2012 zu gewinnen. Damit habe er zwar nicht gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen, wohl aber gegen die ethischen Prinzipien seines Rennstalls, der 2010 mit einer angekündigten "Null-Toleranz"-Politik gegen Doping angetreten war.

Ich bin sicher, dass wir die Sache aufklären können.Chris Froome
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