28.08.2014 - 00:00 Uhr
Sport

Regensburgs 2:1 hält Stuttgarts Dauerfeuer im Schlussspurt stand Jahn verlässt die Panikzone

So richtig Stimmung wollte in der kühlen Mechatronik Arena von Aspach vor handverlesenen 850 Zuschauern nicht aufkommen – zumal Gastgeber VFB selbst Gast im Stadion von Aufsteiger Großaspach war. Und wirklich Herzerwärmendes hatten beide Mannschaften lange nicht zu bieten. Erst der furiose Start in die Zweite Hälfte, ein Schlagabtausch bis zum 2:1 für Regensburg und das vergebliche Anrennen der Stuttgarter U23 zum Schluss sorgten für Spannung.

Und wieder muss es Aias Aosman richten: Wie schon im letzten Spiel gegen den VFB Stuttgart erzielte der Deutsch-Syrer das 1:0. Bilder: Herda/Baumann
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Jahn-Trainer Alex Schmidt hatte es angekündigt: Nach dem Abwehrchaos beim 4:4 gegen Rostock mussten Korrekturen her: Andi Güntner soll die Abwehr stabilisieren und Stanislaus Herzel für Kreativimpulse sorgen. Dafür müssen Daniel Steininger und Jonas Erwig-Drüppel draußen bleiben. Im Sturm kommt wieder die Variante Gino Windmüller an vorderster Front zum Einsatz – und der lange Gino setzt gleich Stuttgarts Keeper Odisseas Vlachodimos unter Druck, der die Kugel ins Seitenaus schlägt (3.). Und auch Comebacker Herzel führt sich mit starker Flanke von links gut ein, die allerdings ein Stuttgarter in Weiß gerade noch so vor Andi Güntner wegfegt (7.).

Eine Handvoll Torannäherungen

Es dauert eine gute Viertelstunde, ehe der Tabellenletzte etwas in Fahrt kommt: Ein 20-Meter-Freistoß streicht knapp über die Jahn-Latte (19.). Erster Aufreger dann im VfB-Strafraum: Patrick Lienhard und ein Stuttgarter haben sich die Köpfe angeschlagen – Windmüller köpft nach der anschließenden Ecke knapp drüber (24.). Bei Lienhard, der bereits mit Platzwunde angezählt war, geht es nicht mehr weiter. Für ihn kommt Daniel Steininger (25.).

Endlich wieder mal ein bemerkenswerter Spielzug der Gäste: Doch Andi Geipls Schuss bereitet der VFB-Abwehr kein Kopfzerbrechen (30.). Auf der anderen Seite muss Aias Aosman seine Spritzigkeit und Ballsicherheit dazu einsetzen, um einen Stuttgarter Angriff in letzter Sekunde abzufangen (38.). Auch Oli Hein wirkt präsent, erobert den Ball in der eigenen Hälfte und kann erst vierzig Meter weiter durch ein Foul gestoppt werden: Fabian Trettenbachs Hammer aus mehr als 20 Metern klatscht mitten in die Mauer (43.). Das war‘s dann auch schon mit Torannäherungen in Hälfte eins!

Mehr Elan in Hälfte zwei

Der Jahn jetzt mit Elan: Aosmans geht über links, seine Hereingabe wird zur Ecke geklärt (46.). Herzels Flanke bleibt erst mal hängen, Geipls Direktabnahme wird geblockt (48.). Aber dann ist Stuttgart-Schreck Aaosman wieder zur Stelle: Steiningers exakte Flanke von rechts passiert die statische VFB-Defensive und der Edeltechniker hat keine Mühe, das Kunstleder am langen Pfosten einzuschieben (51.). Die Gastgeber wirken jetzt geschockt: Erneut versucht‘s Steininger über rechts, aber es kann nicht immer klappen (52.).

So, das versuchen wir jetzt auch mal, denken sich die Stuttgarter und prompt langt Stephan Loboué am Ball vorbei: Tobias Rathgebs halbhohe Flanke köpft Daniel Vier freistehend in den Kasten (53.). Und das nennt man wohl jetzt munteres Scheibenschießen im Tabellenkeller: Andi Güntner schlägt zurück – Trettenbach geht rechts an die Grundlinie, Güntner macht den Aosman am langen Pfosten und haut das Ding volley ins Netz 2:1 (59.).

Nicht gerade ein Ruhekissen

Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, das dieser Kaas noch nicht gegessen ist: Thomas Kurz möchte überhaupt nicht an seinen Patzer vom Samstag erinnert werden und klärt mit kompromissloser Grätsche im Sechzehner. Den anschließenden Eckball holt Lobouè dieses Mal sicher runter (61.). Die Chancen der Stuttgarter mehren sich. Erst landet ein Irrläufer auf Marvin Wanitzeks Kopf, der den Ball aber nicht mehr drücken kann (65.). Dann knallt Marco Grüttner die Kugel ans Aluminium (67.).
Zumindest mal ein Entlastungskonter: Vlachodimos spurtet aus seinem Strafraum, um vor Aosman zu retten (68.). Und jetzt kommt auf Regensburgs Seite einer, der die Stuttgarter Abwehr etwas mehr beschäftigen soll: Romas Dressler ersetzt den Torschützen Andi Güntner (71.). Doch dem bleibt kaum Zeit zum Akklimatisieren. Die nächste atemberaubende Flanke senkt sich vors Jahn-Tor und Matthias Dürmeyer grätscht die Bedohung gerade mal so weg (72.). Leichtsinn zum Haareraufen: Die schwarzkostümierte Gästeabwehr gibt den Ball im eigenen Strafraum ab – der Pfosten steht dem Ausgleich im Weg (76.).

Herzschlagfinale mit Happy End

Entlastung gibt‘s jetzt fast keine mehr: Trettenbach und Dressler versuchen es mal mit einem Konter, aber Fabians Pass auf den startenden Stürmer hat kein Timing (78.). Jetzt glänzt auch noch Torwart Loboué durch Verzögerung und bekommt dafür von Schiri Sören Storks (Velen) eine gelbe Anerkennung (79.). Beste Szene des eingewechselten Dressler: Seinen Gewaltschuss vom linken Strafraumeck kann Vlachodimos gerade noch entschärfen (80.).
Jetzt soll Christoph Rech für den ausgepowerten Trettenbach helfen, das Spiel über die Zeit zu schaukeln. Windmüller weiß sich nicht anders zu helfen, als am eigenen Strafraum zu foulen – gefährliche Flanke, Loboué diesmal mit energischem Willen zur Stelle, faustet das Ding aus der Gefahrenzone (86.). Nocnmal eine Ecke: Gegen Rostock führten zwei Ecken in der Schlussphase noch zum Ausgleich – geht‘s diesmal gut? Nicht schon wieder Grüttner … der drischt die Kugel erneut an den Pfosten – das gibt‘s ja nicht (86.)!

Keinen hält es mehr auf den Sitzen

Noch vier Minuten Haare raufen, Nägel kauen, Daumen drücken: Wie beim WM-k.o.-Spiel fiebert die gesamte Jahn-Ersatzbank samt Trainertam dem Schlusspfiff stehend entgegen. Noch einmal versucht es Stuttgart mit einem Steilpass … ins Aus. Und dann ist es doch noch fast passiert: Endlich hält der so oft gescholtene Keeper mal einen Unhaltbaren – Loboué fischt die Kugel aus dem linken Eck (91.). Alle starren hin und her: Spiel, Uhr, Spiel. Selbst der Schiri. Das muss jetzt aber der letzte Freistoß sein: Klar, Keeper Odisseas irrt mit in den feindlichen Strafraum – aber auch das bringt nichts mehr.
Aus nach 94 zum Schluss Nerven zehrenden Minuten! Erleichterung bei Jahn-Trainer Alex Schmidt über den Sprung von Platz 19 auf 16: „70 Minuten haben wir sehr ordentlich gespielt“, taxiert er den Sieg als verdient ein. „Danach haben wir zu viel zugelassen.“ Das ist dann wohl endlich das „dreckige“ 2:1, das im Forum bei solchen Keller-Duellen gefordert wird. Am Samstag, 14 Uhr, gegen Energie Cottbus (5./11 Punkte) ist dann nochmal eine Steigerung nötig, um den zweiten Heimsieg einzufahren. Und für unverbesserliche Optimisten: Nur noch ein Pünktchen zum einstelligen Tabellenplatz und vier Punkte zum Relagationsplatz … Aber was heißt das in einer Liga, in der Haching 0:4 gegen Halle verliert!

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