06.09.2014 - 00:00 Uhr
Sport

Schalke-Killer Eilers entwertet Regensburgs starke Leistung Dynamo nutzt Jahns Schwachstellen

Der Jahn verliert wie Schalke 04 denkbar unglücklich mit 1:2 in Dresden – und kann sich für eine über weite Strecken starke Leistung nichts kaufen. Zumal die Regensburger sich wie so oft selbst um die Früchte bringen: Zweimal lässt die Oberpfälzer Abwehr Justin Eilers zu viel Platz – beim zweiten Mal sogar in Überzahl und nach eigenem Einwurf. Dazu das übliche Jahn-Pech: klarer Elfer verwehrt, und Traumtor von Fabian Trettenbach annulliert.

Mit Tunnelblick sollten die Regensburger die eindrucksvolle Kulisse in Dresden ignorieren. Das klappte zwar ganz gut, aber zum Schluss mussten sich die Gäste dennoch beugen. Bilder: dpa/Jahn
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Mit Tunnelblick schickt Alex Schmidt die Regensburger aufs Feld – damit sich die Jungs von der gelben Wahnsinnskulisse mit 21.802 Zuschauern nicht ablenken lassen. Der Jahn-Coach musste wegen der Muskelverletzung von Oli Hein umbauen, stellt Andi Güntner auf die 6. Andreas Geipl und Aias Aosman sollen Daniel Franziskus und Gino Windmüller in der Spitze bedienen. Schiri Frank Willenborg (Osnabrück) setzt gleich mal gelbe Zeichen gegen Daniel Franziskus, der gegen Hefele den Fuß stehen lässt (7.), und gegen Andi Geipl nach einem taktischen Foul (9.).

Der Favorit kontert und trifft

Das ist schon kurios: Dresden hat zwar zu Beginn einige Halbchancen, aber der Jahn bekommt das Spiel recht schnell unter Kontrolle. Dann kontert der Favorit im eigenen Stadion, ein Motto, das Trainer Stefan Böger als Erfolgsrezept ausgegeben hat. Nach Ballverlust von Andi Güntner im Mittelfeld wird Justin Eilers bedient, der allein auf den Jahn-Keeper zuläuft und aus etwa acht Metern Stephan Loboué, der lange stehen bleibt, keine Chance lässt – rechts unten rollt der Ball ins Netz. 1:0 für Dresden (16.).

Wie so oft nach einem Rückstand zeigt sich der Jahn beeindruckt: Stefan Stefaniak fällt im Strafraum und fordert den Elfer, der Schiri lässt weiterlaufen, aber anstatt sich mit dem Ball zu beschäftigen, blicken die Abwehrspieler in Schwarz auf Willenborg, so dass Dresden die zweite Chance bekommt: knapp drüber (19.).

Aosman organisiert den Widerstand

Aias Aosman organisiert den Widerstand: Der Deutsch-Syrer, der vor zwei Monaten seinen kurdischen Onkel im Krieg gegen die IS verloren hat und allen Grund hätte, nicht nur Fußball im Kopf zu haben, quert mit einem Spurt das halbe Feld – am dritten Gelben bleibt er aber hängen (21.). Fabi Trettenbach marschiert über rechts, bringt die Flanke in die Mitte, wo Daniel Franziskus den Ball nicht mehr drücken kann (21.).

Auf der anderen Seite versucht Stephan Loboué einen Eckball runterzuholen und wird von Rambo Michael Hefele mit dem Ellbogen umgerammt – da kann man auch mal Gelb zücken, Herr Schiedsrichter! Der Kapitän wird behandel, kann weitermachen, hält sich aber immer noch die Schulter (24.). In dieser Phase sieht man aber auch, warum der Jahn so viele Gegentore bekommt: Am Strafraum schaffen es gleich zwei Abwehrspieler, den Ball mit Fehlpass bzw. Kurz-Kerze wieder den Dynamos anzuvertrauen – zum Glück macht er seinen Fehler anschließend wieder gut (25.).

Immer wieder Aosman: zum fünften Tor

Klasse Antrritt von Aosman, legt quer auf Trettenbach – schwacher Pass in die Spitze, den kann keiner erlaufen (26.). Was für ein Schlamassel, jetzt muss Loboué doch passen: Dominik Bergdorf kommt zu seinem zweiten Drittligaeinsatz (28.). So geht das: Aias Aosman legt erst Franziskus auf, bekommt den Ball wieder zurück, und zieht aus 14 Metern mit links ab: klasse Tore links halbhoch, 1:1 (32.). Kurze Zeit später hobelt Dennis Erdmann Patrick Lienhard im Strafraum um, nachdem der Ball bereits weg war – der Schiri sieht’s nicht, unglaublich (33.)!
Dresden wird immer ruppiger: Nils Texeira haut Franziskus völlig unnötig an der Außenlinie um – wieder bleibt die Karte stecken, obwohl ausgerechnet Erdmann den Ball auch noch in die Ränge drischt (37.). Nächstes Foul: Geipl wird am eigenen Strafraum umgestoßen – sorry, aber da misst der Schiedsrichter schon mit verschiedenem Maß (38.). Man kann es kaum mehr beschreiben: Texeira schubst nach einem Foul von Lienhard seinen Gegenspieler einfach um, eine klare Tätlichkeit, doch Willenborg zückt lediglich Gelb (41.) Es muss hier eine Privilegienliste geben, die die Dresdener Spieler schont. Auch drei Minuten Nachspielzeit ändert nichts mehr am Spielstand.

Dynamo mit Elan in die Zweite Halbzeit

Markus Smarzoch bekommt seine Chance in der Sachsen-Metropole für Daniel Franziskus. Aber mit Elan beginnt erst einmal Dynamo. Kreuzer tankt sich durch und will das Foul 20 Meter halbrechts Richtung Strafraum verlegen – Christian Fiel versucht’s auf die kurze Ecke, knapp daneben, aber Bergdorf wäre zur Stelle gewesen. Dann muss der Keeper auch noch im Fünfer den Niederländer Sylvano Comvalius ausspielen, Atemstillstand, aber gut gegangen (49.). Und Dynamo bleibt sich treu: Eilers tritt Geipl in die Hacken, der sich verwundert umsieht – nur Freistoß an der Mittellinie – und gleich wieder verdaddelt.
Klasse Aktion, wie da Trettenbach den antrabenden Texeira in Schach hält und dann auch noch den Ball wegspitzelt (51.). Der eingewechselte Sinan Tekerci probiert’s aus 20 Metern mit einem Schlenzer, aber der geht einen guten Meter daneben. Im Gegensatz zu den letzten zwei Spielen wartet man bisher vergeblich auf die Nach-Pausenoffensive des SSV – momentan sind die Gäste nur in der Defensive beschäftigt: Dürmeyer muss schon wieder klären.

Klasse Reaktion von Bergdorf

Der Jahn findet sich langsam besser in die zweite Halbzeit, aber es fehlen noch die Abschlüsse. Jetzt endlich die Gelbe Karte, die Hefele sich schon bei seiner Attacke gegen Loboué verdient gehabt hätte (57.) – anschließend verursacht der lange Blonde mit einem schwachen Rückpass eine Ecke (58.).
Freistoßgeschenk nach Zweikampf Güntner: Erdmann springt höher als Dürmeyer und Kurz, Bergdorf dreht die Kugel mit klasse Reaktion über die Latte – Ecke auf Eilers, mit dem Hinterkopf an den Pfosten, im Nachschuss nochmal Pfosten.

Fabis annulliertes Traumtor

Im direkten Gegenzug marschiert Trettenbach durchs Mittelfeld, zieht aus 30 Metern ab, die Granate streift Aosmans Rücken, der vielleicht 10 Zentimeter im Abseits steht – die Kugel schlägt im rechten oberen Winkel ein, der Schiri erkennt den Treffer nicht an (65.). Dresden rüstet in der Offensive nach: Der neue Mann aus Augsburg, Matthias Fetsch, kommt für Luca Dürholtz (65.).
Alex Schmidt zieht seinen letzten Trumpf: Für Andi Güntner kommt Daniel Steininger (69.). O.k., Respekt, jetzt zeigt auch Schiri Willenborg mal echte Auswärtsstärke im Dynamo-Hexenkessel: Texeira sieht Gelbrot für eine Schwalbe, als er neben Trettenbach ohne Mannberührung abhebt (71.). Im Anschluss die Riesenchance für Aosman: Windmüller ist in der Mitte durch, legt quer auf Aias, der versucht aus sieben Metern einen Kunstschlenzer, der in Kirstens Arme rollt (74.).

Und wieder trifft Eilers

Wie bescheuert: Da vergibt der Jahn beste Chancen (oder ein Treffer wird annulliert) und dann macht Dresden aus einem Einwurf der Regensburger das Tor in Unterzahl. Niklas Kreuzer flankt nach innen, Kurz springt hoch, Eilers schießt aus der Drehung, der Ball springt von Kurzens Beinen ins Tor, keine Chance für Bergdorf (79.).

Und wie bei den vier Toren der Rostocker schafft es die Jahn-Defensive wieder nicht, den gegnerischen Knipser in den Griff zu bekommen – ein Mann, der vor drei Jahren bei Goslar in der Oberliga kickte!

Dresden verteidigt clever

Der Jahn gibt tapfer Contra, aber Dresden steht jetzt natürlich massiv hinten drin. Trettenbach setzt sich Mitte rechts gut durch, auch wenn die Zuschauer ein Hand gesehen haben wollen, aber dann folgt die schwache Hereingabe. Nochmal der Jahn mit Aosman auf Herzel, der sich nicht durchsetzen kann (83.). Dresden schafft es, den Ball Minuten lang auf der linken Außenseite zu halten.

Klar, im Eifer des Gefechts gehen einem schon mal die Pferde durch, aber mit Verlaub, Stani Herzel, das ist einfach hirnlos: Nach einer umstrittenen Einwurfentscheidung schleudert er den Ball zum zweiten Mal auf den Boden und bekommt dafür, Überraschung, Gelbrot! Vorteil Dresden, das sich diese drei Punkte nicht mehr nehmen lässt.

"Unglücklich verloren",bilanziert Andi Güntner nach den Spiel selbskritisch, "aber das ist bei uns momentan einfach so, dass wir immer wieder mal Situationen haben, wo wir unaufmerksam sind." Und Ersatzkeeper Bergdorf vermisste noch mehr Aggressivität: "Vielleicht haben wir uns auch von der Kulisse beeindrucken lassen."

Zweiter Heimsieg gegen Münster überfällig

Hin- und hergerissen lässt uns das Spiel zurück: Auf der einen Seite überzeugte der Gast aus der Oberpfalz kämpferisch und spielerisch in allen Belangen – aber wenn man dann so nahe an einem Punktgewinn beim Zweitligaabsteiger und frisch gebackenen Tabellenführer dran ist, sich in Überzahl eher sogar auf der Siegesstraße wähnt, dann tut es einfach weh, wenn ein eigener Einwurf zum golden Goal des Gegners führt.

Wegen des vier-Punkte-Vorsprungs muss sich der Tabellen-17. zumindest keine Sorgen machen, auf die Abstiegsränge abzurutschen – die Niederlage von Fortuna Köln begünstigt das Durchatmen zusätzlich. Aber gegen Preußen Münster (14.), Samstag, 14 Uhr, sollten neben einer guter Leistung auch wieder Punkte in Regensburg bleiben – der zweite Heimsieg ist überfällig.

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