Schalke-Trainer Keller nach lustlosem Pokal-Auftritt stocksauer
Stimmung am Tiefpunkt

Der DFB-Pokal kreiert nicht nur Helden, sondern auch Versager: Die Schalker Spieler (von links Christian Clemens, Felipe Santana und Eric Maxim Choupo-Moting) hätten sich nach dem Schlusspfiff in Dresden am liebsten in ein Mäuseloch verzogen. Mit 1:2 verlor der Champions-League-Teilnehmer gegen einen Drittligisten. Bild: dpa

Jens Keller versuchte erst gar nicht, seinen tief sitzenden Frust zu verbergen. Nach der peinlichen 1:2-Erstrundenpleite von Champions-League-Starter FC Schalke 04 im DFB-Pokal bei Drittligist SG Dynamo Dresden ging der Fußball-Lehrer hart mit seinen Kickern ins Gericht, die die Aufgabe offenbar nicht mit dem nötigen Ernst angegangen waren.

"Wer heute so wahnsinnig war, den Gegner zu unterschätzen, dem ist nicht zu helfen. Wenn da einer nicht mit der richtigen Einstellung ins Spiel geht, wie das bei dem einen oder anderen den Anschein gemacht hat, dann sind die fehl am Platz und das wird auch deutlich angesprochen", resümierte Keller sichtlich angefressen.

Nach dem nicht "schalke-würdigen Auftritt" (Torhüter Ralf Fährmann) drohte Keller wenige Tage vor dem Bundesliga-Saisonstart am Samstag bei Hannover 96 mit personellen Konsequenzen. "Wenn sechs, sieben Leute ihre Leistung nicht bringen, kann man nicht bestehen. Es könnte schon sein, dass es die eine oder andere Entscheidung in dieser Richtung gibt. Wen genau das betrifft, will ich aber nicht direkt nach dem Spiel entscheiden", sagte er.

Die emotions-und leidenschaftslose Vorstellung des Favoriten, der ohne die Weltmeister Julian Draxler und Benedikt Höwedes begann, konnte sich der 43-Jährige nicht erklären. Nicht nur die Einstellung störte den Chefcoach, sondern auch die haarsträubenden Defensivfehler, die sich die "Königsblauen" leisteten. Innenverteidiger Felipe Santana verursachte den Elfmeter zum 0:1 durch Justin Eilers (24. Minute) und Joel Matip versäumte es, den Ball vor dem 0:2 durch Nils Teixeira (49.) zu klären. "Das Abwehrverhalten war generell schlecht", monierte Keller. Der Treffer von Matip (78.) kam zu spät, um das Spiel noch zu drehen.

Manager Horst Heldt wollte nach dem ersten Pokal-Aus in einem Auftaktspiel seit der 1:2-Niederlage bei Rot-Weiß Erfurt 1991 über keine personellen Konsequenzen oder den Trainer sprechen. "Es ist eine riesengroße Enttäuschung. Wir müssen uns sammeln. Wir haben in den entscheidenden Situationen elementare Fehler gemacht, die müssen wir abstellen", sagte Heldt betont zurückhaltend - zumindest nach außen.

Nach einer schlechten Vorbereitung mit zahlreichen Verletzten und dem lustlosen Auftritt einiger Profis ist die Stimmung in Gelsenkirchen erstmal am Tiefpunkt. Bei allem Respekt vor der leidenschaftlichen Leistung der Dresdner wollte Heldt das nicht als Erklärung geltenlassen. "Natürlich hat es Dynamo gut gemacht, aber das kann keine Ausrede sein. Wir wollen in der Champions-League spielen. Da kann man sich nicht die Darbietung eines Drittligisten schönreden, um selbst besser auszusehen", machte Heldt klar.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.