18.02.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Simon Schempp im Massenstart Zweiter Millimeter fehlen zu Gold

Die Biathlon-Männer sorgen im Massenstart für einen Krimi. Ein Schwabe kommt bei Olympia durch und auf das Podest. Laura Dahlmeier dagegen ist müde und verfehlt ihre vierte Olympiamedaille.

Knapper geht's fast nicht. Ein Zielfoto musste über Gold und Silber entscheiden. Hier lag der Franzose Martin Fourcade (rechts) nur wenige Zentimeter vor Simon Schempp. Bild: Daniel Karmann/dpa
von Agentur DPAProfil

Pyeongchang. Läppische 14 Zentimeter fehlten Simon Schempp zum ganz großen olympischen Glück. Aber die Enttäuschung war schnell verflogen. "Erstmal habe ich gedacht: Shit, weil es so knapp war. Aber dann ist mir bewusst geworden, dass ich meine erste olympische Einzelmedaille gewonnen habe", sagte der 29-Jährige nach seinem spektakulären Kampf im olympischen Biathlon-Massenstart mit dem Franzosen Martin Fourcade. Er habe Silber gewonnen und kein Gold verloren, sagte der Schwabe. Schempp hatte sich zuvor in einem hochdramatischen Zielspurt noch ganz lang gemacht, doch am Ende entschieden 18 Tausendstelsekunden gegen ihn - und verhinderten seinen ersten Olympiasieg.

"Wäre es noch fünf Meter weitergegangen, dann hätte es vielleicht gereicht. Aber ich bin super happy", sagte Schempp, der nur um eine Fußspitze scheiterte. "Das war ein überragendes Ergebnis von der ganzen Truppe", jubelte Männer-Bundestrainer Mark Kirchner. Der Norweger Emil Hegle Svendsen verdrängte Erik Lesser (2) und Benedikt Doll (1 Fehler) auf die Plätze vier und fünf - sogar zwei Medaillen waren am Sonntag drin. "Ärgerlich, dass hinten raus, die zwei Fehler passiert sind, sonst wär ich mit Bronze rausgegangen. So gehe ich mit der Holzmedaille nach Hause", klagte Lesser. Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer (4 Fehler) kam auf Rang 13.

Schon am Dienstag geht es mit der Mixed-Staffel weiter, anschließend folgen Damen- und Männer-Staffeln. Deutschlands Schlussläufer Schempp stand in diesem Winter nicht einmal auf dem Podium, drei vierte Plätze im ersten Trimester sind das Beste in den Ergebnislisten. Denn anhaltende Rückenprobleme machten dem Massenstart-Weltmeister seit Wochen zu schaffen. Die Olympia-Generalprobe in Antholz musste der 29-Jährige auslassen, die Zweifel wurden groß: Schafft er es noch? Doch die permanenten Behandlungen zeigten Wirkung. "Irgendwie muss ich immer bis zum letzten Tag warten, bis zur letzten Einzelentscheidung", sagte Schempp, der im Vorjahr bei der WM in Hochfilzen ebenfalls im letzten Rennen seinen ersten Titel geholt hatte. Auch bei Olympia zeigte er zum Abschluss der Einzelwettbewerbe seine ganze Klasse. Nur einmal musste Schempp in die Strafrunde, Fourcade leistete sich einen Fehler am Schießstand mehr und war trotzdem der Glücklichere. "Ich dachte, dass ich nur Zweiter bin", sagte Fourcade. "Ich möchte mich am liebsten bei den deutschen Fans entschuldigen."

Überfliegerin Laura Dahlmeier hatte ganz andere Sorgen. "Jetzt muss ich meine Akkus wieder aufladen und dann geht's mit voller Konzentration Richtung Staffel", kündigte die Doppel-Olympiasiegerin nach Platz 16 im Massenstart an. Ob sie zweimal dabei ist? "Ich werde mit den Trainern besprechen, was Sinn macht", sagte sie. Die Entscheidung wird nach dem Abschlusstraining am Montag fallen. Nicht nur dank Dahlmeier haben die Biathleten die selbstgesteckten Ziele übertroffen - zwei Medaillen, eine für die Frauen, eine für die Männer in den jeweils vier Einzelrennen war die Vorgabe gewesen. Neben Dahlmeier trumpften noch Peiffer mit Sprint-Gold und Doll mit Bronze in der Verfolgung auf.

Schempp machte die Medaillensammlung der Männer mit Silber komplett. "Als ich im Ziel lag, war ich mir nicht sicher, wer von uns Erster war, weil ich gemerkt habe, es war verdammt knapp", sagte er nach dem Duell mit Fourcade.

Dahlmeier musste in ihrem Massenstart hingegen schnell einsehen, dass die Medaillen unerreichbar waren. Gold ging an die Slowakin Anastasiya Kuzmina, Silber an die Weißrussin Darja Domratschewa, Bronze an Tiril Eckhoff aus Norwegen. Dahlmeier war hinter Denise Herrmann (11.) und Franziska Preuß (12.) sogar nur drittbeste Deutsche.

Wäre es noch fünf Meter weitergegangen, dann hätte es vielleicht gereicht. Aber ich bin super happy.Simon Schempp

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