Ski alpin
Josef Ferstl überrascht in Santa Caterina

Josef Ferstl ließ mit einem fünften Platz im Super-G aufhorchen. Bild: dpa

Vor einem Jahr stoppte ihn ein Kreuzbandriss, über Weihnachten ein Magen-Darm-Infekt: Dennoch gelang Skirennfahrer Ferstl in Santa Caterina mit Platz fünf der große Coup. Aber das soll noch nicht alles gewesen sein.

Santa Caterina. Josef Ferstl ließ sich nach eineinhalb Minuten Quälerei in den Schnee fallen und blickte auf die Anzeigetafel. Noch geschwächt von einem Magen-Darm-Infekt fehlte dem Skirennfahrer am Dienstag zunächst die Kraft, sich am Jahrestag seiner schweren Verletzung ausgelassen über den fünften Platz im Super-G von Santa Caterina zu freuen. "Das war sensationell", kommentierte Ferstl sein bestes Weltcup-Resultat schließlich, als er wieder bei Kräften war. "Ich strahle mehr als die Sonne." Dazu hatte der Oberbayer zwei Tage vor dem 28. Geburtstag allen Grund - schloss sich doch just auf jener Deborah-Compagnoni-Piste vorerst ein Kreis.

Auf den Tag genau vor einem Jahr erlitt Ferstl nämlich im Training in Santa Caterina eine schwere Knieverletzung, das Kreuzband riss. Vorbei war es mit der Serie von dauerhaft guten Ergebnissen im Weltcup. Dass Ferstl nach einer langen Reha-Pause und einem für viele überraschend schnellen Comeback nun ausgerechnet auf der Unglückspiste überragt, das nötigt Respekt ab. "Er hat nahtlos da weitergemacht, wo er aufgehört hat", lobte der deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier.

Dabei standen die Zeichen schlecht für Ferstl. Über Weihnachten hatte ihn ein Magen-Darm-Infekt niedergestreckt, eineinhalb Tage konnte er kaum etwas essen. "Ich hatte mir überlegt, ob ich überhaupt hierher fahren soll", erzählte er. "Mir ist heute dann ziemlich die Kraft ausgegangen. Ich war wirklich leer." Das wurden deutlich, als er sich im Ziel in Santa Caterina nicht mehr auf den Beinen hielt.

Auf Kjetil Jansrud aus Norwegen, der vor dem Österreicher Hannes Reichelt (+0,60) und Dominik Paris aus Südtirol (+0,65) auch den dritten Super-G des Winters gewann, fehlten Ferstl 1,24 Sekunden.

Unerwarteter Coup

Angesicht der jüngsten Vergangenheit und der schweren Verletzung von vor einem Jahr ist dieser Rückstand mehr als beachtlich. "Ich habe Spaß, Freude, und dann kommen solche Ergebnisse heraus", berichtete Ferstl. Dreimal war er in seiner Karriere bisher unter die Top Ten gefahren, jeweils in Abfahrten standen die Platzierungen neun, sieben und zehn zu Buche. Nun gelang der unerwartete Coup und zugleich die Qualifikationsnorm für den Super-G bei der WM in St. Moritz.

Und das soll es noch nicht gewesen sein! "Der fünfte Platz ist super. Aber wir wollen weiter wachsen", sagte Ferstl. Am Ziel des Deutschen Skiverbandes (DSV), zu einer der stärksten Nationen in den Speed-Wettbewerben Abfahrt und Super-G zu werden, wird festgehalten. "Wenn man sich mit dem fünften Platz zufrieden gibt, bleibt man Fünfter", sagte Sportdirektor Maier. Und Ferstl gab die Parole aus: "Kämpfen lohnt sich." Und das will er auch am Mittwoch (11.45 Uhr) in der Abfahrt.

Ich strahle mehr als die Sonne.Josef Ferstl

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