Slowake akzeptiert enttäuscht Tour-Ausschluss
Sagan fährt nach Hause

Für Peter Sagan ist die Tour de France schon vorbei. Der Slowake nahm zu seinem Ausschluss am Mittwoch vor den Journalisten Stellung. Bild: dpa

Vittel. Der Fall Peter Sagan beschäftigte kurzfristig sogar den Internationalen Sportgerichtshof CAS, Anwälte waren involviert, bis unmittelbar vor dem Start wurde verhandelt - doch die Jury kannte kein Pardon. Für den Rad-Weltmeister gab es kein zurück ins Peloton der 104. Tour de France. Nicht nach Planche des Belles Filles, dem Zielort der fünften Etappe, sondern in die Wahlheimat Monaco ging für den Slowaken am Mittwoch die Reise.

Mit offenem Haar und in Freizeitkleidung hatte Sagan am Morgen restlos enttäuscht das mondäne Teamquartier Club Med Ermitage in Vittel verlassen. "Ich bin gegen die Entscheidung der Jury, aber ich akzeptiere sie", sagte der Weltmeister in einem knappen Statement und fügte hinzu: "Es tut mir leid, dass Mark Cavendish zu Fall gekommen ist und sich verletzt hat. Ich hoffe, dass er schnell gesund wird. Ich habe aber nichts falsch gemacht. Das war ein Sprint, wie es ihn früher gab und auch weiter geben wird."

Als Sagan bereits im Auto Richtung Monaco saß, kämpfte sein Team Bora-hansgrohe weiter um die Starterlaubnis. Der CAS wurde kurzfristig angerufen - ohne Erfolg. Die Jury habe lediglich den Einspruch zur Kenntnis genommen. Mit dem Abschied Sagans verlor die Frankreich-Rundfahrt ihre Hauptattraktion. Weiter gingen hitzige Diskussionen, ob die Disqualifikation des schillernden Radprofis und Showstars richtig war. "Eine krasse Fehlentscheidung" sei dies gewesen, sagte Teamchef Ralph Denk. Die meisten Begleiter im Tourtross empfanden das Urteil ebenfalls überzogen. Darunter auch André Greipel, der unmittelbar nach dem Crash mit dem Doppel-Weltmeister noch hart ins Gericht gegangen war.

Mit der Entschuldigung seines Rivalen und Freundes noch am Dienstagabend war die Sache auch für Cavendish erledigt: "Es zeigt, was für ein Mensch er ist, und das zählt für mich mehr als alles andere." Simon Geschke, Tour-Etappensieger von 2015, hatte den Vorfall erst später auf dem Video gesehen. "Die Strafe ist zu hart. Cavendish ist eine Lücke gestoßen, wo eigentlich kein Platz mehr war", sagte der Berliner.

Seit sieben Jahren hatte es bei der Tour keine Disqualifikation mehr - abgesehen von den Doping-Ausschlüssen - wegen eines unsportlichen Verhaltens gegeben. Mark Renshaw - damals wie heute übrigens Anfahrer von Cavendish - war ebenfalls nach einem Wild-West-Sprint bestraft worden. Auch Dietrich Thurau hatte es 1985 mal erwischt, nachdem er einem Rennkommissar an den Kragen gegangen war.

Im aktuellen Fall gingen die Meinungen weit auseinander. "Das war kein Unfall. Das war ein vorsätzlicher Ellbogencheck. Dafür gehört er nach Hause geschickt", hatte Teamchef Rolf Aldag gefordert. Beim Bora-hansgrohe-Team sah man den Fall freilich anders. Es sei ein klarer Rennunfall gewesen, hieß es da.
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