Spannung im Schumacher-Prozess steigt - Von Dopingpraktiken nichts gewusst
Holczer tritt in Zeugenstand

Ex-Teamchef Michael Holczer wird sich im Prozess gegen Radprofi Stefan Schumacher einige unangenehme Fragen gefallen lassen müssen. Bild: dpa
Schon am zweiten von acht Verhandlungstagen im Landgericht Stuttgart kommt es womöglich zum großen Showdown. Ex-Teamchef Michael Holczer tritt im Betrugsprozess gegen Radprofi Stefan Schumacher an diesem Donnerstag in den Zeugenstand. Der 59 Jahre alte Mathematik- und Geschichtslehrer will plausibel machen, dass er von den Dopingpraktiken im Team Gerolsteiner nichts wusste. Er muss sich auf erheblichen Gegenwind gefasst machen.

Schumacher widersprach in seiner "Spiegel"-Beichte vor Ostern und am ersten Verhandlungstag am 10. April den Beteuerungen Holczers: "Er hat sich als Anti-Doping-Kämpfer präsentiert, ohne selber was gegen Doping zu tun. Er hat überhaupt keine Kontrolle gehabt und auch keine Ambitionen, das Thema im Team zu unterbinden". Den in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Anti-Doping-Aktivisten Holczer gab es nach Schumachers Meinung überhaupt nicht.

Dem Radprofi, der vergangenen Sonntag bei einem Rennen in Aalborg (Dänemark) Schnittwunden und Gehirnerschütterung erlitten hatte, wird vorgeworfen, seinen ehemaligen Teamchef um drei Monatsgehälter in Höhe von 151 463,50 Euro betrogen zu haben. Schumacher habe Doping bei der Tour de France 2008 trotz Nachfrage geleugnet und das Geld daher unrechtmäßig erhalten. Im Nachhinein war er wie bei den Olympischen Spielen in Peking positiv auf das Blutdoping-Präparat CERA getestet worden. Bis August 2010 hatte ihn der Internationale Sportgerichtshof CAS gesperrt.
Der schnelle Holczer-Angestellte unterstellt seinem ehemaligen Chef Mitwisserschaft. "Es war offensichtlich, dass ich gelogen hatte. Es war ihm klar, das war mir klar", sagte er über das entscheidende Gespräch während der Frankreich-Rundfahrt.

Namen der laut Schumacher aktiv am Doping beteiligten Teamärzte wollte der nach langem Leugnen geständige Radprofi nicht nennen - trotz Nachfragen des Richters Martin Friedrich und des Staatsanwaltes Peter Holzwarth. Aber der Heidelberger Sportrechtler Michael Lehner, einer der beiden Schumacher-Anwälte, mahnte zur Geduld: "Ich denke, bis zur Urteilsverkündung werden wir Namen wissen". Am Donnerstag wird er sich zunächst Holczer widmen und versuchen, an dessen "Heiligenschein" (Lehner) zu kratzen.
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