21.02.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Sportlicher Leiter Horst Hüttel zieht eine erste Olympia-Bilanz "Eine unglaubliche Genugtuung"

Pyeongchang. Drei Gold-, vier Silber- und eine Bronzemedaille lautet die bisherige Olympia-Ausbeute der Skispringer/-innen und Nordischen Kombinierer. Mitverantwortlich dafür zeichnet Sportlicher Leiter Horst Hüttel aus Wunsiedel. Im Telefon-Interview mit Oberpfalz-Medien lässt der 49-Jährige tief blicken.

Horst Hüttel. Bild: Eger
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Hallo Herr Hüttel, kommen Sie aus dem Feiern eigentlich mal raus?

Horst Hüttel: Es ist in der Tat nicht ganz so einfach, die Gefühle immer richtig zu kanalisieren. Immer wieder steht bereits der nächste Wettbewerb im Fokus. Die Erfolge sind aber eine unglaubliche Genugtuung und eine Freude, von der wir noch lange zehren werden.

Acht Medaillen fallen in ihren Verantwortungsbereich - die Staffel der Kombinierer folgt noch. Haben Sie vor den Spielen bewusst tiefgestapelt oder sind die Athleten über sich hinausgewachsen?

Eindeutig letzteres. Diese Ausbeute war so nicht zu erwarten. Wir haben im Weltcup der Kombinierer etwa keinen unter den Top drei. Aber unmittelbar vor den Spielen sind einige Dinge richtig gut für uns gelaufen. Den letzten Weltcup auszulassen, war goldrichtig.

Eric Frenzel lief im Weltcup bislang der Spitze etwas hinterher. Jetzt holte er Gold und Bronze im Einzel. Wie ist dieser Formanstieg just zum Saison-Höhepunkt erklärbar?

Eric hatte vor allem Probleme im technischen Bereich. Die hat er hier auf der Schanze in den Griff bekommen. Wir haben immer betont, dass das Training vor dem ersten Wettkampf entscheidend sein wird. Da haben wir die Konkurrenz geschockt. Und Eric hat von seiner Erfahrung und Routine profitiert.

War der historische Dreifach-Erfolg von der Großschanze nah am perfekten Wettkampf?

Das war der perfekte Wettkampf. Fairerweise muss man sagen, dass wir beim Springen etwas vom Wind begünstigt wurden, während die mitfavorisierten Norweger Schmid und Graabak Pech hatten. Aber jetzt das Haar in der Suppe zu suchen, wäre der falsche Ansatz. Ich bin sehr stolz, in der Verantwortung zu stehen. Das gibt viel zurück für aufreibende Tage im Vorfeld.

Wie bereiten Sie mit Trainer Hermann Weinbuch das Team auf die Staffel vor? Nach den Erfolgen wäre Silber fast schon eine Niederlage ...

Da haben Sie recht. Wir haben Norwegen auf der Rechnung. Die sind vergleichbar stark. Wir müssen ruhig bleiben und dürfen den Druck nicht zu groß werden lassen.

Andreas Wellinger ist mit drei Medaillen der Überflieger bei den Skispringern. Was zeichnet diese - entschuldigen Sie den Ausdruck - "coole Socke" aus?

Andi war schon die ganze Saison gut, aber diese Leistungsexplosion war nicht absehbar. Wir können das auch nicht immer steuern. Absoluter Fokus, Lockerheit und pure Lebensfreude zeichnen den Jungen aus. Fern der Heimat läuft er meistens zur Höchstform auf. Das Ziel muss es nun sein, diese Leistung auch mal vor heimischer Kulisse etwa bei der Tournee abzurufen.

Apropos Kulisse: Leere Stadien, kaum Zuschauer - vom olympischen Flair kommt in Deutschland wenig an. Wie nehmen Sie die Atmosphäre vor Ort wahr?

Beim Teamspringen hatten wir eine tolle Atmosphäre. Auch wenn die mit europäischen Standards bei Events in Willingen oder bei der Tournee nicht vergleichbar ist. Ansonsten sind die Spiele perfekt organisiert. Insgesamt überwiegen schon die positiven Eindrücke.

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