Technische Probleme zum Auftakt
Video-Assistent sieht nicht alles

Schiedsrichter Sascha Stegemann sitzt in Köln in einem Video-Assist-Center vor Monitoren. Gleich am ersten Spieltag kam es zu technischen Problemen. Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Der Videobeweis funktioniert zum Bundesliga-Auftakt gleich in drei Spielen nicht oder nur eingeschränkt. Die DFL ist verärgert. Krasse Fehlentscheidungen bleiben aber aus.

Frankfurt. Der gefeierten Premiere folgte ein Technik-Blackout: Nach massiven Problemen mit dem Videobeweis zum Bundesliga-Auftakt hat die Deutsche Fußball-Liga den Anbieter Hawkeye heftig kritisiert und die Geschäftsführung zu einem Krisengipfel nach Frankfurt einbestellt. "Für die DFL ist diese Situation nicht hinnehmbar", teilte die Dachorganisation des deutschen Profifußballs verärgert mit. Bei dem Treffen Anfang der Woche "sollen die Hintergründe der technischen Schwierigkeiten schonungslos offengelegt und die Konsequenzen für das weitere Vorgehen besprochen werden".

Keine Hilfslinien

Bei den Partien TSG 1899 Hoffenheim gegen Werder Bremen (1:0) und Hertha BSC gegen VfB Stuttgart (2:0) kam der Video-Assistent erst mit Beginn der zweiten Halbzeit zum Einsatz. Bei der Partie des Hamburger SV gegen den FC Augsburg (1:0) fiel das technische Hilfsmittel ganz aus. "Mit der Technik müssen sie noch ein wenig üben", stellte Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann süffisant fest. Zudem stand bei keinem Spiel die zur Unterstützung bei Abseits-Entscheidungen vorgesehene kalibrierte Hilfslinie zur Verfügung. Der Fehler war auch am Sonntag beim Spiel SC Freiburg gegen Eintracht Frankfurt noch nicht behoben.

Immerhin stand aber die Leitung zwischen Schiedsrichter Manuel Gräfe und dem Video-Assistenten, der den Berliner Referee über Headset vor einer krassen Fehlentscheidung bewahrte. Nachdem Gräfe einen Treffer des Freiburgers Tim Kleindienst zunächst gegeben hatte, nahm er ihn nach Intervention aus Köln wegen einer vorangegangenen Abseitsstellung des Vorbereiters Florian Niederlechner zurück. Auch bei der Premiere am Freitag hatte das Zusammenspiel zwischen Referee und Video-Assistent beim Saisoneröffnungsspiel Bayern München gegen Bayer Leverkusen (3:1) prächtig funktioniert. Schiedsrichter Tobias Stieler verließ die Arena daher kurz vor Mitternacht rundum glücklich. "Wir Schiris sind nicht perfekt, wir machen Fehler. Und wenn sie dann so korrigiert werden - wunderbar", lautete das Fazit des 36 Jahre alten Unparteiischen.

36 Sekunden

Stieler hatte ein Halten des Leverkuseners Charles Aranguiz an Robert Lewandowski im Strafraum nicht eindeutig wahrgenommen. "Vom Gefühl her war da was, war es nicht ganz sauber. Aber ein Elfmeter muss für mich hundertprozentig sein", begründete Stieler den zunächst ausgebliebenen Pfiff. Nach Rücksprache mit Video-Assistent Jochen Drees, der am Bildschirm in Köln die Szene überprüfte, zeigte er dann doch auf den Punkt. "Wir kamen rasend schnell zu der richtigen Erkenntnis, dass es Strafstoß für Bayern geben muss", berichtete Stieler. Laut DFB dauerte der Vorgang vom Foul bis zum Elfmeterpfiff 36 Sekunden.

Doch es lief nicht alles rund. Bei einem rüden Foul von Leverkusens Karim Bellarabi an Joshua Kimmich, das Stieler nicht einmal mit Gelb ahndete, griff der Video-Assistent nicht ein. Dabei hätte es Rot geben müssen. "Bei solch einer klaren Szene muss es ein Einschreiten geben", monierte TV-Experte Thomas Strunz im "Doppelpass" bei Sport1. RB Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick sprach sogar von einer vierfachen Fehlentscheidung. "Neben dem Schiedsrichter und dem Video-Assistenten hätten das auch der Assistent an der Linie und der vierte Offizielle erkennen können." Stieler war dennoch begeistert. "Es ist eine super Sache für den Fußball und uns Schiedsrichter", sagte er. Nur muss sie auch funktionieren.
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