Tennis
Boris braucht einen neuen Job

Da stimmte noch die Chemie auf dem Trainingsplatz: Novak Djokovic (links) und Boris Becker gehen jetzt aber nicht mehr gemeinsam auf Tour. Bild: dpa

Nach drei Jahren machen Ausnahmekönner Novak Djokovic und sein deutscher Trainer Boris Becker Schluss. Als ein Gewinner geht der frühere Wimbledonsieger Becker hervor. Mit seinen Erfolgen an der Seite des Serben hat er sich interessant gemacht für neue Aufgaben.

Frankfurt. Am Ende ihrer "unglaublichen Reise" konnte sich Boris Becker Kritik an seinem langjährigen Schützling Novak Djokovic nicht verkneifen. Nach zweieinhalb Jahren fruchtbarster Zusammenarbeit samt großen Titeln und Triumphen sei für den Serben dann doch der Moment gekommen, die Prioritäten etwas anders zu setzen. "Er hat in den vergangenen sechs Monaten nicht so viel Zeit auf dem Trainingsplatz verbracht, wie er das hätte tun sollen, und das weiß er", sagte Becker dem TV-Sender Sky Sports.

Nachdem Djokovic die Trennung am Dienstagabend publik gemacht hatte, postete die deutsche Tennis-Legende auf Twitter ein Foto von einer Siegesfeier in Paris im Sommer diesen Jahres. Es war ein Moment, der die Zusammenarbeit der beiden nachhaltig beeinträchtigen sollte. "Die letzten sechs Monate waren sehr herausfordernd. Das lag auch daran, dass er sich seinen lebenslangen Traum erfüllt hat mit seinem Titel bei den French Open", erklärte Becker am Mittwoch.

In der Folge wollte der 29 Jahre alte Serbe mehr Zeit mit seiner Frau Jelena und seiner Familie verbringen. "Das war es, was er als Mann tun musste. Aber das macht es nicht einfacher für die Trainer", sagte Becker. Sportlich ging es in der Folge nämlich bergab - Djokovic gewann kein weiteres Grand-Slam-Turnier mehr, scheiterte auch bei Olympia in Rio frühzeitig und verlor die Nummer eins an seinen Rivalen Andy Murray.

Zunächst nur belächelt

Vor knapp drei Jahren war das Duo zum Start der Zusammenarbeit noch belächelt worden, doch die Ausbeute mit sechs Grand-Slam-Titeln und der Rückeroberung des Tennisthrons übertraf alle Erwartungen. "2013 hätte ich diese Bilanz definitiv unterschrieben", teilte Becker mit. Der Job der beiden sei nun "erledigt".

Der Leimener hat damit als Spieler wie als Trainer sechs Major-Siege vorzuweisen. Die Entscheidung, in Zukunft getrennte Wege zu gehen, sei "nicht über Nacht gefallen", berichtete Becker. Es sei zudem ein gemeinsamer Entschluss gewesen. Doch vor allem die Zusammenarbeit Djokovics mit dem spanischen Mental-Trainer Pepe Imaz hatte zuletzt für Verstimmungen gesorgt. Becker wollte in dieser Konstellation wohl nicht weitermachen. Auch Marian Vajda, seit mehr als zehn Jahren Trainer von Djokovic, soll Imaz und dessen Methoden äußerst kritisch gegenüberstehen.

Becker selbst geht definitiv gestärkt aus der sportlichen Liaison mit dem serbischen Ausnahmekönner hervor. Durch seriöse Arbeit, Konstanz und stetigen Erfolg hat sich der ehemalige Wimbledon-Sieger einen Namen gemacht und sich in der Tennis-Branche für weitere Jobs empfohlen.
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