16.07.2017 - 21:55 Uhr
Sport

Tennis Federer und sein achter Streich

Erst zwei Stunden nach seinem Finale für die Geschichtsbücher tritt Roger Federer vor die Presse. Im weißen T-Shirt mit dem simplen Aufdruck: Roger. Und das g war zur 8 stilisiert. Gemeint war sein achter Wimbledon-Triumph.

Wimbledon feiert seinen Champion: Der 35-jährige Roger Federer gewann zum achten Mal auf dem Heiligen Rasen und krönte sich zum Rekordsieger des vielleicht wichtigsten Tennisturniers der Welt. Bild: Alastair Grant/dpa
von Agentur DPAProfil

London. Mit der goldenen Trophäe des Wimbledon-Champions in der Hand holte sich Roger Federer drei Küsschen von Herzogin Kate ab. "Sehr, sehr gut gespielt", sagte die Frau von Prinz William, als sie dem Schweizer Ausnahmesportler zu seinem achten Triumph auf dem Heiligen Rasen und seinem Rekord für die Tennis-Geschichtsbücher gratulierte. 14 Jahre nach seiner Titelpremiere krönte sich Federer am Sonntag mit einem 6:3, 6:1, 6:4 gegen den von Blasen am Fuß gehandicapten Marin Cilic erneut zum Wimbledon-Triumphator.

"Ich bin unglaublich überrascht, wie dieses Jahr bislang gelaufen ist", sagte der 35-Jährige. In der Pressekonferenz analysierte er gefasst und nüchtern seinen historischen Sieg. Auf dem Centre Court waren ihm zuvor beim Anblick seiner vier Kinder auf der Tribüne die Tränen in die Augen geschossen. Mit dem Handtuch tupfte er sich über das Gesicht, von der Spielerbox schauten die bald achtjährigen Zwillingsmädchen Myla und Charlene und die Jungs Leo und Lenny zu.

"Sie haben keine Ahnung, was hier vor sich geht. Sie denken wahrscheinlich, das ist aber eine schöne Aussicht und ein schöner Spielplatz", sagte der 35 Jahre alte Schweizer über die Dreijährigen. Hatte Federer den Matchball nach nur 101 Minuten noch erstaunlich verhalten gefeiert und nur kurz die Arme in den Himmel gereckt, so fiel später die ganze Anspannung ab. "Dieses Turnier so gespielt zu haben, ohne Satzverlust, ist magisch, es ist wirklich zu viel."

Mit Titel Nummer acht überflügelte er William Renshaw und Pete Sampras, sicherte sich den 19. Titel bei einem Grand Slam und ist jetzt der älteste Wimbledon-Gewinner in der Historie des Profitennis. "Es gibt wenige Spieler, die auf diesem Platz so dominant auftreten wie Roger es tut. Und ich bin mir sicher, dass er hier noch öfter gewinnen kann", sagte der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker in der BBC.

Williams chancenlos

Als zweite spanische Titelträgerin nach Conchita Martínez 1994 hat sich Garbiñe Muguruza in der Turnierhistorie der All England Championships verewigt. Als erste Spielerin überhaupt hat die 23-Jährige beide Williams-Schwestern in einem Grand-Slam-Finale besiegt. Ein Jahr nach ihrem French-Open-Triumph über Serena Williams ließ Muguruza beim 7:5, 6:0 am Ende Venus Williams keine Chance. "Von welchem Planeten bist du denn gekommen?", fragte das Sportblatt "Marca" und titelte: "Gott schütze Garbiñe".

"Das ist ein besonderer Tag für mich. Ich muss mir bewusst machen, was ich erreicht habe und es erst einmal genießen", sagte Muguruza, die nach den 77 Finalminuten auf dem Platz noch mit den Tränen kämpfte, später aber ihr Erfolgsgeheimnis verriet: "Ich war schon als kleines Kind ein Teufel. Ich konnte mit meinen Geschwistern nicht Murmeln spielen. Stattdessen fing ich mit drei Jahren an, mit ihnen Tennis zu spielen. Das erklärt die Wut, die ich in einem Wettbewerb verspüre." Mit ihren 23 Jahren gehört die 1,82 Meter große Muguruza zu den Verheißungen für die Zukunft des Damen-Tennis.

Dieses Turnier so gespielt zu haben, ohne Satzverlust, ist magisch, es ist wirklich zu viel.Roger Federer
Ich war schon als kleines Kind ein Teufel.Garbiñe Muguruza
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