26.08.2014 - 00:00 Uhr
Sport

Trainer überrascht mit Nominierung von Gianluca Gaudino - "Er spielt unheimlich gut Fußball" Guardiolas neues Juwel

Nicht schlecht: Bereits bei seinem ersten Bundesligaspiel hatte Gianluca Gaudino einen Sonderbewacher, der ihm nicht von der Seite wich. Der Schatten Gaudinos trug am Freitagabend allerdings kein Trikot der Wolfsburger, sondern einen Dienstanzug des FC Bayern. Ein Mitarbeiter der Pressestelle schleuste den jungen Münchner Spieler nach der Partie an den Journalisten vorbei.

Keine Angst vor großen Namen: Gianluca Gaudino (rechts) spielt den Ball am französischen Nationalspieler Josuha Guilavogui vom VfL Wolfsburg vorbei. Gaudino hat in Pep Guardiola einen besonderen Förderer. Bild: dpa
von Josef Maier Kontakt Profil

Fußball spielen durfte der junge Mittelfeldakteur, der mit 17 Jahren, 9 Monaten und 11 Tagen sein Bundesligadebüt für die Bayern feierte - reden nicht. Das übernahmen andere. "Es ist nicht einfach, mit 17 Jahren in der Allianz-Arena zu spielen. Gegen Wolfsburg. Gegen Luiz Gustavo. Er hat ein paar sehr, sehr gute Pässe gespielt." Bayern-Trainer Pep Guardiola durfte nach dem 2:1 (1:0) gegen Wolfsburg zum Bundesligaauftakt nicht nur seine jüngste Entdeckung loben, sondern auch sich selbst. Der Coach hatte das Experiment mit dem Nachwuchsmann gewagt und alle überrascht. Der Schweizer WM-Star Xherdan Shaqiri saß draußen, Gaudino aus der A-Jugend - dort dürfte er noch spielen - lief vor 71 000 Zuschauern von Beginn an auf. "Er wird nicht immer spielen", merkte Guardiola noch an.

Scholl-Junior auf der Bank

Aber dieser Freitag war ein Fingerzeig: Guardiola hat mit Gaudino Großes vor. Vor gut zehn Jahren waren es Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm, die nach der harten Hermann-Gerland-Schule im Jugendbereich zu den Profis stießen. Später kamen Holger Badstuber, David Alaba und Thomas Müller nach. Doch seit einigen Jahren fehlt der hauseigene Nachwuchs. Gaudino, Sohn des Ex-Stuttgarters und fünfmaligen Nationalspielers Maurizio, begann beim FCB mit 7 Jahren mit dem Fußball. Er soll wieder einer mit eigenem Stallgeruch werden. Wie auch Lucas Scholl (18), Mehmets Sohn, der gegen Wolfsburg auf der Bank saß. Die Vorstandsbosse hoffen, dass sich die Investitionen in die Jugendarbeit auch mal wieder rentieren.

Gaudino kam auch das WM-Jahr zugute. Guardiola hatte wegen der Brasilien-Fahrer zu wenige Akteure auf dem Trainingsplatz und schaute sich bei der Jugend um. Einige wurden hochgezogen, Gaudino imponierte. "Man merkt, dass er von Anfang an im Training war", gab es auch lobende Worte von Philipp Lahm. Der Kapitän hat beim Neuen zudem "gute technische Fähigkeiten" ausgemacht: "Er ist ein sehr guter Spieler."

Freilich wird bei so außergewöhnlichen Dingen, wie dem überraschenden Debüt des Jungspunds am Freitagabend, alles auch immer etwas übertrieben. Gaudino lieferte eine gute Vorstellung ab. Er hatte in kritischen Situationen aber auch Weltmeister wie Müller, Götze oder Lahm an seiner Seite, die ihm halfen. Zudem muss das Fliegengewicht noch an seinem Körper arbeiten. In Zweikämpfen war der schmale Gaudino oft zweiter Sieger. Der Techniker hatte aber auch zwei, drei ganz starke Zuspiele in die Spitze und leistete ein enormes Laufpensum. Das hatte auch Sportvorstand Matthias Sammer registriert: "Seine Entwicklung ist phänomenal. Er spielt unheimlich gut Fußball." Für Thomas Müller ist das alles, was mit dem Jungen in den letzten Wochen passiert ist, aber keine Zauberei: "Wenn er die Qualität nicht hätte, wäre er nicht dabei."

Der letzte Schliff

Gaudino ist Guardiolas neues Juwel. Der spanische Trainer kann da wieder einmal zeigen, dass er nicht nur mit millionenschwer transferierten Spielern arbeiten kann. Er hat das schon einmal geschafft. Lionel Messi verpasste er in Barcelona den letzten Schliff zum Weltstar. Bis dahin ist es für den Bayern-Debütanten noch utopisch weit. Guardiola ist sich aber sicher, dass Gaudino das Zeug hat: "Er ist sehr, sehr stabil in seinem Kopf." Bei den Bayern hoffen sie alle, dass der junge Mann bald so gut wird, dass er auch auf dem Platz einen Sonderbewacher hat.

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