27.02.2018 - 22:32 Uhr
Deutschland & Welt

Triste Stimmung bei Eiseskälte Massiver Fan-Boykott in Dortmund

Dortmund. Der Blick auf die leeren Ränge stimmte Hans-Joachim Watzke nachdenklich. "Diese große Ablehnung habe ich in der Form nicht erwartet, da muss man ehrlich sein", kommentierte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund den massiven Fan-Boykott. Nur 54 300 Zuschauer sahen das triste 1:1 (1:0) gegen den FC Augsburg - 28 000 weniger als gewohnt. Deutlicher hätte der Protest gegen die Einführung der Montagsspiele kaum ausfallen können. "Der Montag ist jetzt das Vehikel, den generellen Unmut kundzutun", mutmaßte Watzke beim TV-Sender Eurosport nach dem schlechtesten Besuch im Dortmunder Fußball-Tempel seit über 20 Jahren.

Die Enttäuschung ist BVB-Trainer Peter Stöger anzusehen: Borussia Dortmund kam gegen den FC Augsburg nach einem schwachen Auftritt nur zu einem 1:1. Bild: Ina Fassbender/dpa
von Agentur DPAProfil

Klares Votum der Anhänger

Es wird immer deutlicher, dass sich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) mit der Ansetzung von insgesamt fünf Montagsspielen pro Bundesliga-Saison einen Bärendienst erwiesen hat. Sie verstärkt die Kritik an der zunehmenden Kommerzialisierung des Fußballs. Wie schon eine Woche zuvor bei der Premiere in Frankfurt, wo mit Spruchbändern, Trillerpfeifen und Tennisbällen protestiert wurde, fiel das Votum der Anhänger auch in Dortmund deutlich aus - wenn auch auf andere Weise.

Watzke kündigte Konsequenzen an: "Borussia Dortmund wird das Thema vor der nächsten Rechteperiode auf die Agenda hieven und sich deutlich gegen eine weitere Zersplitterung der Spieltage positionieren." Ändern wird das zunächst wohl wenig. Schließlich sind die Montagsspiele vertraglich bis 2021 festgeschrieben. Zwar hatte DFB-Präsident Reinhard Grindel in der "Bild am Sonntag" eine vermittelnde Lösung mit zwei Spielen sonntags um 18 Uhr angeregt, ein schnelles Ende der derzeitigen Terminierung jedoch für unrealistisch erklärt: "Laufende TV-Verträge in diese Richtung anzupassen, ist aber rechtlich schwierig."

Die triste Stimmung auf den Rängen übertrug sich auf den Rasen. Der über weite Strecken unansehnliche Auftritt seines Teams bei Eiseskälte verdarb Peter Stöger die Laune, obwohl der BVB auch im neunten Bundesligaspiel unter seiner Regie unbesiegt blieb. Der Österreicher verspürte wenig Lust, den Rückschlag schönzureden: "Es wäre eine billige Ausrede zu sagen, es hat nicht funktioniert, weil das Stadion nicht voll war und man nur vor 81 000 Zuschauern gut Fußball spielen kann. Es hat an uns gelegen, die Stimmung im Stadion besser zu gestalten."

Bereits nach dem 1:1 bei Atalanta Bergamo in der Europa-League hatte der Fußball-Lehrer trotz des Achtelfinal-Einzugs seiner Mannschaft mehr Gegenwehr und Mut gefordert - ohne Wirkung. Selbst der passable Start in die Partie mit der frühen Führung durch Marco Reus (16. Minute) gab keinen Schub. In der zweiten Halbzeit übernahmen die Augsburger die Regie und kamen durch Kevin Danso (73.) zum verdienten Ausgleich. Erstmals seit seinem Amtsantritt beim BVB im Dezember wirkte Stöger ratlos: "Du stehst draußen und leidest, weil es nicht das ist, was du dir an Temperament und Willen wünschst. Für die Situation, die wir haben, ist das schon enttäuschend."

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