23.06.2004 - 00:00 Uhr
Sport

Tschechiens Superstar Pavel Nedved lernte nahe der Oberpfälzer Grenze das Fußballspielen So faul und doch so fleißig

Der soll träge und faul sein? Der? "Das stimmt", sagt Tomas Pecek und muss selbst lachen. "Er ist zu Hause zu nichts zu gebrauchen." Der Mann, der wie ein Irrwisch über den Platz fegt, als hätte man ihm eine Duracell-Batterie eingebaut - und zwar die stärkste von allen? Der? Seine Frau sagt sogar, dass er am liebsten im Bett essen würde, so faul sei er.

von Josef Maier Kontakt Profil

"Stimmt, ich bin zu nichts zu gebrauchen", sagt der Gescholtene selbst. "Außer mit den Kindern zu spielen, mache ich nichts daheim." Seine beiden Kleinen Ivana und Pavel und seine Frau liebt er über alles, ansonsten gibt es nur noch eins für ihn - Fußball. In diesem Fach ist er allerdings einer der Fleißigsten auf dem Globus. Im vergangenen Jahr wurde Tschechiens Mannschaftskapitän Pavel Nedved, der heute im EM-Spiel gegen Deutschland geschont wird, zu "Europas Fußballer des Jahres" gewählt. Vor Zidane, vor Henry, vor Beckham.

Das Fußballspielen lernte der Blondschopf nur unweit der ostbayerisch-böhmischen Grenze. In Skalna, etwa 20 Kilometer von seinem Geburtsort Eger (Cheb) entfernt. Franzensbad liegt um die Ecke. Skalnas Ortsväter halten viele Kontakte ins Oberpfälzer Grenzland. Mit Neusorg (Kreis Tirschenreuth) besteht beispielsweise eine Partnerschaft.

"Er war schon immer schnell, clever und bissig", erzählt Nedveds bester Freund Tomas Pecek, der in den 90er Jahren lange beim SV Neusorg in der Landesliga spielte. "Medved", was auf Deutsch Bär heißt, nannten sie Klein Nedved auch. Er kämpfte damals schon tapfer. "Er konnte auch nie verlieren", sagt Tomas. Heute ist Pavel auch nur 1,77 Meter groß, aber er besitzt diesen absoluten Durchsetzungswillen, diesen Zug zum Tor. "Er hat auch früher immer die meisten Tore geschossen."

"Ganz normaler Schüler"

Nach der Schule hatten Tomas und Pavel ("Ein ganz normaler Schüler") nur Fußball im Kopf. Der Asphaltplatz für die Handballer im 1800 Einwohner zählenden Örtchen Skalna, das auf Deutsch Wildstein heißt, sah die ersten genialen Pässe des späteren Stars. Hart habe Pavel trainiert, sagt Tomas heute noch bewundernd. "Bald stand er in der Bezirksauswahl." Der erste kleine Schritt auf der Karriereleiter. Pilsen holte ihn in die Jugend. Dukla Prag folgte, mit 19 Jahren wechselte er zu Sparta Prag und wurde drei Mal Meister. Der goldene Westen lockte.

Erst ging er zu Lazio Rom, heute spielt er bei Juventus Turin und ist mit Francesco Totti (AS Rom) der bestbezahlte Fußballer in Italien. Geschätzte acht Millionen Euro soll der 31-Jährige kassieren. Für viele ein Grund abzuheben, ihre Wurzeln zu vergessen. "Der Pavel ist immer noch der Gleiche", sagt Tomas, der genau eine Woche älter ist als sein Kumpel. Fast alle im Ort würden ihn persönlich kennen. Und er kennt sie.

Kein Neid in Skalna

Früher kam Pavel öfter heim. Heute schafft er es ein, zwei Mal im Jahr. "Dann schaut er auch mal am Fußballplatz vorbei." Kurz vor der EM war er einen Tag in Skalna. Demnächst soll ihm dort auch die Ehrenbürgerwürde verliehen werden. In Franzensbad besitzt er ein Wochenendhäuschen. Seinen Eltern und seiner Schwester hat er im Ort zwei schöne Häuser hingestellt. Die triste Plattenbauwohnung, in der er seine ersten Schritte machte, ist nur 200 Meter entfernt. Doch neidisch ist den Nedveds keiner. Tomas Pecek spricht für alle: "Den Ort kennt in Tschechien jeder. Er hat für Skalna so viel getan wie kein anderer vor ihm."

Auch im Unternehmen "Nedved" gibt es noch viel zu tun. Tomas Pecek ist seit dem Wechsel von Lazio Rom zu Juventus persönlicher Berater des Stars, pendelt zwischen Turin, Prag und Skalna. Sein Job: Er kümmert sich um private Erledigungen, hilft ihm bei Verhandlungen mit Sponsoren im deutschsprachigen Raum.

Tomas hält derzeit laufend Kontakt zu Pavel in Portugal. Ansonsten lässt der schüchterne Star kaum jemanden an sich ran. Der EM und dem Traum vom Titel ordnet er alles unter. Danach geht der Blick wieder gen Turin. Zwei Jahre hat er dort noch Vertrag. Die Italiener wollen verlängern. Nedved lässt alles auf sich zukommen. "Der Druck in Turin ist doch unheimlich groß", weiß Pecek. Er wisse nicht wie lange sich Pavel das noch antun werde.

Mit "Club" nur Spaß

Kürzlich sagte der, dass er vielleicht später, wenn er wieder nach Tschechien heimkehre, wegen der Grenznähe noch ein bisschen beim 1. FC Nürnberg oder Jahn Regensburg spielen könnte. "Über die beiden Vereine sprechen wir immer wieder", sagt Tomas. Nedved am Valznerweiher oder an der Donau? "Nein, wahrscheinlich dann doch nicht", erteilt Tomas möglichen Gelüsten der Klubs eine Absage. "Das war eher Spaß. Nach der Karriere geht Pavel wohl zurück nach Prag."

Heute Abend wird Nedved gegen die Deutschen geschont. Für den Duracell-Mann aus Skalna muss die Sitzerei eine richtige Qual sein.

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