Von Frenzel bis Dahlmeier
Die Gesichter und Noten des Winters

Rodler Felix Loch.
 
Skispringer Andreas Wellinger.

Die Olympia-Stars von Pyeongchang bestimmten die Szenerie im Sport-Winter. Die Eishockey-Cracks, die Paarläufer Savchenko/Massot, die Kombinierer um Eric Frenzel oder die Bob- und Rodelsportler blicken auf eine starke Saison zurück. Aber es gibt auch Schwächen.

Sehr gut

BOB: In Sotschi 2014 nach 50 Jahren erstmals leer ausgegangen, nun mit drei Olympiasiegen die Optimal-Ausbeute erreicht. Trotz des Material-Hickhacks während der Saison liefen die Schlitten beider Hersteller prima. So holte Francesco Friedrich mit Thorsten Margis im FES-Zweierbob zeitgleich mit den Kanadiern Justin Kripps/Alexander Kopacz Gold, und im Wallner-Vierer sorgte er für das Double. Pilotin Mariama Jamanka und Anschieberin Lisa-Marie Buckwitz überraschten mit Gold

EISHOCKEY: Mit Olympia-Silber hat das Nationalteam alle Erwartungen übertroffen und unter Bundestrainer Marco Sturm den größten Erfolg der deutschen Eishockey-Geschichte gefeiert. Sturm formte ein wahres Team, dem in Abwesenheit der NHL-Spieler in Südkorea überraschende Siege gegen Schweden und Kanada gelangen.

NORDISCHE KOMBINATION: Fünf von sieben möglichen Olympia-Medaillen, darunter alle drei Olympiasiege: Die Kombinierer haben wieder geliefert. Eric Frenzel, Johannes Rydzek, Fabian Rießle und Vinzenz Geiger waren topfit, als es darauf ankam. Im Weltcup dagegen hatten sie besonders im ersten Saisondrittel große Probleme. Zwar gab es acht Weltcup-Siege, doch die Großen Kristallkugeln konnten nicht verteidigt werden.

RODELN: Nach dem Patzer von Felix Loch verbuchten die Rodler drei von vier Olympiasiegen - insgesamt sechs Medaillen. "Sechs ist schon sensationell", meinte Cheftrainer Norbert Loch. Natalie Geisenberger, Johannes Ludwig und Tobias Wendl/Tobias Arlt rasten zum Teamgold. Zuvor hatten Geisenberger und Wendl/Arlt ihre Erfolge von Sotschi 2014 wiederholt.

SNOWBOARD: Mit 6 Siegen und insgesamt 15 Podestplätzen gelang den deutschen Snowboardern der beste Winter seit 2001. Gekrönt wurde die herausragende Saison mit den olympischen Medaillen von Selina Jörg und Ramona Hofmeister im Parallel-Riesenslalom. Zum Saisonfinale rasten die Snowboardcrosser Paul Berg und Konstantin Schad im Team-Event zum ersten deutschen Sieg in der Disziplin überhaupt.

Gut

BIATHLON: Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier war in Pyeongchang bei den Damen die deutsche Alleinunterhalterin. Bei den Männern trumpften in Südkorea nicht nur Arnd Peiffer mit Gold, Simon Schempp mit Silber und Benedikt Doll mit Bronze auf. Dank Staffel-Bronze demonstrierte das Team seine Qualitäten und im Gegensatz zum Damen-Team auch Einigkeit.

SKISPRINGEN: Andreas Wellinger und die DSV-Adler haben das Soll übererfüllt. Wellinger flog von der Normalschanze zu Olympia-Gold und legte wenige Tage Silber auf der Großschanze nach. Auch im Team gelang Silber. Freitag hatte bis zu seinem Sturz in Innsbruck die Saison dominiert und danach auch noch Bronze bei der Flug-WM in Oberstdorf geholt. Auch die Frauen zeigten im Olympia-Winter gute Leistungen.

EISKUNSTLAUF: Die Siege von Aljona Savchenko und Bruno Massot im Grand-Prix-Finale, bei Olympia und der WM in Mailand überstrahlen alles. Die Wahl-Oberstdorfer beeindruckten Experten und weckten neues Interesse an der Sportart. Mit ihrem Eifer und ihrer Perfektion steckte das Traumpaar aber auch die Sportler der zweiten Reihe an. Nach nur einem Jahr sind Annika Hocke und Ruben Blommaert (WM-13.) auf dem Weg nach oben.

Befriedigend

SKI ALPIN: Die Alpinen können zufrieden sein. Obwohl Felix Neureuther und Stefan Luitz als Erfolgsgaranten den Großteil des Winters verpassten, verbuchte das Team mit 7 Siegen und 19 Podiumsplätzen die beste Bilanz im Weltcup seit dem Karriereende von Maria Höfl-Riesch 2014. Das lag vor allem an Viktoria Rebensburg, die die Riesenslalom-Wertung gewann. Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen raste in die Weltspitze. Wermutstropfen waren die medaillenlosen Winterspiele.

SKELETON: Skeleton-Weltmeisterin und Weltcup-Gesamtsiegerin Jacqueline Lölling galt als Olympia-Topfavoritin. Doch die Britin Lizzy Yarnold war wie schon in Sotschi topfit und holte erneut den Olympiasieg. Bei den Männern lief es eher durchwachsen. Der hoch gehandelte WM-Zweite Axel Jungk kam nur auf Rang sieben.

Mangelhaft

SKILANGLAUF: Keine Olympia-Medaille, kein Podestplatz im Weltcup: Normalerweise müsste man über den Langläufern den Stab brechen. Wären da nicht einige Lichtblicke. Die Damen schafften 13 Mal Plätze in den Top Ten, die Herren vier. Nachdem in den letzten Jahren kein DSV-Läufer unter die besten 50 des Gesamtweltcups kam, schaffte das diesmal Thomas Bing als 38.

EISSCHNELLLAUF: Dass sich die traurige Nullnummer von Sotschi bei Olympia in Pyeongchang noch einmal wiederholte, hat zu personellen Konsequenzen geführt. Sportdirektor Robert Bartko war im Präsidium mit seinen Konzepten in die Kritik geraten und erklärte seinen Rücktritt - ebenso wie Cheftrainer Jan van Veen. Auch Claudia Pechstein enttäuschte.

SKI FREESTYLE: Ähnlich wie bei den Alpinen fiel auch bei den Freestylern die größte Medaillenhoffnung aus, als sich Skicrosserin Heidi Zacher das Kreuzband riss. Sie erkämpfte fünf der nur sieben Podestplätze im Weltcup. Bei Olympia gab es dann nichts zu holen.

Ungenügend

SHORTTRACK: In einer schwierigen Situation ohne Bundestrainer konnten sich die beiden Olympia-Teilnehmerinnen in der Stunde der Bewährung nicht steigern und schieden in allen Rennen vorzeitig aus. Die deutschen Männer und die Frauenstaffel hatten Olympia verpasst.

CURLING: Beide Teams verpassten Olympia. Auch bei der WM gelang dem Damen-Team als Vorletzter keine Steigerung. Bilder: dpa
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