12.02.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Wetterkapriolen bei den Spielen Absagen und Sturzfestival

Der eiskalte Wind wirbelt das Olympia-Programm durcheinander. Die Alpinen warten weiter auf ihr erstes Rennen, der Slopestyle-Wettkampf wird zur Lotterie - und "verängstigt" die Snowboarderinnen. Die Organisatoren zeigen sich gelassen angesichts der Wetterkapriolen.

von Agentur DPAProfil

Pyeongchang. Die nächste Absage für die Alpinen, ein Sturzfestival bei den Snowboard-Artisten - der heftige Eis-Wind von Pyeongchang wirbelt das Olympia-Programm kräftig durcheinander. Dass die Organisatoren den Slopestylewettbewerb trotz widrigster Bedingungen durchzogen, sorgte für heftige Kritik und sogar "Angst" bei den Athletinnen.

"Es war unverantwortlich", schimpfte Silvia Mittermüller, die nach einem Riss des Innenmeniskus noch vom Krankenbett ihr Winterspiele-Aus verkündete. "Ich bin nach Südkorea gekommen, um Olympia mit allen Sinnen aufzusaugen und alles zu geben. Das habe ich trotz der herausfordernden und gefährlichen Bedingungen heute probiert und dafür bezahlt."

Mittermüller stürzte bereits im Probelauf, auch bei der Medaillenvergabe hatten die Snowboarderinnen am Montagmorgen bei ihren hohen Sprüngen mit dem wechselnden und böigen Wind zu kämpfen. Zuvor war schon der alpine Damen-Riesenslalom ebenso wie die Herren-Abfahrt auf Donnerstag verschoben worden.

"Das war auch richtig, dass wir nicht fahren", sagte Gold-Kandidatin Viktoria Rebensburg der Deutschen Presse-Agentur. "Es sind Olympische Spiele, da ist es wichtig, dass die Verhältnisse fair sind und kein Gambling."

Für die Alpinen sind zeitliche Verschiebungen ebenso wie mehrere Rennen an einem Olympiatag keineswegs ungewöhnlich. Auch deshalb äußerte sich IOC-Präsident Thomas Bach im dpa-Interview trotz der Eiseskälte und der windbedingten Probleme unbesorgt: "Das ist Sport in freier Luft, sagen uns die Wintersportverbände jeden Tag, wenn wir fragen, was machen wir denn jetzt. Die sind sehr entspannt, deswegen sind wir auch entspannt."

Laut Wettervorhersage wird der starke Wind bis Mittwoch anhalten. Für die Kombination der Herren am Dienstag waren das keine guten Vorzeichen - beim dritten geplanten olympischen Alpin-Rennen drohte die dritte Verschiebung. Doch IOC-Sprecher Mark Adams äußerte sich keineswegs nervös angesichts der ersten Neu-Terminierungen. "Es ist noch genügend Zeit", sagte er. "Alle Wettbewerbe lassen sich abwickeln."

Im Phoenix Park, wo die Snowboarder und Freestyler antreten, gab es bislang noch keine Ausfälle - das Niveau im Slopestyle war jedoch äußerst mäßig. Von den insgesamt 50 Läufen endeten 41 mit einem Sturz oder mit Boarderinnen, die ihre Tricks nicht zuende bringen konnten. Selbst die amerikanische Siegerin Jamie Anderson war "nicht besonders stolz" auf ihre Darbietung.

"Ich habe da oben gesessen und zwei Stunden gezittert, weil ich Angst hatte zu fahren", sagte die viertplatzierte Norwegerin Silje Norendal. "Ich kann mich gar nicht mehr genau daran erinnern, was während des Laufs passiert ist, ich war verängstigt." Die Britin Aimee Fuller stürzte im zweiten Lauf heftig und klagte danach: "Ich glaube nicht, dass es ein echtes Spiegelbild von Frauen-Slopestyle war, was eine Schande für unseren Sport ist."

Der bis zu 70 Stundenkilometer starke Wind bringt dabei noch weitere Probleme mit sich. Die gefühlte Temperatur sinkt auf zweistellige Minusgrade, was auch den Zuschauern auf den häufig halbleeren Tribünen Schmerzen verursacht. Auch beim eigentlich attraktiven Buckelpisten-Finale am Montagabend blieben zahlreiche Plätze frei.

Beim Skispringen wird versucht, mit riesigen Netzen die starken Böen zu bändigen. "Die Lautstärke des Winds war oben beim Sprung unglaublich. Ich habe so etwas noch nie erlebt im Weltcup", sagte der Japaner Noriaki Kasai - im Alter von immerhin 45 Jahren mit einiger Erfahrung ausgestattet.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.