Zweierbob
Thriller in der Bob-Bahn

Francesco Friedrich (vorne) und Anschieber Thorsten Margis fahren jubelnd ins Ziel. Das deutsche Zweierbob-Duo wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es im spannendsten Bob-Finale der olympischen Geschichte zusammen mit den Kanadiern Kripps/Kopacz zeitgleich Gold gewinnen wird. Bild: Michael Kappeler/dpa

Pyeongchang. Nach einem Thriller um Gold in der olympischen Bob-Bahn von Pyeongchang umarmten sich die beiden Hauptdarsteller Francesco Friedrich und Justin Kripps innig. Im spannendsten Finale in der olympischen Bob-Geschichte durften sich die beiden Rivalen mit ihren Anschiebern Thorsten Margis und Alexander Kopacz am Montag gemeinsam als Olympiasieger feiern lassen. Der Sachse und der Kanadier hatten nach vier Durchgängen im Olympic Sliding Centre die exakt gleiche Zeit stehen.

"Die Kanadier dachten, wir hätten nicht alle Latten am Zaun. Warum wir uns über Silber so freuen und ihnen zu Gold gratuliert haben. Erst im dritten Anlauf haben wir ihnen klar gemacht, dass wir zusammen gewonnen haben", sagte Friedrich zum Jubel nach der Entscheidung.

"Das war ein Sensationsfinale, es war fantastisch für den Bobsport", sagte er und dachte auch an Kripps. "Er hat es absolut verdient." Margis machte sich schon Gedanken für die Medaillenzeremonie am Dienstag: "Ich hoffe, sie haben vier goldene." Es war der achte Olympiasieg eines deutschen Bobpiloten. Zwei Bobs zeitgleich hatte es bereits bei den Winterspielen 1998 in Nagano gegeben. Damals holten der Italiener Günther Huber und der Kanadier Pierre Lueders Gold.

Mit Friedrichs Erfolg haben die deutschen Bobfahrer ihr Olympia-Trauma von Sotschi vor vier Jahren gleich im ersten Rennen überwunden. In Russland waren sie erstmals in 50 Jahren ohne Medaille geblieben. Hinter Bronze-Gewinner Oskars Melbardis aus Lettland wurden Friedrichs Trainingspartner Nico Walther mit Christian Poser und der Berchtesgadener Johannes Lochner mit Christopher Weber Vierter und Fünfter. Walther hatte nach dem ersten Tag noch geführt. Er und Lochner können sich trösten, dass sie im Viererbob wie Friedrich noch beste Chancen auf Medaillen haben. "Ich sehe die drei auf Augenhöhe", meinte Bundestrainer René Spies.

Der 27-jährige Friedrich ist der einzige deutsche Fahrer, der das Debakel in Sotschi als Aktiver miterlebt hatte. Auch für ihn war es damals eine persönliche Schmach, die er nun getilgt hat. Das "Jahrhunderttalent", wie sein Heimtrainer Gerd Leopold den Oberbärenburger nennt, galt als Topfavorit für Pyeongchang. Am ersten Tag hatte sein Schützling nur am Start seine Klasse gezeigt und schaffte den Startrekord von 4,58 Sekunden. Doch machte er einige Fehler in der Bahn und war zur Halbzeit Fünfter. Im dritten Lauf raste er zum Bahnrekord in 48,98 Sekunden. Im Final-Durchgang zog er dann mit dem führenden Kripps gleich.

Die Kanadier dachten, wir hätten nicht alle Latten am Zaun.Francesco Friedrich über den ausgelassenen deutschen Jubel
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