25.02.2018 - 08:05 Uhr
Deutschland & Welt

Medaillen für Bobfahrer und Eishockey-Team 3:4 Nach Verlängerung: Deutsches Eishockey-Team gewinnt Silber

Die deutschen Eishockey-Cracks haben ein denkwürdiges Olympia-Finale knapp verloren. Die Mannschaft von Bundestrainer Marco Sturm musste sich den Olympischen Athleten aus Russland 3:4 geschlagen geben und reist mit der Silbermedaille aus Pyeongchang ab. Medaillen gab es zudem für die Bobfahrer.

Ilja Kablukow (29) vom Team Olympische Athleten aus Russland (OAR) jubelt nach dem Treffer zum 3:3 und steht neben Frank Hördler (48) Goalie Danny aus den Birken aus Deutschland. Bild: Michael Kappeler/dpa
von Agentur DPAProfil

Pyeongchang. Dieses Silber fühlt sich wie Gold an. Auch wenn das deutsche Eishockey-Sensationsteam das Wunder im Olympia-Finale dann doch knapp verpasste, verneigt sich Deutschland vor dieser Auswahl von Bundestrainer Marco Sturm. Nach dem hoch dramatischen 3:4 (0:1, 1:0, 2:2) nach Verlängerung gegen die Olympischen Athleten aus Russland (OAR) am Sonntag in Pyeongchang bleibt es bei der zuvor bereits perfekten Silbermedaille. Allein dies ist der größte Erfolg in der Geschichte des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB).

Dank unglaublicher Leidenschaft stand das deutsche Team kurz davor, sogar Gold aus Südkorea mitzunehmen. Jonas Müller (57.) traf in der Schlussphase zur zwischenzeitlichen 3:2-Führung, doch die Russen retteten sich mit einem Treffer 55,5 Sekunden vor Schluss noch in die Overtime. Die wundersame Siegesserie der DEB-Cracks, die unter anderem mit den völlig unerwarteten Erfolgen gegen Weltmeister Schweden und Sotschi-Olympiasieger Kanada die Sportprominenz weltweit und die Fans in Deutschland verzückt hatten, fand im Finale erst spät ein Ende. Kirill Kaprisow traf 10:19 Minuten vor dem Ende zum Sieg der Russen.

Gegen die russischen Stars um Pawel Dazjuk und Ilja Kowaltschuk kämpfte das deutsche Team, warf sich in Schüsse, checkte die Gegner, doch am Ende reichten die Kräfte nach dem emotionalen Olympia-Highlight gegen den nicht mehr alleinigen Rekord-Olympiasieger Kanada nicht mehr.

Wjatscheslaw Wojnow (20. Minute), Nikita Gussew (54./60.) mit einem späten Doppelschlag und Kaprisow schossen die Russen zum nun ebenfalls neunten Olympiasieg. Für das OAR-Team war es das erste Olympia-Gold seit 26 Jahren. Damals hatte die Sbornaja nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) triumphiert. Felix Schütz erzielte im zweiten Abschnitt das zwischenzeitliche 1:1 (30.), bis zum Ende blieb das Endspiel tatsächlich ausgeglichen. Dominik Kahun (54.) traf in einem wahren Thriller nur zehn Sekunden nach der neuerlichen Führung des Favoriten erneut zum verdienten Ausgleich, ehe Müller sogar die erstmalige Führung erzielte.

Von Beginn an war Deutschlands erneut bravourös haltender Torhüter Danny aus den Birken enormem Druck ausgesetzt. "Besonders am Anfang wollen die Russen mit Macht die Führung erzielen. Ich bin gespannt, wie sich unsere Mannschaft in das Spiel hineinarbeiten kann", hatte DEB-Präsident Franz Reindl vor dem Spiel dem ZDF gesagt.
Und die DEB-Auswahl arbeitete sich hervorragend rein. Wie immer in diesem Turnier hielt sie mit Kampf und Leidenschaft gegen den Rekord-Weltmeister dagegen, hatte vor dem Tor aber kein Glück. Eine halbe Sekunde vor dem Ende des ersten Drittels schlug es dann doch noch im deutschen Tor ein. Gegen Wojnows Schlagschuss war aus den Birken machtlos. Im zweiten Drittel steigerte sich der krasse Turnier-Außenseiter. Stürmer Schütz, der viele Russen aus seiner Zeit in der KHL kennt, überwand den russischen Goalie Wassili Koschetschkin.

Nach dem Jahrhundertspiel gegen Kanada, in dem sich die deutsche Mannschaft teilweise in einen Rausch gespielt hatte, versuchten die Spieler um Deutschlands Fahnenträger bei der Schlussfeier, Christian Ehrhoff, im Schlussdrittel noch einmal alles. Im stärksten Abschnitt waren sie sogar spielbestimmend und es kam zu einem dramatischen Endspurt mit mehreren Führungswechseln. Russland rettete sich gerade noch so in die Verlängerung.

Daheim fieberten Fans sowie Polit- und Sportprominenz gleichermaßen mit. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte das Wunder-Team am Samstag angerufen und Glück gewünscht. "Ich wünsche, dass alle gesund ins Spiel gehen und mit derselben Spielfreude, mit demselben Ehrgeiz das Spiel gestaltet wird, wie das Halbfinale", sagte Steinmeier. Er werde "wie ein paar Millionen anderer Deutscher, die zur frühen Stunde am Fernseher sitzen, ganz doll die Daumen» drücken.
Beim Team und Reindl gingen zudem etliche Glückwünsche, Ermunterungen und viel Lob ein. "Ich hoffe, dass die Jungs morgen gewinnen", sagte auch FC-Bayern-Trainer Jupp Heynckes. Der 72-Jährige lobte insgesamt die "außergewöhnliche Leistungen" bei den Winterspielen. Und Alois Schloder und Erich Kühnhackl, 1976 zusammen mit Reindl Bronze-Medaillengewinner, hatten dem Team sogar den ganz großen Coup zugetraut. Die deutsche Auswahl gewann zwar nicht mehr. Das "Wunder von Innsbruck"  vor 42 Jahren ist aber dennoch endgültig Geschichte.

Bob-Pilot Friedrich holt Gold-Double - Walther Zweiter

Bei den Bobfahrern haben die Deutschen in der Nacht auf Sonntag erstmals seit 34 Jahren wieder einen Doppel-Erfolg im Viererbob geschafft. Zweierbob-Olympiasieger Francesco Friedrich holte sich mit einer eindrucksvollen Leistung am Sonntag das begehrte olympische Gold-Double und gewann vor seinem Vereinskollegen Nico Walther, der sich zusammen mit den zeitgleichen Südkoreanern Silber sicherte.

Friedrich, der Viererbob-Weltmeister aus Oberbärenburg, hatte nach vier Läufen 0,53 Sekunden Vorsprung vor Walther und den zeitgleichen Olympia-Gastgeber Südkorea mit Fahnenträger Won Yunjong am Steuer. Der WM-Dritte aus dem Vorjahr verbesserte sich im letzten Lauf um eine Position und machte damit seinen Anschieber Kevin Kuske zum erfolgreichsten Bobsportler der Welt. Denn nach vier Olympiasiegen und einmal Silber mit Pilot André Lange holte Anschieber Kevin Kuske mit 39 Jahren bei seiner fünften Olympia-Teilnahme zum Abschluss seiner Karriere noch eine Medaille.

Weltmeister und Weltcupgesamtsieger Lochner wartete in den Finalläufen vergeblich auf ein Wunder, wurde Achter.Letztmals hatten 1984 in Sarajevo Wolfgang Hoppe und Bernhard Lehmann für die damalige DDR einen Doppel-Erfolg im Viererbob geschafft.

Reaktionen auf das Silber des Eishockey-Teams


"Ohhhhhhh noooooo 4:3 #OARGER - Liebe Eishockey-Nationalmannschaft, wir sind trotzdem sowas von stolz auf euch - ihr seid Helden! Feiert die Silbermedaille!" (Fußball-Nationalspieler Thomas Müller)

"Puh. Bitter, schüttelt es ab und genießt die Medaille! Sieger der Herzen! Wir sind alle stolz auf euch!"
(Tischtennis-Profi Timo Boll)

"Silber GEWONNEN! Ihr könnt stolz auf euch sein @DEB_eV , absolute Inspiration für Wille, Kampfgeist und Zusammenhalt! Danke!"
(Golfprofi Martin Kaymer)

"Jungs ihr wart Weltklasse. Könnt unglaublich Stolz auf euch sein"
(NHL-Profi Tom Kühnhackl)

"Silber. So fucking schade, aber was für eine Leistung. So unglaublich stolz auf diese Jungs. We'll be back"
(NHL-Profi Korbinian Holzer)

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