17.10.2017 - 20:42 Uhr
Deutschland & Welt

25-Jähriger soll Großmutter getötet haben Mord und Amokfahrt

Der Enkel soll eine Rentnerin in ihrem Wohnhaus erstochen haben. Danach folgte eine Fluchtfahrt, bei der der mutmaßliche Mörder zwei Polizisten überfuhr. Nun hat der Prozess begonnen - und auch der Angeklagte äußert sich.

Der Angeklagte kommt zum Prozessauftakt in einen Verhandlungssaal des Landgerichtes in Frankfurt/Oder. Auf der Flucht vor der Polizei soll er in Ostbrandenburg zwei Beamte totgefahren haben. Zuvor soll er seine Großmutter erstochen haben. Bild: Patrick Pleul/dpa
von Agentur DPAProfil

Frankfurt/Oder. Eine Seelsorgerin streichelt den Arm einer Frau in dem Gerichtssaal in Frankfurt an der Oder. Es ist die Nebenklägerin und Ehefrau eines Polizisten, der im Februar in Ostbrandenburg seinen Dienst antrat und nicht mehr nach Hause kam. Er und ein Kollege wurden bei einer Polizeikontrolle, die einen flüchtenden Mann in einem Auto mit zu hoher Geschwindigkeit stoppen sollte, überfahren. Die beiden 49 und 52 Jahre alten Männer starben sofort. Der mutmaßliche Mörder steht seit Dienstag vor dem Landgericht in Frankfurt/Oder. Der 25-Jährige soll vor der Flucht seine Großmutter getötet haben. Es war ihr 79. Geburtstag.

Der dunkelhaarige Angeklagte sitzt im Verhandlungssaal und blickt zu Boden oder auf seine Hände in Handschellen. Er wirkt angespannt, schluckt häufig. Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft hat er die Taten in Vernehmungen zugegeben. Zum Prozessauftakt sagt der Verteidiger, dass sein Mandant sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht äußern werde. Wenig später spricht der Mann stockend und leise. Über die Polizisten sagt er: "Sie hatten keine Chance, zu reagieren." Und: "Ich kann sagen, dass es mir leid tut, dass sie nicht mehr zum Dienst kommen." Über die Großmutter, die er einmal "Oma" nennt, oder die Umstände ihres Todes, spricht er nicht. Seit seiner Festnahme befindet sich der Mann, der zuletzt wie seine Großmutter in Müllrose lebte, in der geschlossenen Psychiatrie in Brandenburg an der Havel. Die Staatsanwaltschaft stellt am ersten Verhandlungstag klar, dass es wahrscheinlich ist, dass sie neben einer Haftstrafe eine Unterbringung in der Sicherungsverwahrung beantragen wird. Den 28. Februar, an dem die drei Menschen starben, beschreibt die Anklagebehörde so: Eine Badewanne in der Wohnung der alten Frau, die mit Gegenständen vollgestellt war, soll der Grund eines Streits gewesen sein. Der Enkel soll sich über die Unordnung geärgert und ihr Honig über den Kopf gekippt haben. Weil er danach glaubte, dass sie ihn bei einem Telefonat verpfiffen hatte, rastete er aus. Mit Fäusten, einer Zuckerdose und einem Stuhl soll der damals 24-Jährige seine Großmutter attackiert haben. Sie stürzte zu Boden und er würgte er. Zum Schluss soll er ihr "Lieblingsmesser" genommen und ihr in den Hals gestochen haben.

Die Anklagebehörde ist davon überzeugt, dass der Mann nach dem Mord auf einer wirren Fluchtfahrt mit dem Auto der Rentnerin umher raste, dabei Verkehrsteilnehmer in Gefahr brachte und mehrere Unfälle verursachte. Bis er zur Polizeikontrolle am Örtchen Oegeln kam. Er soll bei den Taten unter dem Einfluss von Drogen und Psychopharmaka gestanden haben.

In dem Verfahren wegen dreifachen Mordes wird es auch um die Schuldfähigkeit des Angeklagten gehen. Die Anklagebehörde geht von verminderter Schuldfähigkeit aus und beruft sich auf einen Gutachter, der dem Angeklagten eine Persönlichkeitsstörung attestiert habe. Das Landgericht Frankfurt/Oder war gleich nach der Festnahme des Mannes in die Kritik geraten. Gegen ihn hatte es bereits Ende 2016 einen Prozess unter anderem wegen Raubes gegeben. Wegen einer "undifferenzierten Schizophrenie" war er für schuldunfähig erklärt worden. Die Kammer ordnete die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an - auf Bewährung. Grundlage war eine Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters gewesen. Am Dienstag kritisierte der Anwalt der Mutter des Angeklagten, die Nebenklägerin in dem jetzigen Prozess ist, das Vorgehen. Es habe Vorzeichen gegeben, betonte er.

Das Landgericht will den Prozess diesen Mittwoch fortsetzen. Zu Beginn werden Schöffen eine Stellungnahme abgeben. Hintergrund ist ein Antrag der Verteidigung. Sie kritisiert, dass Teile der Ermittlungsakte etwa zum mutmaßlichen Tathergang in einem Medienbericht, der vor Prozessbeginn veröffentlicht worden war, erwähnt worden seien. Die Verteidigung will wissen, ob die Schöffen die Inhalte des Berichts zur Kenntnis genommen haben.

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