12.03.2018 - 20:52 Uhr
Deutschland & Welt

5 Jahre Papst Franziskus Der Schein verblasst

13. März 2013: Noch bevor der neue Papst etwas schüchtern winkend auf der Loggia des Petersdoms erscheint, sandte er eine klare Botschaft: Er wolle sich Franziskus nennen. Ein Name mit Programm.

Papst Franziskus spricht 2013 während einer Heiligen Messe auf dem Weltjugendtag in St. Sebastian in Brasilien. Bild: Luca Zennaro/Pool/ANSA/epa/dpa
von Agentur DPAProfil

Vatikanstadt. Als Papst den Namen eines der populärsten Heiligen der Christenheit anzunehmen, zeugt von Selbstbewusstsein. Der rebellische Kaufmannsspross Franz von Assisi (1181/82-1226) brach mit der Tradition und mischte sich unter Außenseiter. Er möge die Armen nicht vergessen, hatte ihn der brasilianische Kardinal Claudio Hummes gebeten, als im Konklave das Pendel in Richtung des Kardinals von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, schwang. Und der nahm den Impuls auf und nannte sich: Franziskus. Berühmt ist sein Bild von der Kirche als "Feldlazarett", das sich um die Verletzten der globalisierten Welt kümmert.

Franziskus habe "in seiner Sprache, seinen Gesten und seinem Amts- und Lebensstil etwas Prophetisches", sagt der deutsche Kardinal Walter Kasper. Friseursalons und Duschgelegenheiten für Obdachlose unter den Fenstern des apostolische Palastes, die Fußwaschung am Gründonnerstag im Gefängnis statt in seiner Bischofskirche, auch bei Frauen und Muslimen statt bei Geistlichen - der Papst aus Südamerika mutet manchen einiges zu.

Der erste Papst, der nicht aus dem Bereich des alten Imperium Romanum kommt und dem die Gemengelage von Staat und Kirche ziemlich fremd ist. Seine Gäste bedenkt Franziskus mit einer Friedenstaube oder einem Olivenzweig sowie seinen Schreiben. Deren Hauptanliegen: die Zusammenhänge von Ökologie und Gerechtigkeit in Gottes Schöpfung sowie eine überzeugende, situationsgerechte Seelsorge für die Menschen des 21. Jahrhunderts. Franziskus will Gräben überbrücken, auch ökumenisch. Seine Amtsführung habe etwas von einem "ökumenischen Primat", schwärmte Roms lutherischer Pfarrer Jens-Martin Kruse.

Manche Katholiken hingegen hat er gegen sich aufgebracht. Allein drei bekanntere Aktionen gegen "Amoris laetitia", sein Lehrschreiben zu Ehe und Familie, hat es bislang gegeben: den Brief vierer Kardinäle, die theologische "Zweifel" anmelden; eine als "kindliche Korrektur" titulierte Internetkampagne, die dem Papst gar "Häresie" vorwarf; und das Schreiben dreier kasachischer Bischöfe zur Unauflöslichkeit der Ehe, dem sich mittlerweile sechs weitere Oberhirten angeschlossen haben. Mit seiner Kritik an "einer Wirtschaft, die tötet", in der Umweltenzyklika "Laudato si" trat Franziskus vielen auf die Füße. Von seinen Vorgängern erbte Franziskus zwei begonnene Aufgaben, die seine eigene Amtszeit belasten: den Umgang mit sexuellem Missbrauch und die Kurienreform. Bei beiden gibt es Erfolge und Rückschläge. Sein Image in der Öffentlichkeit wird auch durch Graffiti geprägt, die Franziskus als "Super Pope" im Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit zeigen; oder seine mitunter launigen, aber auch energischen Ausführungen bei den wöchentlichen Generalaudienzen, spontane Telefonanrufe und Besuche. Was Mitarbeiter des "Pfarrer Papst" zur Verzweiflung treibt, erfreut Menschen und Medien.

Am Abend seiner Wahl, bevor Franziskus die Menschen auf dem Platz segnete, verneigte er sich und bat sie um ihr Gebet. Eine damals neue Geste, aus der inzwischen jener Satz geworden ist, mit dem Franziskus fast jede seiner Ansprachen beendet: "Bitte vergesst nicht, für mich zu beten".

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