Affäre um Cambridge Analytica
Existenz von Facebook bedroht?

"Hätten Mark Zuckerberg, Eduardo Saverin, Dustin Moskovitz und Christopher Hughes vor 14 Jahren geahnt, zu welch einer Monstrosität sich ihr "Baby" Facebook entwickeln würde, hätten sie es vielleicht noch in der Wiege erstickt. Jetzt allerdings ist der digitale Geist nicht mehr in die Flasche zurückzuzwingen. Facebook ist längst mehr als ein soziales Netzwerk, das Menschen zusammenbringen soll. Es ist zur Weltmacht in privater Hand mutiert, auf deren Plattform Meinungen beeinflusst, Hass geschürt, Existenze
 
Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, vor dem Logo seines Unternehmens. Bild: Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

Der Datenskandal um Cambridge Analytica erschüttert das Vertrauen in Facebook. Investoren verkaufen die Aktie und ziehen vor Gericht. Das soziale Netzwerk selbst sieht sich in der ganzen Affäre eher als Opfer.

San Francisco. Im Datenskandal um Facebook erhöhen Investoren und Anwender den Druck auf das größte soziale Netzwerk der Welt. In San Francisco verklagten Aktionäre den Konzern. Er habe "sachlich falsche und irreführende Aussagen" zur Firmenpolitik gemacht, heißt es in der Klageschrift, die am Dienstag (Ortszeit) bei einem Bundesgericht in San Francisco eingereicht wurde. Das berichteten CNN und weitere US-Medien. Facebook habe mitteilen müssen, dass es Dritten Zugriff auf Daten von Millionen Nutzern ohne deren Zustimmung gewährt habe, argumentieren die Kläger. Da das Unternehmen das nicht früher getan habe, hätten sie, die Aktionäre, große Verluste erlitten.

Zuvor war der Kurs der Facebook-Aktie eingebrochen. Seit Bekanntwerden des Datenskandals um die britische Analysefirma Cambridge Analytica sackte der Kurs von 185 Dollar um rund 20 Prozent ab. Facebook sieht sich unterdessen selbst als Betrogenen. "Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden", teilte der Konzern mit. Die umstrittene Datenanalyse-Firma, die nach Angaben ihres inzwischen suspendierten Chefs Alexander Nix einen Großteil des Wahlkampfs für US-Präsident Trump bestritten hat, soll Zugriff auf Facebook-Daten von bis zu 50 Millionen Menschen gehabt haben. Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC leitete deshalb eine offizielle Untersuchung gegen Facebook ein.

Dabei geht es auch um eine Vereinbarung, die Facebook im November 2011 mit der FTC geschlossen hatte. Damals hatte sich das Netzwerk zur Einhaltung bestimmter Datenschutzregeln verpflichtet. Die FTC ermittelte damals wegen einer Änderung der Datenschutz-Regeln im Jahr 2009. Facebook hatte zuvor die Standard-Einstellungen für Profile verändert und die Informationen öffentlich zugänglich gemacht. Viele Facebook-Mitglieder reagierten nicht darauf. Dadurch waren zuvor private Daten vieler Nutzer offen im Netz abrufbar, ohne dass es den Mitgliedern bewusst war. Die Änderung wurde kurz darauf zurückgenommen.

Kein Datenleck

Das Unternehmen erklärte nun, es werde alles tun, um seine Richtlinien durchzusetzen und die Informationen der Nutzer zu schützen. Firmenchef Mark Zuckerberg und alle Verantwortlichen seien sich des Ernsts der Lage bewusst.

In einer Petition, die von der Mozilla-Stiftung gestartet wurde, beklagten sich bis zum Mittwoch Tausende Unterzeichner darüber, dass Daten von bis zu 50 Millionen Facebook-Nutzern von Cambridge Analytica ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung genutzt worden seien. "Dies war kein Datenleck, niemand hat sich bei Facebook eingehackt oder Passwörter gestohlen. Der Grund war, dass Facebook-Apps nicht nur Zugang zu sensiblen Daten von Menschen gestattet hätten, die diese Programme nutzen - sondern auch zu den Daten von deren Facebook-Freunden. Facebook habe inzwischen angekündigt, Schritte zu unternehmen, um den Zugriff von Entwicklern auf detaillierte Freundesdaten einzuschränken. "Aber die aktuellen Standardeinstellungen von Facebook lassen viele Fragen offen und viele Daten ungeschützt. Eines ist klar: Facebook muss mehr tun und seine Nutzer respektieren", heißt es in der Petition.

Cambridge Analytica wurde bekannt als die Firma, deren Datenauswertung Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben soll - möglicherweise mit Hilfe von unrechtmäßig gesammelten Facebook-Daten. Nix, der am Dienstagabend suspendiert worden war, hatte einem angeblichen Kunden gegenüber Angaben zu den Verbindungen seines Unternehmens zu Trump gemacht. Der vermeintliche Kunde entpuppte sich aber als britischer Fernsehreporter, der die Gespräche aufzeichnete. An einer Stelle des Interviews antwortete Nix auf die Frage nach der Möglichkeit, negative Informationen über politische Gegner zu beschaffen, seine Firma könne "Mädchen zum Haus des Kandidaten schicken".

Zerstörung droht

Facebook steht nach Einschätzung eines Investors durch die Affäre eine öffentliche Vertrauenskrise bevor, die das Unternehmen komplett zerstören könnte. "Sie haben nicht einmal den ersten Schritt gemacht zuzugeben, dass es ein Problem gibt", sagte der Risikokapitalgeber Roger McNamee dem US-Sender CNN. "Wenn sie nicht bald etwas unternehmen, werden die Leute merken, dass sie Facebook nicht mehr vertrauen können", sagte McNamee, laut CNN der frühere Mentor von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Das könne die Plattform "dauerhaft bedrohen". Dabei habe er bereits 2016 Zuckerberg und dessen Rechte Hand Sheryl Sandberg auf die Problematik angesprochen. Sie hätten das jedoch als PR-Problem abgetan. Angemerkt
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