06.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Akzeptanz, nicht Verherrlichung" Briefe an die Redaktion

von Redaktion OnetzProfil

Zu dem Artikel "Ein Versagen der Politik" und dem Kommentar zu einer Äußerung beim Antikriegstag erreichte uns folgende Zuschrift:

"Zunächst einmal möchte ich herausstellen, dass ich mich dem vom 1. Bevollmächtigten der IG Metall Horst Ott herausgestellten Grundsatz "Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus" vollumfänglich anschließe, wenngleich ich aber auch der Meinung bin, dass diese Weltanschauung nicht nur für Gewerkschafter, sondern für eine breite Mehrheit der Bevölkerung gilt.

Aber wie lässt sich dieses edle Ziel erreichen, es gibt kein Patentrezept. Fast täglich verlieren Tausende Menschen auf den Schlachtfeldern dieser Welt ihr Leben oder fliehen in eine ungewisse Zukunft. Trotz der Bemühungen der internationalen Gemeinschaft werden die blutigen Konflikte nicht weniger.

Es wird also einen langen diplomatischen Atem brauchen. Deshalb finde ich, ist der Appell, nach diplomatischen und zivilen Konfliktlösungen zu suchen, soweit auch absolut in Ordnung.

Der Forderung des Betriebsratsvorsitzenden Karl-Heinz König, die Patenschaft der Stadt Sulzbach-Rosenberg mit dem Schiff der Bundesmarine aufzukündigen, möchte ich allerdings folgendes entgegenhalten: Solche Patenschaften, die übrigens nicht nur die Stadt Sulzbach-Rosenberg pflegt, dienen in erster Linie der Förderung des Ansehens der Soldaten in der Öffentlichkeit. Es geht nicht um Verherrlichung, sondern Akzeptanz.

Ein Land kann nicht damit geschützt werden, dass man Blumenkisten und Schilder mit der Aufschrift "Wir lieben den Frieden" an die Grenzen stellt. Soldaten sind weder Mörder noch Kriegstreiber, sondern haben sich dem Schutz einer Nation und der Bündnisstaaten verschrieben. Deutschland hat Soldaten viel zu verdanken, auch wenn es damals nicht die eigenen waren. Es geht um Menschenrechte und nicht nur um deutsches Wohlbefinden und Träume vom ewigen Frieden.

Die Beziehung zwischen der Stadt Sulzbach-Rosenberg und ihrem Patenboot hat heuer ihr 50-jähriges Jubiläum. Während dieser langen Zeit wurde diese Freundschaft wechselseitig durch viele Besuche mit Leben erfüllt. Bürgermeister, Vertreter der Verwaltung, des Stadtrates, der Rosenberger "Kirwaleit" und der Feuerwehr Sulzbach-Rosenberg, waren mit von der Partie.

Das finde ich richtig und gut, weil es das Ansehen unserer Soldaten fördert. Ich denke außerdem, dass sich die mutigen Kameradinnen und Kameraden, die sich derzeit rund um den Globus im Einsatz befinden, diesen Rückhalt und die Solidarität aus der Heimat verdient haben."

Lothar Bedritzki,Sulzbach-Rosenberg

"Diese Frage ist legitim"

Zum gleichen Thema äußert sich dieser Leser.

"Ich freue mich als Veranstalter, dass der Jahrestag des Kriegsausbruches, an den wir zu jedem 1. September gedenken, in Sulzbach dazu führt, alte "Traditionen" neu zu diskutieren. Das geht nur, wenn man einen Redner hat, der sich traut, auch unbequeme Themen anzusprechen. Das ist Karl-Heinz König aus meiner Sicht gelungen.

Überrascht hat mich zum Teil die Argumentation Ihres Zeitungsartikels vom 4.9. Ein Minensuchboot als Friedenswaffe zu erklären, ist für mich nicht nachvollziehbar. Das Boot ist Bestandteil der Bundesmarine, nicht des THW. Es wurde finanziert aus dem Verteidigungshaushalt, nicht durch das Sozialressort.

Es räumt Minen, die von der Rüstungsindustrie gebaut und entwickelt wurden. Dies im Zusammenhang damit zu kritisieren, dass sowohl auf dem Kriegsschiff als auch durch die Minen Menschen in Gefahr, ja auch zu Schaden kommen, die unsere Kollegen. Kinder, Verwandte, Angehörige sind, ist der Sinn des Antikriegstages. Der Hinweis, dass damit auch noch Geld verdient wird, darf auch nicht fehlen an einem Tag wie diesen.

Die Frage, ob eine Stadt mit einer derartigen Einrichtung eine Patenschaft unterhalten sollte, ist legitim. Das hat nichts mit den Menschen zu tun, die dort ihren Dienst verrichten, sondern mit der Einrichtung. Wenn der Stadtrat sich auch mit Patenschaften und Einrichtungen auseinandersetzt, die sich um die Opfer von Krieg und Vertreibung kümmern, wäre das ja auch eine Aussage zum Antikriegstag."

Horst Ott, 1. Bevollmächtigter,IG Metall Amberg

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