04.05.2017 - 21:52 Uhr
Deutschland & Welt

Amazons Attacke auf die Supermärkte

Lange schien der Lebensmittelhandel in Deutschland immun gegen die Konkurrenz aus dem Internet. Doch mit dem Start des Lieferdienstes Amazon Fresh könnte sich das ändern. Die Amerikaner drängen mit einem großen Angebot auf den Markt.

Ein Mitarbeiter von Amazon Fresh scannt im Depot in Berlin Produkte. Seit Donnerstag ist der Online-Supermarkt Amazon Fresh in Teilen Berlins und Potsdams verfügbar. Bild: Mathesius/Amazon/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Bei vielen Lebensmittelhändlern in Deutschland dürften am Donnerstag die Alarmglocken geklingelt haben. Denn mit dem Start des Lieferdienstes Amazon Fresh in Berlin und Potsdam begann der Internetgigant seinen Angriff auf die Supermärkte in Deutschland. Rund 85 000 Produkte von der frischen Hühnerbrust über Erdbeeren bis zur Tiefkühlpizza bietet der Lieferdienst bereits zum Start an.

"Mit Amazon wird sich der Wettbewerb im Lebensmittelhandel weiter verschärfen", warnte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE) Stefan Genth. "Alle großen Lebensmittelhändler werden extrem aufmerksam beobachten, was jetzt in Berlin passiert: Ob es Amazon gelingt, die letzte Bastion des traditionellen Handels zu stürmen, die bislang vom Onlineboom verschont blieb", meint Kai Hudetz vom Kölner Handelsforschungsinstitut IFH.

Riesiger Markt

Rund 170 Milliarden Euro geben die Bundesbürger Jahr für Jahr im Lebensmitteleinzelhandel aus. Nur rund ein Prozent der Lebensmittel wird bislang online eingekauft. Doch Amazon trauen Hudetz und andere Branchenkenner zu, das zu ändern - zu Lasten der Platzhirsche Edeka, Rewe oder Aldi. Bestellungen von Amazon bis 12 Uhr mittags sollen noch am selben Tag zum Abendessen geliefert werden. Bei einem Auftrag bis 23 Uhr kommt die Ware am nächsten Tag in einem ausgewählten Zwei-Stunden-Fenster.

Der Internetriese selbst zeigte sich zum Start demonstrativ bescheiden. "Die Messlatte im Lebensmitteleinzelhandel liegt sehr hoch", betonte Amazon-Manager Ajay Kavan. Das Unternehmen werde sich die Zeit nehmen, um den Service kontinuierlich zu verbessern, bevor das Angebot schrittweise auch auf andere Regionen ausgeweitet werde.

Ohnehin kommt Amazon Fresh allerdings mit einem Preisschild daher, das manche preissensiblen Kunden abschrecken dürfte. Erstens muss für 69 Euro im Jahr eine Mitgliedschaft im Abo-Dienst Amazon Prime abgeschlossen werden. Zweitens wird ein Aufschlag von 9,99 Euro im Monat für den Service Amazon Fresh fällig, und drittens verlangt Amazon einen Mindestbestellwert von 40 Euro, damit die Lieferung kostenfrei erfolgt. "Amazon Fresh wird kein Thema für die breite Masse", ist deshalb der Handelsexperte Hudetz überzeugt.

Bedeutung nimmt zu

Auch der Handelsexperte Mirko Warschun von der Unternehmensberatung A.T.Kearney glaubt nicht an dramatische Umwälzungen im Lebensmittelhandel in den nächsten Jahren. "Der Online-Handel wird bei Lebensmitteln auch in naher Zukunft nicht annähernd die Bedeutung haben, wie etwa bei Bekleidung oder Unterhaltungselektronik." Doch werde seine Bedeutung zunehmen.

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