06.06.2017 - 20:48 Uhr
Deutschland & Welt

Apple stellt smarten Lautsprecher vor: Vernetzte Realität

Nach dem Erfolg von Amazons "Echo" baut auch Apple einen smarten Lautsprecher. Der I-Phone-Konzern will dabei die Nützlichkeit seiner Assistentin Siri mit ansprechender Sound-Qualität verbinden.

Apple-Marketingchef Phil Schiller präsentiert bei der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC den neuen vernetzten Lautsprecher mit dem Namen HomePod vor. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

San Jose. Apple will sich mit einem vernetzten Lautsprecher tiefer im Alltag der Nutzer verankern. In das Gerät mit dem Namen HomePod ist die vom I-Phone bekannte Assistenzsoftware Siri integriert. Mit dem Lautsprecher will Apple sowohl Hifi-Anbietern als auch Internet-Rivalen wie Amazon Konkurrenz machen. Das Gerät wird zusätzlich zur Musikwiedergabe Fragen beantworten, Aufgaben in verbundenen Apps erfüllen oder auf Sprachbefehl Technik im Haushalt steuern können.

Das rund 18 Zentimeter hohe Gerät hat die Form eines Zylinders. In der Mitte steckt ein Basslautsprecher. Sieben im Kreis angeordnete Hochtöner sollen für räumlichen Sound sorgen. Mit Siri kann man sich mit Hilfe eines Systems aus sechs Mikrofonen unterhalten. Die Kommunikation mit den Apple-Servern laufe verschlüsselt und mit Anonymisierung für mehr Datenschutz, betonte Marketingchef Phil Schiller auf der Entwicklerkonferenz WWDC.

Der Apple-Lautsprecher soll auch seine Position im Raum erkennen und den Klang daran anpassen. Bei Konkurrenten wie dem Multiroom-Spezialisten Sonos muss man dafür ein Einstellungsprogramm durchlaufen lassen. "Wenn Leute ihn hören, werden sie von der Qualität des Sounds schockiert sein", sagte Apple-Chef Tim Cook in einem TV-Interview des Finanzdienstes Bloomberg zu dem Lautsprecher. Der Technologieblog "The Verge" bescheinigte dem HomePod nach einer ersten Hörprobe einen "wirklich guten" Klang. Ein solches Gerät war von Apple nach diversen Medienberichten bereits erwartet worden. Amazon und Google kamen Apple in diesem Markt mit ihren vernetzten Lautsprechern zuvor. Einige Konkurrenten wie Sonos seien gut darin, Musik drahtlos in verschiedene Räume zu bringen, hätten aber keine smarten Lautsprecher, sagte Schiller.

Teurer als Amazons "Echo"

Andere wie Amazon mit seinem "Echo" und der Assistentin Alexa verkauften zwar smarte Geräte, böten aber nur eine mittelmäßige Soundqualität. Apple wolle beides miteinander verbinden und die Musiknutzung zu Hause "revolutionieren", wie einst mit dem I-Pod-Player. Der Apple-Lautsprecher wird mit 349 Dollar deutlich teurer als Amazons "Echo" mit 179 Dollar und Googles Konkurrenzgerät "Home" mit 129 Dollar.

Der HomePod wird im Dezember zunächst in den USA, Großbritannien und Australien auf den Markt kommen. Der Start in weiteren Ländern ist für kommendes Jahr geplant. Es ist die zweite neue Produktkategorie, in die Apple seit dem Tod von Mitgründer Steve Jobs 2011 vorstößt. Die erste war die Computer-Uhr Apple Watch 2015. Unter den Ankündigungen der WWDC hob Apple den Einsatz künstlicher Intelligenz und selbstlernender Maschinen hervor.

So gibt es für die Computer-Uhr Apple Watch künftig ein Siri-Zifferblatt, das automatisch die gerade benötigte Information anzeigen soll. Damit könnte Apple die Uhr nützlicher als bisher machen - die künstliche Intelligenz hinter der Funktion muss aber auch die richtigen Daten präsentieren. Siri bekommt ein Upgrade mit natürlicherer Sprache und soll sich auch besser auf den einzelnen Nutzer einstellen können. Gelernt wird zwar weiterhin auf dem Gerät - aber die Ergebnisse werden künftig übergreifend synchronisiert. Die Daten blieben gesichert und könnten nur von den Geräten eines Nutzers abgerufen werden, betonte Apple-Manager Craig Federighi. Die Foto-App wird mit neuen Effekten aufgebessert, hinter denen ebenfalls lernende Maschinen stecken.

Schnellere Prozessoren

Seine Mac-Computer macht Apple erstmals kompatibel mit virtueller Realität. Das Hollywood-Spezialeffektestudio ILM demonstrierte, wie auf einem iMac-Tischrechner eine VR-Szene aus dem "Star-Wars"-Universum entworfen wird, in die Nutzer mit Spezialbrillen eintauchen können. Bei der sogenannten "augmented Reality", bei der echte Umgebungen auf dem Display mit digitalen Zusätzen ergänzt werden, baut Apple eine neue Plattform für Software-Entwickler auf. Die volle Angebotspalette aus Macbook-Notebooks und iMacs mit eingebautem Display wurde mit schnelleren Prozessoren und besserer Grafik aufgefrischt. Apple musste sich zuletzt den Vorwurf gefallen lassen, professionelle Mac-Nutzer zu vernachlässigen, weil der für sie gedachte Computer Mac Pro seit 2013 nicht aktualisiert wurde.

Beim I-Pad-Tablet gibt es ein neues Pro-Modell mit einer Bildschirmdiagonalen von 10,5 Zoll. Die I-Pad-Version des Mobil-Systems iOS wird mit neuen Funktionen aufgebessert, wie einem einfachen Verschieben von Inhalten zwischen Apps per Drag-und-Drop - wie auf dem Computer. Mit dem Bezahldienst Apple Pay kann Geld zwischen Nutzern verschickt werden. Damit greift Apple das Geschäft von Konkurrenten wie Paypal an. Amazons Videostreaming-Dienst kommt auf die TV-Box Apple TV.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.