06.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Arbeitsplatz am Flughafen - Etliche verschiedenen Jobs - Überblick und kühlen Kopf behalten Fast wie eine Kleinstadt

(dpa/tmn) An den Tag, als der Orkan Xaver über Norddeutschland hinwegfegte, erinnert sich Susanne Döpper genau: "Das war ein absolutes Ausnahmeereignis für uns", sagt die Verkehrsleiterin vom Dienst (VVD) am Flughafen Hamburg. Und einer der Tage, an denen Verkehrsleiter und Team voll gefordert waren. "Wir stellen sicher, dass der Flugbetrieb störungsfrei läuft", erklärt sie. Drinnen im Terminal und draußen auf dem Rollfeld.

von Redaktion OnetzProfil

Was sich übersichtlich anhört, ist ein mühsamer, kleinteiliger Job: "Man muss die Augen überall haben", sagt sie. Die Verkehrsleiter müssen für alle Notfallsituationen gerüstet sein - sei es ein Bombenfund auf dem Rollfeld, ein Streik, der den Betrieb im Terminal lahmlegt, oder extreme Wetterverhältnisse. "Wir müssen dann die Entscheidungen treffen und alles koordinieren." Egal, ob Maschinen ans andere Ende des Airports geschleppt werden oder Passagiere in den Flugzeugen sitzen bleiben, bis der Wind nachgelassen hat.

Lotsen, Piloten, Zollbeamte

Es gibt verschiedene Wege, Verkehrsleiter zu werden: Als Servicekaufmann im Luftverkehr etwa oder über ein Studium mit Schwerpunkt Luftverkehr. Döpper hat zunächst lange bei einer Airline gearbeitet, war dort Stationsleiterin und hat dann für die Stelle ihr Studium abgebrochen. Für den Job als VVD hat sie alles in Fachseminaren und Fortbildungen gelernt. "Und dann gehören persönliche Eigenschaften dazu, etwa Lebenserfahrung und die Fähigkeit, den Überblick und einen kühlen Kopf zu behalten."

Den Job von Susanne Döpper gibt es an jedem der 16 internationalen Flughäfen in Deutschland - doch er ist einer unter vielen. "Ein Flughafen ist wie eine kleine Stadt", sagt Gero Seidler, Geschäftsführer der Hannover Aviation Ground Services GmbH. Hunderte Firmen sind dort aktiv, von Fluggesellschaften über Dienstleister bis zu Behörden. Der Flughafen sei 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr geöffnet, sagt Seidler. 8800 Frauen und Männer arbeiten dort.

Im Erdinger Moos vor den Toren Münchens sind mehr als 550 Firmen aktiv, rund 32 250 Menschen waren laut der jüngsten Arbeitsstättenerhebung 2012 an Deutschlands zweitgrößtem Flughafen beschäftigt. "Gut die Hälfte aller Erwerbstätigen arbeitet für die beiden größten Arbeitgeber am Flughafen München, das sind die Lufthansa und der FMG-Konzern, die Betreibergesellschaft", sagt Sprecher Florian Steuer. Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt am Main zählt fast 80 000 Mitarbeiter.

Direkt bei den Fluggesellschaften arbeiten Piloten, Flugbegleiter, das Bodenpersonal. Hinzu kommt die Verwaltung. Neben diesem Backoffice-Bereich sind die technischen Betriebe und das sogenannte Vorfeld Orte, an denen Fachkräfte gebraucht werden. Sie sind in den gesicherten Bereichen tätig, sorgen dafür, dass das Gepäck am richtigen Ort landet und die Flugzeuge einwandfrei funktionieren.

"Am Flughafen in München werden junge Leute in 39 verschiedenen Berufen ausgebildet", sagt Steuer. Zu den technischen Berufen gehören Fluggerätemechaniker, Mechatroniker, Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Dann gibt es Servicekaufleute im Luftverkehr, Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung, für den Einzelhandel, für Bürokommunikation oder Tourismuskaufleute. Auch Hotelfachleute finden einen Ausbildungsplatz, ebenso Feuerwehrleute, Eventmanager und Zollbeamte.

Kein Numerus Clausus

Dann gibt es noch die Fachleute, die am höchsten Punkt des Flughafens ihre Arbeitsstelle haben: die Fluglotsen. "Vom Anlassen der Triebwerke bis zu den Start- und Landefreigaben werden alle Flüge vom Tower aus kontrolliert", erklärt Michael Fuhrmann, Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Düsseldorf. Anschließend übernehmen die Radarlotsen in den Kontrollzentralen in Langen, Bremen, Karlsruhe, München und Maastricht. Bis zu 9000 Flüge kontrollieren die DFS-Lotsen jeden Tag. Die Ausbildung erfolgt betriebsintern. "Das ist eine Alternative zum Studium", sagt Fuhrmann.

Es gebe zwar keinen Numerus Clausus bei der Bewerbung. "Aber wir verlangen Abitur und sehr gute Englischkenntnisse." Wichtig sind Eigenschaften, die man sich nur schwer aneignen kann: Merkfähigkeit, Konzentration, Multitasking, räumliches Denkvermögen, analytisches Vermögen. In einem Auswahlverfahren, das bis zu fünf Tage dauert, werden die Auszubildenden ausgewählt. "95 Prozent der Bewerber fallen durch. Weil sie nicht die Eigenschaften haben, die man braucht."

Nach einem Jahr theoretischer Ausbildung und Simulationstraining gehen die jungen Lotsen bereits in den Live-Verkehr und werden in weiteren ein bis zwei Jahren langsam an ihre Aufgaben herangeführt. "Sie arbeiten sehr schnell selbstständig und unabhängig", sagt Fuhrmann. Und tragen eine große Verantwortung. Das geht vielen anderen Mitarbeitern am Flughafen auch so, sagt Susanne Döpper. "Hier arbeiten die verschiedensten Stellen miteinander zusammen, damit jeder Passagier gut und sicher an sein Ziel kommt."

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