01.06.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Auch nach 31 Jahren ist der Mord an Gertrud Kalweit ungeklärt - Heiße Spur in die Möhlkaserne Täter noch immer auf freiem Fuß

von Redaktion OnetzProfil

Vielleicht nimmt ja der Täter sein schreckliches Geheimnis irgendwann mit ins eigene Grab: Denn auch 31 Jahre nach dem Geschehen ist der Mord an der damals 38 Jahre alten Fabrikarbeiterin Gertrud Kalweit vom 21. März 1980 im Amberger Stadtgraben nicht geklärt.

"Ich bin mir sicher, wenn wir damals die Möglichkeit der DNA-Untersuchung gehabt hätten, wäre der Mörder längst hinter Schloss und Riegel." In dieser Einschätzung sind sich Josef Lettl, damals Hauptkommissar und Leiter des Dezernats K 3 der Amberger Kripo, und der Leiter der Ermittlung, Oberkommissar Johann Schreier (K 1), einig. Als wäre es gestern gewesen, erinnern sich die beiden Ruheständler noch an jedes noch so kleine Detail jenes aufsehenerregenden Verbrechens. Der Hausmeister des Amberger Rathauses, Georg Prechtl, war es, der beim Morgenspaziergang mit seinem Dackel die Frauenleiche in einem Gebüsch an der Stadtmauer entdeckt hatte. Kripochef Blank war schnell informiert, und um 7 Uhr morgens schickte er seine komplette Truppe los. Zu Fuß. Denn der Tatort lag nur einen Katzensprung von der Polizeistation in der Baustadelgasse entfernt.
Es war bitterkalt an jenem Morgen. Die Ermittler und Staatsanwalt Dr. Klaus Pfannschmidt mussten die Mantelkrägen hochschlagen. Über Nacht hatte es geschneit, und auf der Böschung konnte man Schleifspuren erkennen. Wenig später erschienen die Töchter des Opfers im Stadtgraben. Sie suchten ihre Mutter, weil sie nicht nach Hause gekommen war ...

Fieberhaft nahm die Kripo die Ermittlungen auf. "Irgendwie aber war es wie verhext. Niemand war zum Zeitpunkt der Tat in der Allee unterwegs gewesen. Wir haben das ganze Leben der Frau Kalweit umgekrempelt, aber wir haben keinen einzigen Zeugen auftreiben können", erinnert sich Lettl.

Und doch gab es eine ganz heiße Spur, von der die Ermittler von damals heute noch glauben, dass sie zum Täter hätte führen können: Am Stadtgraben-Hang lag das Verlängerungsstück einer Ratsche. Das Werkzeug stammte aus der Möhlkaserne, in der eine amerikanische Einheit stationiert war. Und das ebenfalls aufgefundene Kopfteil eines Sturmfeuerzeuges passte haargenau zum Gegenstück, das man im Zuge der Recherchen bei einem Soldaten fand.
Alle dachten: "Jetzt haben wir ihn." Doch der Verdächtige zog mit einem "Märchen" den Kopf aus der Schlinge und tischte nach längerem Leugnen die Geschichte vom unbekannten Mann mit Südstaatendialekt auf, der ihn vom Tatort im Stadtgraben hinter einem Gebüsch heraus ziemlich unverblümt aufgefordert habe zu verschwinden. Mit dem Mord wollte der Verdächtige freilich nichts zu tun gehabt haben.

"Wir konnten ihm die Geschichte, dass er in diesem Augenblick vor lauter Aufregung mit den Fingern den Deckel seines Feuerzeuges abbrach, nicht widerlegen", so Schreier. Auch halfen die am Tatort gefundenen Blut- und Spermaspuren nicht weiter. Die Enttäuschung des hochmotivierten Ermittlerteams, das sich so manche Nacht um die Ohren schlug, wurde noch größer: Zwei Tage nach der Vernehmung war der Verdächtige verschwunden. Irgendwohin versetzt in die Vereinigten Staaten. Nicht mehr aufspürbar. (sta)

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