"Axel" bringt Sturmflut
Plastikspielzeug und Ruinen

Eine Ruine einer Imbissbude auf dem Steilufer von Zempin auf der Insel Usedom. Dort waren in der Sturmnacht zum Donnerstag Dünen in einer Tiefe von 10 bis 15 Metern weggebrochen. Bild: dpa
 
Über mehrere Kilometer säumten bunte Eierkapseln den Sandstrand der Insel Langeoog. Bild: Polizei Langeoog/dpa

Die Gefahr ist vorüber, nun wird eine Bilanz der Sturmflut in der Ostsee gezogen. Flugzeuge scannen die Küsten - während die gefährdeten Hänge zum Ziel von Touristen werden.

Schwerin/Kiel/Langeoog Nach der schwersten Ostsee-Sturmflut seit mehr als zehn Jahren hat an den Küsten die Schadensaufnahme begonnen. Zwei mit Lasertechnik bestückte Flugzeuge seien am Freitag über die Insel Usedom sowie von Warnemünde über Fischland-Darß-Zingst und Teile von Rügen geflogen, um Schäden zu dokumentieren, sagte der für den Küstenschutz zuständige Dezernatsleiter Lars Tiepolt vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommerns in Rostock. Parallel dazu waren Mitarbeiter der Umweltämter an den Küsten unterwegs, um die Folgen der Sturmflut zu begutachten.

Die Gesamthöhe der Schäden an den Küstenschutzanlagen war auch in Schleswig-Holstein noch ungewiss. Bisher seien außer erheblichen Schäden am Regionaldeich Wallnau auf der Insel Fehmarn nur kleinere Schäden bekanntgeworden, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums am Freitag. Im besonders stark getroffenen Heiligenhafen befürchtet Bürgermeister Heiko Müller nach groben Schätzungen Schäden von bis zu 1,5 Millionen Euro. Das Hochwasser hatte unter anderem viel Strandsand abgetragen, der erst im vergangenen Jahr für 800 000 Euro aufgespült worden war.

In Mecklenburg-Vorpommern hätten sich die Anlagen des Küstenschutzes an der rund 400 Kilometer langen Außenküste grundsätzlich bewährt, sagte Dezernatsleiter Tiepolt. "Die Dünen haben ihren Zweck erfüllt, nämlich bebaute Gebiete vor Überflutungen zu schützen." Die Messungen sollen zeigen, wo akuter Handlungsbedarf besteht. "Wenn die Düne zu schmal geworden ist, wird aufgespült."

In Zempin waren in der Sturmnacht zum Donnerstag Dünen in einer Tiefe von 10 bis 15 Metern weggebrochen und hatten eine Imbissbude teilweise mitgerissen. Die Pegelstände lagen vielerorts zwischen 150 und 170 Zentimetern höher als üblich. In Lübeck wurden sogar 1,79 Meter gemessen. Zur Beseitigung der Schäden an öffentlicher Infrastruktur stockt Mecklenburg-Vorpommern seinen Hilfsfonds auf bis zu 25 Millionen Euro auf. Darauf haben sich SPD und CDU geeinigt, wie die Vorsitzenden beider Landtagsfraktionen in Schwerin mitteilten.

Unterdessen wurden die Küsten Ziel von Schaulustigen. Umweltminister Till Backhaus (SPD) warnte, dass es in den nächsten Tagen und Wochen zu weiteren Abbrüchen und Rutschungen an den Hängen kommen könne. "Naturfreunde bitte ich ausdrücklich darum, einen großen Bogen um die brüchigen Steilufer und Dünenkliffs zu machen."

Viele kleine Überraschungen hingegen bescherte Sturmtief "Axel" der Insel Langeoog. Über mehrere Kilometer hat sich dort ein bunter Teppich aus Plastikeiern am Strand ausgebreitet. "Das sind bestimmt mehr als 100 000 Eier", stöhnt Langeoogs Bürgermeister Uwe Garrels.

Nach den Eiern (ohne Schokoladenüberzug) werden auch Lego-Steine mit "Star-Wars"-Figuren angetrieben, dazu Tüten, die weitere Plastikteile enthalten. "Da waren wohl etliche Chargen Spielzeug unterwegs", vermutet Garrels. Insulaner und Urlauber mit ihren Kindern und sogar extra angereiste Freiwillige füllten bei Aufräumaktionen bereits mehr als 100 Müllsäcke. Die Spielzeugeier enthielten Tierfiguren und Zettel mit kyrillischer Schrift.

Die Behörden gehen davon aus, dass die Waren aus fünf Containern stammen, die im Sturm von Bord eines Frachters gerissen wurden. "Das passiert immer wieder bei Stürmen", sagt Tobias Linke vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Wilhelmshaven.
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