Badezusatz getrunken
Gesetz gegen Alkohol

Berlin/Moskau. Über 75 Tote, Dutzende Verletzte und sechs Kinder, die zu Vollwaisen wurden: Das war vor dem Jahreswechsel die traurige Bilanz in der ostrussischen Stadt Irkutsk, weil dort mehr als 100 Einwohner alkoholhaltigen Badezusatz getrunken hatten. Präsident Wladimir Putin beauftrage nach diesem Vorfall die Regierung, neue Gesetze auszuarbeiten. Neben schärferen Regeln für die Herstellung und den Vertrieb von spiritushaltigen Produkten und einer besseren Kennzeichnung soll auch eine Änderung der Alkoholsteuer in Betracht gezogen werden.

Wenn legaler Alkohol zu teuer ist, greifen viele Russen zu selbstgebranntem Wodka (Samogon), Parfüm oder Frostschutzmittel. Experten schätzen, dass mindestens 10 Millionen von den 143 Millionen Menschen im Land regelmäßig sogenannte Ersatzalkohole konsumieren.

Russlands Machthaber haben in der Vergangenheit immer wieder versucht, das Alkoholproblem im Land in den Griff zu bekommen. So ließ der damalige sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow in den 1980er Jahren Weinberge roden und Wodkafabriken schließen und scheiterte letztlich am Widerstand der Bevölkerung.

Nach dem Vorfall in Irkutsk werden Stimmen laut, die eine Senkung der Alkoholpreise fordern. Erst wenn sich jeder Russe für 100 Rubel (rund 1,50 Euro) legal im Geschäft eine Halbliterflasche Wodka kaufen könne, habe billiger Fusel keine Chance, schrieb die Zeitung "Wedomosti".
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