06.09.2017 - 22:02 Uhr
Deutschland & Welt

Bevölkerung in neuen Bundesländern schrumpft Im Osten drohen leere Landschaften

Es ist der letzte Jahresbericht, den die scheidende Ostbeauftragte Iris Gleicke (SPD) vorlegt: Nach der Warnung vor wirtschaftlichem Schaden durch Rechtsextremismus 2016 treibt sie in diesem Jahr vor allem die demografische Entwicklung im Osten um.

Iris Gleicke (SPD) stellte am Mittwoch den Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit vor. Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. (epd) Einen "Alptraum" nennt die Ostbeauftragte Iris Gleicke (SPD) das Szenario: die Vorstellung von ganzen Regionen, "in denen es weit und breit keinen Lebensmittelladen, keinen Kindergarten, keinen Arzt und keine jungen Leute" mehr gibt. Was wie ein irres Schreckensbild aus fernen Welten klingt, wird in manchen Gegenden der ostdeutschen Länder mehr und mehr Wirklichkeit. Das offenbart der jüngste "Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit", der am Mittwoch im Bundeskabinett behandelt wurde. "Wir dürfen nicht zulassen, dass ganze Regionen auf Dauer abgehängt werden", mahnt die südthüringische SPD-Politikerin Gleicke eindringlich vor der Bundespressekonferenz in Berlin.

Bevölkerungsschwund und Überalterung werden zum drängenden Problem - allerdings nicht überall. Es gibt, so betont auch Gleicke, die Leuchtturmregionen. Und insgesamt erreiche Ostdeutschland heute die Wirtschaftsstärke des EU-Durchschnitts. Aber was sagt schon der Durchschnitt? In Teilen der ostdeutschen Länder sei die Sicherung der Daseinsvorsorge laut Bericht schon heute eine Herausforderung.

Die demografischen Veränderungen fielen mancherorts zusammen "mit einer vergleichsweise geringen Siedlungsdichte, wirtschaftlichen Strukturschwächen und Finanzschwächen der Gemeinden". Der demografische Wandel betreffe die ohnehin strukturschwächeren Regionen dabei besonders stark. Zwischen 1990 und 2015 sei die Bevölkerungszahl in den ostdeutschen Flächenländern um rund 15 Prozent gesunken, von rund 14,8 auf 12,6 Millionen Einwohner. Den größten Verlust an Einwohnern verzeichnete demnach Sachsen-Anhalt mit knapp 22 Prozent. In Westdeutschland nahm die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um mehr als sieben Prozent zu, ebenso in der Hauptstadt Berlin.

Die Linke sprach von einem jährlich wiederkehrenden "Betroffenheitsgeschwafel". Spitzenkandidat Dietmar Bartsch betonte, "die Ursachen sind seit Jahren bekannt und stehen wörtlich schon in den Vorjahresberichten: Keine Unternehmenszentralen, keine Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, deutlich niedrigere Löhne als im Westen". Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) forderte, "Deutschland insgesamt und die EU stehen in der Verantwortung, die Entwicklungschancen des Ostens weiter zu fördern und den Aufholprozess .... zu beschleunigen".

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