15.04.2018 - 18:46 Uhr
Deutschland & Welt

Bundesverband Musikindustrie will Konsequenzen ziehen Zukunft des "Echo" unsicher

Die "Echo"-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang hat Empörung ausgelöst. Auch der Preis selbst gerät in die Kritik. Der Bundesverband Musikindustrie will Konsequenzen ziehen und das Konzept überarbeiten.

Nach einem Sturm der Empörung nach der "Echo"-Verleihung will Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie, Konsequenzen ziehen, und den Preis überarbeiten. Bild: Britta Pedersen/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Angesichts des Proteststurms nach der "Echo"-Verleihung will der Veranstalter das Konzept erneuern. "Als Konsequenz daraus wird der Preis auf Entscheidung des Vorstandes vom heutigen Tag nun überarbeitet werden", erklärte Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

Umfassende Analyse

Der ARD-Koordinator für Unterhaltung stellte den Musikpreis insgesamt in Frage. Es gebe nur eine sinnvolle Reaktion der Musikindustrie, schrieb Thomas Schreiber in einem Gastbeitrag für "Die Welt" (Online: Sonntag/Print: Montag): "Eine Entschuldigung und die Erkenntnis, dass dieser 'Echo' keine Berechtigung mehr hat: weder inhaltlich noch moralisch." Die Rapper waren am Donnerstag für ihr als antisemitisch kritisiertes Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" mit dem wichtigsten deutschen Musikpreis ausgezeichnet worden. Empörung gab es auch, weil sie am 12. April geehrt wurden: dem Tag, an dem besonders in Israel an die sechs Millionen ermordeten Juden erinnert wird. Der BVMI-Vorstandsvorsitzende Drücke kündigte eine "umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen" an. Details nannte er nicht. "Im Zuge der aktuellen Debatte mussten wir erkennen, dass wir uns in einem Umfeld wiederfinden, das den Preis in ein falsches Licht rückt", betonte er. "Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben." Der Verband lehne jede Art von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Gewaltverherrlichung ab, erklärte er. "Die Art und Weise der öffentlichen Befassung mit der Auszeichnung des Albums führte zu einer Welle der Betroffenheit, die uns sehr bestürzt und die den Preis überhöht und zugleich überfordert." ARD-Koordinator Schreiber nannte es beschämend und schamlos, dass sich die deutsche Musikindustrie in einer Live-Übertragung im deutschen Fernsehen (beim Privatsender Vox) am Gedenktag der Opfer des Holocaust auf diese Weise feiere. Es habe gleich ein dreifaches Versagen beim "Echo Pop 2018" gegeben - "die Nominierung der beiden Ekelrapper Kollegah und Farid Bang, der sinn- und geschmacksfreie Auftritt dieser beiden am Ende der Show, die Sprachlosigkeit der Verantwortlichen".

Album auf dem Index

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) erklärte, das Album der Rapper stehe bei dem Sender auf dem Index. Demnach wird in den WDR-Radioprogrammen - auch im Jugendradio "1Live" - keine Musik daraus gespielt. Dies habe schon vor der Echo-Verleihung gegolten, sagte eine WDR-Sprecherin am Sonntag und bestätigte damit einen Bericht des "Handelsblatt".

Beim Südwestrundfunk (SWR) hält man es genauso. Beim Jugendsender "Dasding", der von der Musikrichtung her infrage gekommen wäre, laufe das Album generell nicht, sagte ein Sprecher. "Weil es von den inhaltlichen Aussagen nicht tragbar ist."

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