06.04.2018 - 16:31 Uhr
Deutschland & Welt

Das Museum Barberini Potsdam präsentiert Werke Max Beckmanns Die Welt als großes Theater

Potsdam. Und wieder überrascht das Barberini in Potsdam durch eine gezielte, thematisch klar umrissene Ausstellungskonzeption. Zum ersten Mal sind in Kooperation mit der Kunsthalle Bremen die Werke Max Beckmanns (1884-1950) unter dem Aspekt des "Welttheaters" zu sehen, darunter bisher kaum ausgestellte Arbeiten, insgesamt 120 Leihgaben aus deutschen und internationalen Museen und Privatsammlungen, Grafiken, Gemälde und Bronzeskulpturen.

Museumsdirektorin Ortrud Westheider steht vor dem Triptychon "Schauspieler" von Max Beckmann. Bild: Bernd Settnik/dpa
von Autor MILProfil

Leichte Muse

Max Beckmann war schon in jungen Jahren fasziniert von der Welt der Verkleidung und des Vergnügens zwischen Fasching, Jahrmarkt, Varieté und Theater. In seinen ersten Grafikmappen der 20er Jahre offeriert er bereits in den Figuren des Unterhaltungsmilieus die Leidenschaften und Dramen dahinter. Seine erste Berlin-Reise konfrontiert Beckmann noch mehr mit den Schattenseiten des schönen Seins, mit den "Enttäuschten" und "Bettlern".

Holzschnittartig kristallisiert er das Grobschlächtige in Augen, Mündern und Leibern seiner Figuren heraus, den Kampf gegen die Schwerkraft, die Mühsal der Akrobatik. Statt Grazie und Anmut vermitteln die Künstler Kraft, Gier, Ausbeutung. Wenn die Tänzerinnen ihre Beine im Stechschrittformat hochreißen, ist der Erste Weltkrieg ganz nah.

Das wilde Durcheinander in engen Räumen wirkt in Öl durch große Formate, Pinselstrich und grelle Farbkontraste noch viel expressiver. Verstärkt durch wenige Requisiten spiegeln sich in Theatertableaus grausame Realitäten.

Wie im Barock grinst hinter dem Vergnügen der Tod, und expressiv drängen sich menschliche Unzulänglichkeiten in den Vordergrund. Harmlose Kunststücke verwandeln sich in politische Vergewaltigungsakte. Beckmanns Menschen sind beileibe nicht frei.

Existenznot der Künstler

Wie ein Henker balanciert ein Varietékünstler auf dem Seil, darunter schreckensstarr ein plumper Mann, beide bewacht von einem mächtigen Hund im Hintergrund. Statt mit Pinsel vor der Leinwand malt Max Beckmann die Existenznot der "Künstler mit Gemüse" in der Hand. Zwei Triptychen aus den USA vergrößern das Welttheater der "Schauspieler" zur politischen Lösungsstrategie. Hier bringt sich der König selbst um.

Frauen im Weltentheater

Theatral inszeniert Beckmann auch die Frauen. Schon die Farbgebung der Kostüme zielt auf den Charakter, gezeichnet von Gier, Lust in den Grafiken, unberechenbar als "Schlangenbeschwörerin", Objekt des Mannes im "Apatschentanz", verführerisch schön in den großen Porträts.

Die Bronzen führen teilweise die Thematiken der Bilder weiter, wirken sehr massiv, fern körperlicher Eleganz. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 10. Juni im Museum Barberini in Potsdam.

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